Filmkritik

Ein Gauner & Gentleman

| Pamela Jahn |
Robert Redford lächelt zum Abschied.

Charme ist seine Masche, Bankraub sein Geschäft. Und wenn man eines von Forrest Tucker (Robert Redford) lernen kann, dann, wie man mit guten Manieren, einem ehrlichen Lächeln auf den Lippen und einer ungeladenen Pistole in der Manteltasche ans große Geld kommt, mitunter sogar an Gold. Zwar hat der geschickte Ganove dafür bereits etliche Male hinter Gittern gesessen, doch nie lange genug, um sich tatsächlich ernsthafte Gedanken über eine berufliche Neuorientierung zu machen, und eigentlich sowieso nur, um bei der erstbesten Gelegenheit wieder auszubrechen. Mal im Alleingang, mal unterstützt von seinen zwei ebenfalls in die Jahre gekommenen Verbrecherkollegen (Tom Waits, Danny Glover) überfällt der charismatische Endsiebziger immer wieder aufs Neue eine Filiale nach der anderen, reist kreuz und quer durchs Land, um seine Spuren möglichst zu verwischen und sich die Polizei bei seiner Lieblingsbeschäftigung so gut es geht vom Leib zu halten. Denn Tucker tut, was er nicht lassen kann, nicht des Profits wegen, sondern aus Leidenschaft und dem Spaß an der Sache. Das macht ihn schließlich auch für Detective John Hunt (Casey Affleck) zu einem besonderen Fall, der sich in den Kopf gesetzt hat, dem Bankräuber ein für alle Mal das Handwerk zu legen. Verbissen heftet er sich an Tuckers Fersen und wird dabei bald selbst zum Objekt von dessen ungenierter Charmeoffensive. Wie gut der Gentleman auch mit Frauen kann, zeigt parallel die leise aufkeimende Beziehung zwischen Tucker und Jewel (Sissy Spacek), einer verwitweten Farmerin, die den alten Ganoven auf ihre bezaubernde Art mindestens genauso gut um den Finger wickelt wie er sie.

Regisseur David Lowery hat mit The Old Man & the Gun nicht nur die spannende Geschichte des vielleicht einzig wahren Gentleman-Gangsters der Kriminalgeschichte rekonstruiert, sondern zugleich eine Ode an das New-Hollywood-Kino der sechziger und siebziger Jahre geschaffen, die an genau die Filme erinnert, mit denen sein Frontmann einst zum Star  wurde. Die alte Schule spricht noch aus der letzten Faser dieses begeisternden Gangsterdramas und wahrscheinlich kann sich Redford allein deshalb schon nicht das ewige Schmunzeln verkneifen. Die Behutsamkeit, mit der Lowery seinem eleganten Helden wie dem Filmmaterial gegenübertritt, wird von einem zeitgemäßen, oftmals jazzigen Score umwoben, ohne dass dabei versäumt wurde, auch die dunkleren Seiten in Tuckers Biografie einzublenden. Ob dies, wie angekündigt, tatsächlich Redfords letztes Engagement als Schauspieler gewesen sein soll, wird sich noch zeigen. Für Tucker zumindest war der Ruhestand nie eine erstrebenswerte Option.