Ein königlicher Tausch / L’échange des princesses

Filmkritik

Ein königlicher Tausch

| Hans Langsteiner |
Wie „The Favourite“, nur fader

Machtspiele und Intrigen am Königshof? Zickenkriege und Stutenbissigkeit unter Adeligen? Lesbischer Sex im Prunkgemach? Nein, nicht von der vielgerühmten Kostümsatire The Favourite ist hier die Rede, sondern von einem bereits 2017 gedrehten Historiendrama aus Frankreich. Das geht zwar auch nicht gerade zimperlich mit seinem aristokratischen Personal um, bleibt aber in jeder Hinsicht braver.

Den titelgebenden Tausch hat es in der Tat gegeben: Nach langen Konflikten zwischen Frankreich und Spanien fädelt Herzog Philipp von Orléans 1721 eine zweifache Zwangsverheiratung ein. Der elfjährige französische König Ludwig XV. soll die erst vier Jahre junge Tochter des spanischen Königs ehelichen, während Philipps zwölfjährige Tochter dem einfältigen spanischen Thronfolger Don Luis zugedacht ist. Die dynastische Strategie gerät ins Wanken, als die jungen Paare unerwartete Gefühle füreinander zeigen und schließlich die Pocken den Berechnungen ein drastisches Ende bereiten.

So skurril die einer Romanvorlage folgende Konstellation aus Kinderehen und Polit-Planspielen auch anmutet, so mager bleibt letztlich ihr Erkenntnisgewinn. Wie Herrscherhäuser ihre Heiratsstrategie mehr an Machtinteressen als an persönlichen Vorlieben der Betroffenen orientiert haben, verrät schon die Geschichte „unserer“ Habsburger, und dass hohe Herkunft vor niederen Instinkten nicht bewahrt, ist auch keine bahnbrechend neue Erkenntnis. Giorgos Lanthimos hat im erwähnten Favourite immerhin ein freches Spektakel daraus gemacht; der mehr als Schriftsteller denn als Regisseur bekannte Franzose Marc Dugain geht es in seinem erst zweiten Spielfilm dagegen allzu seriös und stilbewusst an.

Die Inszenierung sucht ihre Vorbilder irgendwo zwischen Visconti und Kubricks Barry Lyndon, doch an der zeremoniellen Steifheit, die hier kritisiert werden soll, droht der Film selbst zu ersticken. In reichlich ruhigem Takt reiht sich Bild an Bildchen, und am prunkvoll authentischen Dekor, das hier raffiniert ausgeleuchtet ins Bild gerückt wird, hat man sich bald sattgesehen. Auch die gut geführten Kinderdarsteller, zwischen die sich Altstars des französischen Kinos mischen, können das Interesse nur bedingt wach halten.

Dass eine unbotmäßige Katze zur Strafe einer Ratssitzung beiwohnen muss, markiert in diesem Umfeld schon eine grelle Pointe. „Le Figaro“ zog Parallelen zur Sensationsserie Game of Thrones – viel krasser kann ein Vergleich nicht in die Irre führen.