Filmkritik

Beach Bum

| Jakob Dibold |
Unterhaltungscocktail zwischen Lachern und Kopfschütteln

Der ehemals erfolgreiche Poet Moondog scheint das ausschweifende Leben in Miami perfektionieren zu wollen: Partys, Alkohol, Drogen, Sex, alles in Endlosschleife. Überaus gelegen kommt ihm dabei nicht nur der unermessliche Reichtum seiner Gattin Minnie, sondern auch deren nicht minder unermessliche Nachsicht mit ihrem, wie sie immer noch befindet, genialen und liebenswerten Chaoten. Selbst nachdem Moondog durch einen herben Schlag des Schicksals plötzlich doch mittellos auf der Straße landet, kann das seine unbändigen Feier-Triebe nicht bremsen – er wäre schließlich nicht der, der er ist, wenn er nicht auch aus dieser misslichen Lage das absolute Maximum an Rausch, Exzess und Freudentaumel herausholen würde. Mithilfe einiger mehr oder weniger (Spoiler: mehr) irrer Weggefährten widersetzt er sich weiterhin allen gesellschaftlichen Zwängen und erreicht schließlich sogar noch dieses eine Ziel: endlich ein Buch fertigzustellen.

Obwohl sechs Jahre später, setzt Harmony Korine ziemlich genau dort fort, wo seine Spring Breakers 2013 außer Rand und Band gerieten: Alles glitzert und funkelt im Sunshine State, tags- wie nachtsüber wird gnadenloser Hedonismus durchexerziert. Die Konsequenzen des eigenen Tuns spielen keine Rolle im glänzenden Anblick luxuriöser Pools, locker sitzender Geldscheine und schöner Frauen. Statt ruheloser College-Kids schwirrt diesmal ein gefallener Künstler durch das zweifelhafte Paradies, dessen Figur trotz einiger weniger Melancholie-Anflüge eindeutig komödiantisch angelegt ist. Ob dem Aberwitzigen auf seinem wilden, betont politisch inkorrektem Trip zu stark das Feld überlassen wird, mag Geschmackssache sein, audiovisuell aufbereitet ist dieser in jeder Hinsicht jedenfalls wirklich gekonnt. Zurücklehnen und Denkpause einlegen lautet die Devise dennoch, sucht man nämlich über die Kartonagen-Ränder von buntem Popcorn-Kino hinaus inhaltliche Substanz, findet man kaum mehr als die voyeuristische Einsicht in das Leben eines gescheiterten Genies, das von den Massen umjubelt Gedichte über sein Genital vorträgt und es zustande bringt, Frauen auch noch nach deren Tod zu objektifizieren. Der hemmungslos das Glück suchende Beach Bum und seine schmierigen Literaturagenten, seine Eroberungen, seine Rapper-Kumpel und deren Marihuana-Massen … Mit dem Rettungsanker der Subversion könnte all das vor Belanglosigkeit gerettet werden, doch wohin soll man diesen werfen? Die Wasser sind einfach nicht tief genug.