Ted 2

| Andreas Ungerböck |

Seth MacFarlanes heftige Komödie um einen unflätigen Teddybären wird durch eine österreichische Fassung verschärft.

Was haben wir in den letzten Jahren nicht alles an US-amerikanischen Brachialkomödien erlebt. Und doch: Wer dachte, die Farrelly Brothers oder so manche Filme aus der Judd-Apatow-Schmiede oder Todd Phillips‘ Hangover-Trilogie oder der dritte Teil von Meet the Fockers seien das Nonplusultra an Fäkal- und Genitalhumor, der hat die Rechnung ohne Seth MacFarlane gemacht. Spätestens mit Ted (2012) über die Freundschaft zwischen dem typischen Man-Baby John (Mark Wahlberg) und seinem zum Leben erwachten Teddybären (Stimme: MacFarlane) war klar, dass der erfolgreiche Schöpfer von ebenfalls recht deftigen TV-Serien (Family Guy, American Dad!) auch die Kinoleinwände erobert hatte. Nach der reichlich missglückten Genre-Parodie A Million Ways to Die in the West (2014) ist nun wieder Ted an der Reihe, der gleich zu Beginn seine Angebetete Tami-Lynn heiratet. Als die beiden beschließen, ein Kind zu adoptieren, wird Ted, der viele Jahre lang gut als „Mensch“ gelebt hat, plötzlich erneut aktenkundig, und allerlei Behörden erkennen ihm plötzlich diesen seinen Status ab – er wird per Gerichtsurteil wieder zum Spielzeug, zum Ding erklärt, seine Ehe annulliert, usw. Daran kann auch die engagierte, wenn auch dauerkiffende Junganwältin Sam L. Jackson (Amanda Seyfried) nichts ändern. Also machen sich Ted, John und Sam auf nach New York, um einen wesentlich prominenteren Anwalt, einen Spezialisten für Grundrechts-Fragen (Morgan Freeman, no less) aufzusuchen.

Was nach einer einigermaßen „vernünftigen“ Handlung klingt (wenn man sich die hirnrissige Teddybären-Metamorphose als Prämisse gefallen lässt), garniert MacFarlane mit seinen bekannt geschmacklosen Scherzen, Anspielungen und visuellen Entgleisungen. Dagegen wäre per se noch nichts zu sagen. Das Problem ist nicht einmal, dass MacFarlane die Latte noch um einiges tiefer legt als im ersten Teil, die Crux ist, dass es seinem Film an jeglichem Charme mangelt. Dass sich Brachialhumor und zarte, feine Klinge nicht völlig ausschließen müssen, bewiesen die Farrellys zuletzt mit ihrem Sequel Dumb and Dumber To. Die innige Freundschaft der beiden Dummköpfe dort hat fast etwas Magisches, Rührendes, in Ted 2 hingegen werden selbst die wenigen „bewegenden“ Szenen – etwa, als John Ted einmal das Bären-Leben rettet – mit dem Holzhammer plattgemacht, und auch die gelungeren Scherze (wie Sams mangelnde Kenntnis der US-Populärkultur oder die absurd-überdrehte Messe für Comic-Fans) von einer Flutwelle an wirklich öden Witzen ertränkt.

Um das Maß vollzumachen, hat irgendjemand beschlossen, auch eine österreichische Synchronfassung herzustellen – oder, genauer gesagt, Ted von dem Grazer Schauspieler Stefan Puntigam sprechen zu lassen, während alle anderen Figuren Hardcore-Synchron-Bundesdeutsch sprechen. An Puntigam liegt es nicht, aber das, muss man leider sagen, war eine Schnapsidee, die gar nicht funktioniert. Dass „Österreichisch“ eine recht derbe Sprache sein kann, gewiss, aber hier passt es einfach nicht. Zumindest diese Fassung sollte man sich schenken.

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