Straight Outta Compton

| Marietta Steinhart |

Dr. Dre und Ice Cube haben sich ein Denkmal gebaut.

Im Jahr 1986 war Compton, ein Vorort von Los Angeles, berüchtigt für Bandenkriminalität und Konflikte zwischen schwarzen Bürgern und ihren rassistischen Strafverfolgern. Ronald Reagan hatte den Drogen den Krieg erklärt, und das Los Angeles Police Department schlug Aufstände mit brutalen Mitteln nieder. Vor diesem Hintergrund entstand, eingenistet in eine wütende Soundkulisse von Schießereien und Sirenen, das titelgebende Protestalbum von N.W.A (kurz für „Niggaz With Attitudes“), jener Gruppe, die den Gangsta-Rap salonfähig machte.

Straight Outta Compton beginnt in besagtem Jahr mit Eazy-E (eine kleine Offenbarung: Jason Mitchell), als er wie in einem Agententhriller über die Dächer von Compton vor der Polizei flieht. Dr. Dre (Corey Hawkins) wird als Idealist mit Gespür für Beats eingeführt, während Ice Cube (gespielt von Cubes Sohn O’Shea Jackson Jr.) sich zum Schriftsteller der Gruppe ernennt. Weitere Mitglieder sind DJ Yella (Neil Brown Jr.) und MC Ren (Aldis Hodge). Die Jungs wollen groß rauskommen – vor allem raus aus Compton – und geraten in den Orbit von Jerry Heller (Paul Giamatti), einem Manager, der Türen zur weißen Musikszene für sie öffnet, ihnen aber lausige Verträge unterjubelt. Was von da an passiert, ist genug Stoff für ein Dutzend Filme: Wohlstand, Vertragsstreitigkeiten,
Solokarrieren und der AIDS-Tod von Eazy-E im Alter von 31 Jahren. Die Kerngruppe war nur etwa zwei Jahre zusammen, doch lancierte sie eine neue Generation von Talenten wie Snoop Dogg und Tupac Shakur.

Regisseur F. Gary Gray hat einen konventionellen, aber lebendigen Musikfilm über einen dringenden Moment des Protests geschaffen, und die Schauspieler sind durchweg großartig, aber so viel Hip-Hop-Geschichte in 147 Minuten abdecken zu wollen, ist unmöglich, ohne – speziell im zweiten Teil des Films – an Qualität einzubüßen. Gray macht N.W.A nicht zu Musterknaben (die Frauen nebenbei wie mindere Lebensformen behandeln), und trotzdem haben die Produzenten Ice Cube und Dre die Erzählung fest in der Hand.

Dass Letzterer eine TV-Moderatorin verprügelte, ist nur eines von vielen Details, die ausgelassen wurden. Und so rangiert der Film vermutlich irgendwo zwischen der Wahrheit und einer schmeichelnden Version der Vergangenheit. Biggie Smalls, Eminem und 50 Cent, alle haben sie Filmbiografien bekommen, aber Straight Outta Compton ist deshalb so relevant, weil es angesichts der „Black Lives Matter“-Bewegung auch 27 Jahre, nachdem N.W.A „Fuck tha police!“ geschrieen hatte, in den ganzen USA widerhallt.

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