Evolution auf b – Karl Schiske

Veranstaltung / Gewinnspiel

Evolution auf b

| Andreas Ungerböck |
„ray“ präsentiert gemeinsam mit dem Radiokulturhaus und dem Österreichischen Filminstitut Kurt Brazdas Dokumentarfilm „Evolution auf b“ über Karl Schiske, einen der Hauptvertreter der österreichischen Neuen Musik nach 1945, und seine prominenten Schülerinnen und Schüler.

Karl Schiske (1916–1969) war nicht nur einer der wichtigsten österreichischen Komponisten nach dem Krieg, er unterrichtete zudem nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs an der Musikakademie in Wien die später bedeutendsten Komponistinnen und Komponisten der Neuen Musik, von denen ein erheblicher Teil auch in diesem wunderbar sorgfältigen und inspirierten essayistischen Porträt des Kameramannes und Regisseurs Kurt Brazda zu Wort kommen: Namen wie Friedrich Cerha, Iván Eröd, Dieter Kaufmann, Lothar Knessl, Alexander Kukelka, Gösta Neuwirth, Olga Neuwirth, Kurt Schwertsik, Erich Urbaner und Otto M. Zykan lassen die Herzen vieler Musikfans höher schlagen, aber auch für jene, die der Neuen Musik eher reserviert oder ablehnend gegenüberstehen, lohnt es sich, den Film anzusehen, schon allein, um die eigenen Vorurteile zu überwinden. Schiske war ohnehin an solchen Widerstand gewöhnt, denn das kulturelle Klima in Wien nach 1945 war nicht eben „günstig“; ads betraf bekanntlich nicht nur die Neue Musik, sondern auch alle anderen progressiven Strömungen der Kunst. Schiskes Schüler erinnern sich daran, aber auch an das Engagement ihres großen Lehrers und dessen Fähigkeit, seine Studentinnen und Studenten auf seine musikalischen Höhenflüge mitzunehmen und ihnen die Liebe zur Neuen Musik erfolgreich zu vermitteln. Als sein Hauptwerk gilt das Oratorium „Vom Tode“, das er unter dem Eindruck des Soldaten-Todes seines Bruders Hubert komponierte. Zu seinem Werk zählen aber auch Symphonien und Kammermusik, und in späteren Jahren setzte sich Schiske auch intensiv mit der gerade aufkommenden elektronischen Musik auseinander. Karl Schiske wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem 1952 mit dem Staatspreis für Musik und 1967 mit dem Großen Österreichischen Staatspreis.

Kurt Brazdas Film folgt aber nicht nur dem Leben, dem Werk und der Lehrtätigkeit des bedeutenden Komponisten, sondern stellt auch eine Bestandsaufnahme der heutigen Szene dar, die längst großes internationales Ansehen genießt. Der Regisseur wollte, wie er selbst sagt, „mit cineastischen Mitteln Lust auf die neuen Klangwelten erzeugen“, und es ist ihm mit diesem schönen Film und vielen Hörbeispielen, die darin vorkommen, definitiv gelungen.