Im Zeichen des Erfolges

| Duško Dimitrovski |

Neues aus Südost- und Mitteleuropa: Pula, das älteste, und Sarajevo, das populärste Festival der Region.

Das 62. Pula Film Festival lief von 18. bis 25. Juli, das 21. Sarajevo Film Festival von 14. bis 22. August. Ersteres war früher das Festival der Kinematografie des ehemaligen Jugoslawien. Nach der Unabhängigkeit Kroatiens beherbergt es das Festival des kroatischen Films (vergleichbar mit der Diagonale in Graz). Gezeigt werden aber auch Filme, die in Koproduktion mit anderen Ländern der Regionen hergestellt worden sind, was sichtlich für eine Qualitätssteigerung gesorgt hat.

Die Filme werden in der wunderschönen alten römischen Arena unter freiem Himmel gezeigt. Bis zu achttausend Besucher wohnen den Veranstaltungen bei. Verliehen wird von einer internationalen Jury der Grand Prix („Goldene Arena“). Aus dem diesjährigen Programm besonderes hervorzuheben war der kroatische Antikriegsfilm Zvizdan (The High Sun) von Dalibor Matanic. Der erst 40-jährige Regisseur hatte damit heuer schon in Cannes im Programm Un Certain Regard den Jury-Preis zugesprochen bekommen und erhielt letztlich in Pula weitere sechs Spezialpreise. Der Film ist eine visuell sehr gut umgesetzte Liebesgeschichte zur Zeit des Krieges im ehemalige Jugoslawien. Mit Tihana Lazovic, Goran Markovic, Nives Ivankovic, Dado Cosic, Stipe Radoja ,Trpimir Jurkic und Mira Banjac ist der Film mit herausragenden Schauspielern besetzt.

Darüber hinaus erwähnenswert sind die Filme Takva su pravila (These Are the Rules) von Ognjen Svilicic, Nicije dijete(No One’s Child) von Vuk Rsumovic und der abendfüllende Dokumentarfilm Djeca tranzicije (Children of Transition) von Matija Vukesic.

Das Sarajevo Film Festival ist das mit rund 100.000 Besuchern bestbesuchte Festival in Südost- und Mitteleuropa. Nachdrücklich hat es mit seinem vielschichtigen Programm seine Bedeutung unter Beweis gestellt. Gezeigt wurden Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilme, insgesamt über 200 Lang- und Kurzfilme. In der Gästeliste des Festivals schienen 2000 Namen auf, Journalisten, Filmkritiker und Künstler aus der ganzen Welt, unter anderem die Regisseure Brillante Mendoza, Atom Egoyan (beide wurden jeweils mit einem Tribute geehrt), Karl Markovics und Danis Tanovic und die Schauspieler Benicio Del Toro und Mirjana Karanovic.

Der Hauptpreis, das „Herz von Sarajevo“ für den besten Film, ging an Mustang, eine türkischen Produktion in der Regie der jungen Regisseurin Deniz Gamze Ergüven – eine überaus lebendige Story um fünf junge Schwestern die mit allen legalen und illegalen Mitteln gegen die konservative Erstarrung in ihrem kleinen nordtürkischen Dorf ankämpfen.

Trotzdem schade, dass der beste Film, das ungarische Holocaust-Drama Son of Saul von Laszlo Nemes über ein schreckliche Schicksals im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, nicht den Hauptpreis bekam. Weitere hervorzuhebende Filme beim 21. Sarajewo Film Festival waren Comoara (The Treasure) von Corneliu Porumboiu, der griechische Film Chevalier von Athina Rachel Tsangari, Nasa svakodnevna prica (Our Everyday Life) von Ines Tanovic (Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien), und Panama von Pavle Vuckovic (Serbien). Österreich war im Wettbewerb mit Superwelt von Karl Markovics und dem Dokumentarfilm Über die Jahre von Nikolaus Geyrhalter vertreten. Markovics hatte 2011 mit seinem Debütfilm Atmen den Hauptpreis gewonnen.