„The Little Drummer Girl“ aka „Die Libelle“, nach dem Erfolgsroman von John le Carré, in Szene gesetzt von Park Chan-Wook
Nach The Night Manager nahmen sich die BBC und der US-Sender AMC nun einen der erfolgreichsten Romane des britischen Spionage-Meisters vor: „Die Libelle“ („The Little Drummer Girl“, 1983). Nach einer Serie palästinensischer Anschläge im Europa der siebziger Jahre, die alle die Handschrift des Freiheitskämpfers/Terroristen Khalil tragen, macht sich eine Spezialeinheit des israelischen Geheimdienstes daran, Khalil und seiner Zelle das Handwerk zu legen. Sie rekrutieren die britische Schauspielerin Charlie Ross, die bei einer Veranstaltung Sympathien für die Sache der Palästinenser gezeigt hatte. Der tollkühne Plan ist, Charlie in die Zelle einzuschleusen und sie an Khalil heranzuführen.
Für Leute auf der Suche nach dem schnellen Kick ist diese Miniserie nur bedingt geeignet: Die Libelle nimmt sich viel Zeit, um die Figuren und die politischen Gegebenheiten zu etablieren; erst dann kommt Bewegung in die Sache. Aber in genau dieser Sorgfalt liegt die Qualität, denn nur so kann man die komplexen Vorgänge verstehen, die die junge Frau, überwältigend gespielt von der 23-jährigen Florence Pugh, dazu führen, sich auf die Sache einzulassen. Ihre Vorbehalte, aber auch die fein herausgearbeitete psychologische Disposition der Agenten (hervorragend Michael Shannon als Einsatzleiter und Alexander Skarsgård als Lockvogel) sind wesentlich für die Story, die sich – wie Le Carrés Vorlage – eine sehr ambivalente Sicht des Konflikts erlaubt.
Doch der größte Clou war wohl die Verpflichtung des koreanischen Meisterregisseurs Park Chan-wook (Oldboy u.a.), dessen distanzierter Blick und kühler Sinn für Visualierung (Kamera: Kim Woo-hyung) das aufgeheizte politische Geschehen entscheidend konterkarieren. Auch die intensive Musik von Parks Langzeit-Mitarbeiter Jo Yeong-wook trägt entscheidend zur hervorragenden Verfilmung bei.
