Die Filmfestivals von Split und Bitola anno 2015 im Zeichen besonderer Erlebnisse.
Die Festivals im kroatischen Split und im mazedonischen Bitola pflegen seit jeher eine spezielle, aber programmatisch durchaus ähnliche Ausrichtung.
Das Festival in Split schenkt unter dem Motto „Festival des neuen Films“ dem avantgardistischen Filmschaffen besondere Aufmerksamkeit. Das diesjährige Festival, das vom 12. bis zum 19. September abgehalten wurde, feierte das 20. Jahr seiner Existenz. Es gab eine Reihe von Filmen zu sehen, die mit einer interessanten Bildsprache aufwarten konnten wie Rakijaski dnevnik („The Spirits Diary) von Damir Cucic (Kroatien), Chasing Waves von Chalieebebs Gohetia (Philippinen), Nude Area von Urszula Antoniak (Niederlande / Polen) und Videophilia von Juan Daniel F. Molero (Peru). Daneben wurde dem afrikanischen Filmschaffen eine kleine Retrospektive gewidmet mit Werken , die auf anderen großen Festivals nur selten und im Kino kaum präsent sind. Als Gast war Martin Richard Mihando, der Direktor des Zanzibar Filmfestivals, eingeladen, der einige dieser Filme im Gepäck mitbrachte. Auf diese Weise hatte das cinephile Publikum Gelegenheit, unter anderem Kurzfilme wie Houkak von Younes Yousfi (Marokko), Uthando von Tulanana Bohelo (Tansania) und Kwaku von Anthony Nil (Ghana / Belgien) zu sehen.
Das 36. Manaki Brothers International Cinematographers‘ Festival in Bitola, das vom 18. bis 27. September stattfand, stand im Zeichen zweier sehr interessanter Filme, die eine herausragende fotografische Gestaltung vorzuweisen hatten. Es handelte sich um die ungarische Produktion Son of Saul von László Némes und um Macbeth von Jurstin Kurzel (Kamera: Adam Arkapaw), der als britisch-französische Ko-Poproduktion entstand. Der ungarische Beitrag erhielt zurecht wegen der außergewöhnlichen Kameraarbeit von Matyas Erdely den Hauptpreis „Goldene Kamera 300“. Kurzels Macbeth-Version wiederum ist eine wunderbare visuelle Symphonie, basierend auf Shakespeares Meisterwerk.
Weitere sehenswerte Filme in Bitola waren Mia Madre von Nanni Moretti, Belye nochi pochtalona von Andrey Konchalovskiy (Russland), Timbuktu von Abderrahmane Sissako (Frankreich / Mauretanien), Box von Florian Serban (Rumänien / Frankreich / Deutschland) und Zvizdan (High Sun) von Dalibor Matanic (Kroatien / Serbien / Slowenien).
Der neue Film von Matanic ist eine als Triptychon mit Anklängen an das Romeo-und-Julia-Motiv gestaltete, problematische Liebesgeschichte, deren Episoden in den Jahren 1991, 2001 und 2011 in zwei verfeindeten Dörfern nahe der dalmatinischen Küste angesiedelt sind. Der Film hat darüber hinaus ein mitreißendes Darstellerensemble vorzuweisen, in dem Tihana Lazovic, Goran Markovic, Nives Ivankovic, Dado Cosic, Stipe Radoja, Trpimir Jurkic und Mira Banjac brillieren.
Das Programm in Bitola wurde noch durch zwei Meisterklassen bereichert, die von dem bekannten serbischen Kameramann Bozidar-Bota Nikolic und dem weltberühmten mazedonischen Regisseur
Milcho Manchevski (Vor dem Regen) geleitet wurden. Die „Goldene Kamera“ für ihr Lebenswerk erhielten der polnische Kameramann Ryszard Lenczewski, ein Veteran seines Faches, und der Schauspieler Bruno Ganz. Der international bekannte Akteur war als Ehrengast beim Festival anwesend.
