apollo 11

Filmkritik

Apollo 11

| Jakob Dibold |
Körperkino mit Kostbarkeiten aus der NASA-Schatzkiste

Happy Birthday, Mondlandung – nachdem Ryan Gosling letztes Jahr schon überpünktlich als erster Mann am Mond von der Leinwand strahlte, setzt nun 2019 eine nicht minder bildgewaltige Filmerinnerung auf die Kinolandschaft auf. Anders als Damien Chazelles First Man fokussiert Todd Douglas Millers Filmhommage an das heuer also 50-Jahres-Jubiläum feiernde, prägende Raumfahrtereignis des vergangenen Jahrhunderts aber nicht nur auf Neil Armstrong. Apollo 11 ist sein eigener Protagonist. Aus über elftausend Stunden Audio- und dreitausend Stunden Videomaterial hergestellt, ist Millers Filmarbeit keine gewöhnliche Dokumentation: Ohne jegliche neu angefertigte verbale Narration und ohne Interviews wird eine Geschichte erzählt, die in ihren Grundzügen wohl fast die ganze Welt kennt.

Die Astronauten Buzz Aldrin, Neil Armstrong und Michael Collins reisen zum Mond und wieder zurück, doch es werden keineswegs nur die drei Auserkorenen begleitet. In hochwertigster Bildqualität wird nicht nur das tosende, dröhnende Raketen- und Weltall-Treiben spürbar gemacht, auch die Geschehnisse unten auf der Erde nehmen einen wichtigen Platz ein. Obwohl der Körperlichkeit und der Intimität der Raumreise zahlreiche beeindruckende Momente nicht abzusprechen sind, würde sich die Grundspannung des Films nämlich doch irgendwann lösen, wären da nicht all jene ebenso realen Körper und Gesichter, die das Geschehen kontrollieren und beobachten, konzentriert, freudig, staunend. Apollo 11 fängt mehr ein als „nur“ die tatsächliche Raumfahrt und Armstrongs und Aldrins lunaren Spaziergang.

Er wird der Mission als Kulturereignis gerecht, indem er sich nicht nur für die NASA-Teams interessiert, sondern auch für die zahlreichen Schaulustigen, die die Mission von Anbeginn vor Ort mitverfolgen, und so die vielschichtige Medialität verhandelt, die das Spektakel bis heute zusammenhält: Das Kinopublikum sieht und hört nicht nur originale Aufnahmen der Raumfahrer und der Mission Control, ebenso nimmt es teil an der euphorisierten Beobachtung der Zivilbevölkerung. Bewusst wie unaufdringlich lässt Miller obendrein eine von einer Reporterstimme wie nebenbei erwähnte Meldung über die Lage im Vietnam als Kontextualisierung fungieren, die die gar märchenhafte Heldenmission ein Stück weit erdet.

Wie auch überhaupt als Gesamtfazit gesagt werden kann, dass, wenngleich vielleicht nicht immer ganz so spannend wie gewollt, die Virtuosität dessen, wie hier mit Archivmaterial gearbeitet und erzählt wird, dringend sehenswert ist.