Vom romantischen Helden in „Die Fremde“ bis zum ausländerfeindlichen Kriminalpolizisten in „Das ewige Leben“: Hary Prinz ist seit vielen Jahren ein markantes Gesicht des österreichischen Films.
Es gibt einen Film aus dem Jahr 2000, den laut Statistik des Österreichischen Filminstituts nur 2.957 Menschen gesehen haben, obwohl er zu den schönsten und besten gehört, die in diesem Land gedreht wurden: Götz Spielmanns Die Fremde. Der Film ist leider auch nicht in der Hoanzl-Österreich-DVD-Edition enthalten … Im Mittelpunkt steht eine attraktive mexikanische Drogenschmugglerin (Goya Toledo), die es nach Wien verschlägt, wo ihr ein Taxifahrer zu Hilfe kommt. Der hat unendlich sanfte Augen, aber den Drogendeal wickelt er kaltschnäuzig ab, als habe er sein Leben lang nichts anderes getan. Und dann gibt es noch eine Supermarkt-Kassiererin (Nina Proll), die sich mit ihm verabredet. Die paar Dialogzeilen zwischen den beiden lassen auf eine tolle Liebesgeschichte schließen, die wir allerdings nicht mehr zu sehen bekommen. Den Taxifahrer spielte Hary Prinz, damals 35 Jahre alt und vor allem am Theater tätig. Seither ist er auch im Film eine feste Größe: Seine Karriere ist reich an nuancierten Nebenrollen (etwa in Spielmanns Antares), aber es gibt auch viele schöne Hauptrollen, so in Jo Baiers Schwabenkinder, in Andreas Prochaskas Fernsehfilm Vermisst – Alexandra Walch, 17, in Nikolaus Leytners Die Geschworene und kürzlich im „Landkrimi“ Steirerblut von Wolfgang Murnberger, aber auch in Deutschland und in Italien. Das Gespräch mit dem charismatischen Schauspieler fand am Abend der Filmpreis-Verleihung statt, wo er von Autogrammjägerinnen belagert wurde.
Wann und wie haben Sie bemerkt, dass Sie Schauspieler werden wollen?
Ich kam zum Theater über den Umweg des Kabaretts, das war noch während der Schulzeit. Ich schrieb zusammen mit Freunden Texte, natürlich sehr amateurhaft, aber mit Herzblut. Aufgeführt haben wir das hauptsächlich in Jugendzentren, in Pfarren, an solchen Orten. Wir haben keinen Eintritt verlangt, aber sind mit dem Hut herumgegangen. Das hat mich sehr begeistert, aber das war lange, bevor ich überhaupt daran dachte, eine Schauspielschule zu besuchen. Ich begann zu studieren und wollte Lehrer werden, obwohl ich nie gerne in die Schule gegangen war. Ich schielte aber immer so ein bisschen in Richtung Theater und Film, aber ich kannte niemanden, kam auch aus keiner Künstlerfamilie, also war das kein Thema. Schließlich besuchte ich doch eine Art Workshop, der in Richtung Schauspiel ging, und dort erzählte mir jemand vom Schubert-Konservatorium. Angeblich musste man „nur“ einen Monolog lernen, und das tat ich. Ans Reinhardt-Seminar hätte ich mich nie herangewagt, das war viel zu weit weg für mich. Und siehe da, ich wurde aufgenommen. Inzwischen spielten wir mit dem Kabarett auch im Metropol, das ging schon irgendwie voran. Ich verdiente sogar ein bisschen Geld und konnte selbst die Schauspielschule bezahlen. Im zweiten Jahr hatte ich Riesen-Glück, weil Peter Zadek für seine „Iwanow“-Inszenierung am Akademietheater Eleven suchte. Ich wurde genommen. Über diese Schiene kam ich ans Burgtheater. Nach drei, vier Jahren ging ich in die Schweiz.
Aber Sie waren an Film interessiert?
Sehr. Aber es war genau so: Ich kannte niemanden, wusste nicht, wie man einen Agenten bekommt, wie man zu Castings kommt, und so weiter. Irgendwann hatte ich dann doch eine Agentin, und die hat mich zu einem Casting geschickt, für Götz Spielmanns Die Fremde. Da wurde die männliche Hauptfigur besetzt, und ich dachte: Ist doch egal, ich probiere es einfach.
Sie waren auch in Niki Lists Der Schatten des Schreibers.
Stimmt. Das war eine winzige Sache, eine Szene. Aber ich glaube, die Agentin hat mich deswegen genommen. Und sie hat mich wohl im Theater Gruppe 80 gesehen, da habe ich viel gespielt. Jedenfalls ging ich zum Casting, und das war für mich wie ein Wunder! Es war ein Traum, der da in Erfüllung ging, eine sehr große Rolle und auch schwierig für mich am Anfang. Götz probte sehr viel, und ich musste da erst hineinfinden. Aber letztlich passte es. Es war eine tolle Arbeit, mit tollen Kollegen.
Hat Spielmann Ihnen gesagt, warum er Sie genommen hat?
Er war wohl überzeugt, auch von der Sprache her und vom Typ her. Ich habe während der Schauspielschule so ein bisschen unterrichtet in einem Kinderhort in der Großfeldsiedlung, ich kannte das Milieu, bin selber im 22. Bezirk aufgewachsen, kannte diese Typen, diese Art zu reden. Später in Deutschland hatte ich dann manchmal das Problem, dass viele dachten, ich könne überhaupt nur so reden, also Wienerisch, kein Hochdeutsch.
Das Schöne an dem Film ist ja diese vielschichtige Figur, dieser doch eher sanfte Harry, der aber alles andere als ein Weichei ist, und der sehr genau weiß, was er will.
Ja, Götz wollte das so, und ich auch. Wir wollten eben nicht dieses Klischee vom verrohten Vorstadt-Strizzi. Dazu kommt, dass der Charakter einmal Alkoholiker war, und wenn man davon wegkommt, da muss man schon eine Stärke und eine Sensibilität haben, die man der Figur auch anmerken soll. Das schimmert auch ein bisschen durch. Das Schöne an einer so großen Rolle ist ja, dass man Zeit hat, sich darauf einzulassen, dass man quasi ständig da ist, und diesen Schwung und diese Lust hat, da ganz einzutauchen. Und Götz ist ja einer der wenigen, der sehr genau probt, was sehr wichtig ist. Man sieht das vielleicht nicht eins zu eins, aber man baut natürlich sehr viel auf, man lernt die Figur sehr gründlich kennen.
Es gibt eine tolle Chemie zwischen Harry und Beate, die von Nina Proll gespielt wird. Das sind sehr schöne Szenen, die eigentlich einen eigenen Film gerechtfertigt hätten.
Ich traf sie kürzlich wieder, bei Die Frau mit einem Schuh, dem letzten Film des tragisch verstorbenen Michael Glawogger (DVD-Tipp auf Seite 101). Da war ich das „love interest“ von Nina, die die Polizistin spielte. Aber ja … Da hätte schon etwas draus werden können aus der Geschichte von Harry und Beate.
Haben Sie auch den Eindruck, dass der Film unter seinem Wert geschlagen wurde?
Ja. Er wurde in einem heißen Juni gestartet, das weiß ich noch, und Geld für Werbung war wohl auch nicht viel da. Ich war ziemlich enttäuscht, dass der Film so wenig wahrgenommen wurde. Immerhin war das der österreichische Oscar-Beitrag 2000! Er ist einfach ein bisschen verloren gegangen, der schöne Film. Ich mochte auch die Arbeit mit Goya Toledo sehr, eine wunderbare Schauspielerin, übrigens die beste Freundin von Penélope Cruz.
In Antares spielten Sie wieder bei Götz Spielmann.
Ja, das war dann aber eine ganz andere Figur.
Finden Sie? Irgendwie ist er doch Harry ähnlich, eine Art „Frauenversteher“, wenn man so will.
Stimmt auch wieder. Er ist ja der Betrogene, da war es für mich ganz wichtig, zu zeigen, dass man nicht „männlich“ ist, nur weil man auszuckt. Männlich ist man sowieso, er ist halt eher der Korrekte, der Ruhige, der Geduldige, der auf die Familie schaut. Ich fand das sehr okay, ich war mir da auch schon wesentlich sicherer in dem, was ich wollte, als bei Die Fremde.
Ab wann hatten Sie denn das Gefühl, „wahrgenommen“ zu werden, vom Publikum, von der Branche? War das nach Antares, oder schon vorher?
Das Komische ist ja, als Schauspieler hat man gar nie so das Gefühl. Aber ich bin auch nicht so die „Rampensau“, ich suche das nicht unbedingt. Ich glaube, mehr gebracht haben mir letztlich die Fernsehfilme, Margarete Steiff z.B. mit Heike Makatsch. Der kam sehr gut an, war der Publikumsfavorit bei der Bambi-Verleihung. Man kann das selber schwer sagen, aber ich glaube, da wurde ich schon wahrgenommen.
Welchen Typus sieht man denn in Ihnen? Oder gibt es diese Zuschreibungen gar nicht mehr? Sie spielen jedenfalls gehäuft Polizisten.
Es gibt einfach so viele Krimis, dass man dem Rollenfach gar nicht entkommt. Das Komische ist: Bis Vermisst von Andreas Prochaska hatte ich nie einen Polizisten gespielt, aber seither ziemlich oft. Das kommt daher, dass viele Leute beim Fernsehen sich danach richten, was sie gesehen haben. Man wird dann so besetzt, wie man zuletzt wahrgenommen wurde. Im Kino ist das doch ein wenig anders. Früher spielte ich öfter den Bösen.
Das kann man sich gar nicht vorstellen. Wo denn?
Das war zum Beispiel ein italienischer Fernseh-Zweiteiler, Malfalda von Savoyen, da war ich der böse Deutsch-Italiener, also so, wie die Italiener sich einen Deutschen vorstellen. Ich spielte einen sadistischen KZ-Kommandanten, aber einen, der im Grunde noch ein Bub ist. Das ist, glaube ich, ganz gut geworden. Und im Fernsehen spiele ich immer wieder mal Bösewichte, aber das liegt vielleicht an meinen Augenringen.
Wie entscheiden Sie sich denn für oder gegen Rollen?
So groß ist die Auswahl gar nicht. Man muss ja auch seine Miete bezahlen, seine Familie ernähren. Dass ich reihenweise unmögliche Rollen ablehnen muss, das ist nicht so. Schön, wenn vielleicht einmal im Jahr eine richtig gute Rolle dabei ist. Die muss jetzt gar nicht so groß sein, aber man freut sich, wenn sie gut geschrieben ist. Das wiegt vieles auf. Man macht natürlich vieles, was vielleicht kein Meisterwerk ist, aber dennoch versucht man, etwas daraus zu machen. Wichtig ist, dass auch die Kollegen gut sind, denn nur dann ist man auch gut.
Trifft man nicht immer dieselben Leute? Andreas Kiendl, Ursula Strauss, Franziska Weisz …
Ja, aber die sind auch sehr gut. Und ich bin in einem Alterssegment, in dem es einfach die meisten Rollen gibt. Seit ich 40 wurde, ist das zu bemerken. Wobei es für Männer sowieso leichter ist, gute Rollen zu finden. So viele Produktionen gibt es auch wieder nicht, also nimmt der Regisseur natürlich Leute, die er schon kennt. Aber es gibt natürlich viele großartige Schauspieler, die noch nicht so viel gedreht haben.
Wie kam es zu Ihrem ganz kurzen Auftritt in Fallen?
Wegen Barbara Albert. Sie machte beim allerersten Theaterstück, in dem ich gespielt habe, das war „Der Kuss der Spinnenfrau“ im Theater Spielraum, Regieassistenz. Sie war noch an der Filmakademie. Unter anderem musste sie die Polenta kochen, die wir Häftlinge im Stück aßen. Weil sie öfter zu spät kam, war die Polenta manchmal nicht ganz durch … Aber das war nicht so wichtig, wir verstanden uns sehr gut, und ich verfolgte mit großem Interesse ihre Karriere. Ich mag ihre Arbeit sehr gerne, und es war für mich selbstverständlich, diese kleine Rolle zu spielen.
Sie arbeiten viel für das Fernsehen, auch in Deutschland bzw. in österreichisch-deutschen Koproduktionen. Wie steht es mit dem viel zitierten „Qualitätsunterschied“ zum Kino?
Als Schauspieler denkt man gar nicht so sehr an so etwas. Und wir haben ja großartige Regisseure, die viel Fernsehen machen – neben ihren Kinofilmen: Andreas Prochaska, Wolfgang Murnberger, Michael Kreihsl, um nur ein paar zu nennen. Die arbeiten genauso qualitätsbewusst wie im Kino, außer dass man halt weniger Zeit hat. Und ich denke: besser ein guter Fernsehfilm als ein schlechter Kinofilm.
Haben Sie sich auch theoretisch mit Schauspiel auseinandergesetzt? Haben Sie so etwas wie eine Methode?
Natürlich muss sich jeder einmal mit Stanislawski beschäftigen, das ist wohl unerlässlich. Aber Method Acting, das funktioniert bei uns einfach nicht. Man sucht sich das halt so zusammen. An der Schauspielschule lernte ich interessanterweise so eine DDR-Methode, weil die Lehrer ihre Ausbildung in der DDR gemacht hatten. Und bei Zadek am Akademietheater, das war sehr beindruckend zu sehen, wie Gert Voss, Ignaz Kirchner, Angela Winkler oder Eva Mattes arbeiten. Wichtig ist mir Freiraum, dass man einmal etwas verhauen darf, auch mal peinlich sein darf, dass es nicht gleich hundertprozentig sitzen muss. Wenn man die Möglichkeit hat, etwas auszuprobieren, auch wenn man dann vielleicht draufkommt, dass es nicht das Richtige war. Ich mag es, wenn mir die Regie diese Möglichkeit bietet und nicht gleich Perfektion verlangt. Ich mag keine Diktatoren.
Ist beim Fernsehen für so etwas Zeit?
Manchmal. Nehmen wir Isenhart, diesen Mittelalter-Film … Ich bin da nicht mit allem glücklich, was ich gemacht habe, aber der Regisseur Hansjörg Thurn nahm sich nicht nur die Zeit zu proben, sondern er schrieb eigens Szenen, die vor denen spielten, die wir im Film hatten. Das war sehr hilfreich. Das ist natürlich beim Fernsehen selten, aber es machte viel Spaß.
Woher stammt Ihre Italien-Connection?
2003 wurde ich nach München zum Casting eingeladen, zu Maurizio Zaccaro, einem sehr guten Regisseur, den ich sehr schätze. Er war früher Assistent von Ermanno Olmi und hat eine große Liebe zum Kino. Er suchte deutschsprachige Schauspieler, aber während des Castings sah er sich nebenbei ein Spiel des AC Milan an. Ich dachte: „Okay, das war es dann“, aber ich wurde genommen. Wir waren drei Deutschsprachige und sollten ursprünglich Englisch reden. Dann kam die Idee auf, wir könnten vielleicht doch Italienisch sprechen, es musste gar nicht perfekt sein, weil wir ja Deutsche spielten. Das lief erstaunlich gut, und sie behielten sogar unsere Stimmen bei. Das machte ich dann bei noch zwei Filmen, und so lernte ich sogar ein wenig Italienisch. Das war ein großer Spaß, und es war viel besser als die „Drehsprache Babylon“, wenn einer Russisch redet und der andere Französisch und der Dritte Deutsch. So kam ich da hinein. 2007 war ich bei Krieg und Frieden dabei, einem großen internationalen TV-Mehrteiler unter der Regie von Robert Dornhelm. Seither spiele ich immer wieder einmal in Italien. Ich mag das, auch dass es dort immer ein bisschen chaotisch zugeht.
Haben Sie damals mit Lautsprache gelernt?
Ja, und ich bat Maurizio, dass er, wenn er an meinem Text etwas ändert, mir unbedingt ein paar Tage vorher Bescheid sagen muss, damit ich das noch lernen kann. Und natürlich wurde genau am Ende meiner längsten Szene der Text geändert, und ich erfuhr es erst vor Ort. Immer wieder habe ich den neuen Satz vergessen, obwohl das eigentlich nur drei Worte waren. Schließlich hielt mir jemand einen Zettel hin, und dann ging es, mit großen Schweißflecken.
Apropos Liebe zum Kino: Was sind denn Ihre Highlights als Zuschauer? Gehen Sie viel ins Kino?‚
Früher sehr viel. Heute habe ich weniger Zeit, weil ich eine kleine Tochter habe. Die Brüder Taviani, Pasolini, also italienisches Kino, das mag ich sehr. Luigi Comencinis Filme habe ich erst vor kurzem kennen gelernt, bei einem Festival in San Marino. La ragazza di Bube, da war sogar Claudia Cardinale im Kino! Ich mag das europäische Kino, aber auch hin und wieder einen richtigen Tschinbumm-Film. Der erste Film, den ich sah, mit 17, mit meiner ersten Freundin, das war Spiel mir das Lied vom Tod, das war ganz praktisch, weil der so lang war und wir doch sehr beschäftigt waren. Mir ist der Arm eingeschlafen, das weiß ich noch. Oder Lawrence von Arabien im alten Apollo-Kino, noch richtig mit Ouvertüre. Scorseses Il mio viaggio in Italia, seine Reise durch das italienische Kino – großartig! Oder De Sica, Umberto D. Das ist fast moderner als viele Filme heute. Was noch? Der letzte Tango in Paris zum Beispiel.
Gab oder gibt es so etwas wie Vorbilder für Sie?
Klar. Marlon Brando natürlich, oder Robert de Niro. Brando hatte so etwas, das kann man gar nicht beschreiben, etwas, was es danach nicht mehr gab. Präsenz, sowieso, aber gleichzeitig so eine große Sensibilität. Edward Norton mag ich gern, Ryan Gosling, John Malkovich, Kevin Spacey, die haben alle so etwas, was mich sehr anspricht.
Früher hieß es oft, es gäbe in Österreich keine Filmschauspieler, nur Theaterschauspieler. Stimmt das noch?
Theater war halt immer sehr wichtig bei uns, viele Schauspieler spielten im Film oft so wie im Theater. Aber ich erinnere mich an einen frühen Film mit Christoph Waltz, ich weiß nicht mehr, welchen. Da hatte man schon den Eindruck, da ist jemand, der anders ist, anders spielt. Franz Buchrieser war auch so jemand, für mich ein „richtiger“ Filmschauspieler.
Wie sind Sie denn mit Das ewige Leben zufrieden? Ich halte ihn ja für den bisher besten Brenner-Film.
Die Figur des Brenner ist toll. Viel ruhiger, vielleicht auch, weil er älter ist. Sehr reduziert. Und Josef Hader ist natürlich großartig. Ich muss sagen, ich war ein bisschen aufgeregt, ich hatte bisher noch nie mit ihm zu tun gehabt, schätze ihn aber sehr. Ich hatte großen Respekt vor ihm, aber es war alles sehr nett, sehr entspannt. Und auch er hat so etwas Weiches und doch sehr Männliches, da sind wir wieder bei dem Thema. Und wir sind beide Hypochonder.
Ich habe Das ewige Leben zwei Tage, bevor Steirerblut im ORF ausgestrahlt wurde, gesehen. Es gibt Überschneidungen in der Besetzung: Sie, Johannes Silberschneider, Margarethe Tiesel …
Wurden die Filme hintereinander gedreht?
Nein, Steirerblut wurde schon 2012 gedreht, man hat nur so lange mit der Ausstrahlung gewartet, bis die anderen Landkrimis fertig waren. Ich spiele zwar zweimal einen Polizisten, aber ich habe mich schon sehr bemüht, dass da wenig Ähnlichkeiten sind. Natürlich, beide sind Zyniker, aber der im Ewigen Leben ist doch viel dumpfer und gelangweilter, eine Art FPÖ-Polizist halt.
Dieses Jahr werden wir Sie in Beautiful Girl von Dominik Hartl sehen, zusammen mit Ihrer Ex-Freundin Lillian Klebow. Erstmals stellt „ray“ diese blöde Frage: Wie war das für Sie?
Ganz normal. Eine gute Arbeitsbeziehung.
Danach drehen Sie Ein sicherer Ort. Was ist das?
Das ist ein klassischer Psychothriller von Michael Ramsauer, der diesen schönen mittellangen Film Echos gedreht hat, in dem sich drei Männer im Auto umbringen wollen. Ich finde es gut, wenn auch bei uns endlich Genrefilme gemacht werden. Die Leute mögen das, wie das Beispiel Skandinavien zeigt, die machen uns das vor. Sie produzieren beides, und das sehr gut.
Was halten Sie denn vom österreichischen Filmwunder?
Ich weiß nicht, ob Michael Haneke oder Ulrich Seidl überall als „Österreicher“ wahrgenommen werden, eher als universell gültige Filmemacher. Bei uns regt man sich lieber auf, wenn Christoph Waltz etwas Kritisches über Österreich sagt – auch wenn er Recht hat. Jedenfalls kann man sehr stolz sein, dass es Leute gibt, die das geschafft haben – trotz allem. Schade nur, dass es nicht mehr Filmförderung gibt. Man sollte vor allem jungen Leuten mehr Chancen geben.
Haben Sie Ambitionen, selbst Regie zu führen?
Ich würde das schon ganz gern machen. Beim Theater habe ich es einmal getan, und das war sehr schön. Ich schrieb auch an einem Drehbuch, zusammen mit Niki List, aber ich hatte wohl nicht das nötige Sitzfleisch. Trotzdem fand ich es wahnsinnig spannend, wenn man bemerkt, wie eine Geschichte langsam zu leben anfängt. Aber ich glaube nicht, dass demnächst jemand kommen und mich fragen wird, ob ich nicht Regie führen möchte. Da muss ich wohl noch ein bisschen warten.
