Rebellinnen – Leg dich nicht mit ihnen an!

Filmkritik

Rebellinnen – Leg dich nicht mit ihnen an!

| Angela Sirch |
Verrückte Komödie mit geballter Frauenpower

Sandra verlässt ihren gewalttätigen reichen Ehemann und zieht von der noblen Côte d’Azur zurück in die Kleinstadt Boulogne-sur-Mer. Das Geld ist knapp, sie wohnt vorübergehend bei ihrer Mutter in einem Trailer-Park und nimmt einen Job in einer Fischkonserven-Fabrik an. Dort trifft sie Nadine und Marilyn, Bekannte aus ihrer Vergangenheit als Friseuse und Schönheitskönigin. Sie scheint am absoluten Tiefpunkt angekommen zu sein. Als sie sich eines Abends im Umkleideraum auszieht, bedrängt sie der Chef Jean-Mi und versucht, sie zu vergewaltigen.

Nachdem sie ihn mittels einer Spindtür abgewehrt hat, eilen ihr Nadine und Marilyn zur Hilfe. Sie entdecken eine Sporttasche, die gefüllt ist mit 100-Euro-Scheinen. Während die Frauen, die alle finanzielle Schwierigkeiten haben, überlegen, wie sie weiter vorgehen, macht sich Jean-Mi aus dem Staub, stürzt unglücklich und stirbt. Auf äußerst pragmatische Art und Weise lösen die drei Damen das „Problem“, ohne sich im Klaren zu sein, wie viele Probleme jetzt erst auf sie zukommen.

Die bitterböse Mischung aus Thriller und Komödie – in Anlehnung an Quentin Tarantino (was man auch am Score erkennen kann) – funktioniert. Das liegt zum einen an dem rasanten, gekonnten Drehbuch und zum anderen an den drei wunderbaren Hauptdarstellerinnen Cécile de France, Yolande Moreau und Audrey Lamy. Im Sinne einer schwarzhumorigen Gaunerkomödie kommt einem die Story durchaus bekannt vor und hätte durchaus noch ein paar absurde Twists mehr vertragen können.

Außergewöhnlich, dass drei überaus toughe Ladies, die in vielerlei Hinsicht nicht unterschiedlicher sein könnten, im Mittelpunkt der Handlung stehen und dass der Film ein Sammelsurium aus Antihelden ist, die sich hauptsächlich über ihre schlechten Eigenschaften definieren. Sie nehmen Drogen, verhalten sich unverantwortlich, neigen zu Gewaltausbrüchen, glänzen durch ihre derbe Aussprache und eine konsequente Jetzt-ist-es-ohnehin-schon-egal-Haltung.

In all ihrer Unvollkommenheit finden drei Frauen eine Freundschaft, in der Wahnsinn Methode hat und bei aller Brutalität und allem Kopfschütteln macht es Spaß, ihnen bei der Tour de Force durch das Verderben zuzusehen. Man ertappt sich dabei, sie innerlich anzufeuern, wie sie einer Welt, die sie hart und unerbittlich gemacht hat, zeigen, wo der Hammer hängt. Der Film lässt einen weniger schallend lachen, er lässt einen vielmehr verschmitzt schmunzeln, und gelegentlich bleibt einem das Lachen auch ein wenig im Halse stecken.