A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando / Toy Story 4

Filmkritik

A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando

| Alexandra Seitz |
„The panic is attacking me!“ (Rex)

Was wird eigentlich aus einem Spielzeug, das verloren gegangen ist? Wie fühlt sich ein Spielzeug, das verschmäht wird? Mit welchen Problemen hat ein Spielzeug zu kämpfen, das eigentlich gar keines ist beziehungsweise einmal etwas anderes war? Was geht in den Plüschviechern vor, die in Jahrmarktsbuden feilgeboten werden? Und ist eine Bauchrednerpuppe tatsächlich eine Puppe oder nicht doch etwas weitaus Sinistereres? Diese und noch einige Fragen mehr, die Sie sich vermutlich noch nie gestellt haben, die Sie sich aber unbedingt längst schon hätten stellen sollen, werden in Toy Story 4 – der den ebenso charmanten wie außerordentlich zutreffenden deutschen Untertitel „Alles hört auf kein Kommando“ trägt – umfassend beantwortet.

Eigentlich hatte ja niemand eine Fortsetzung der Spielzeug-Saga für dringend notwendig erachtet; außer den Hollywood’schen Money-Men natürlich, die in der Trilogie das sprichwörtliche Potenzial erblickten. Dabei war 2010 mit dem Umzug von Andys Toys ins Kinderzimmer der kleinen Bonnie ein schöner Schluss gefunden und die Spielkiste ordentlich aufgeräumt worden. Da diese Kiste jedoch nun einmal dem Disney-Konzern gehört, der sein wirtschaftliches Heil im endlosen Wiederkäuen eigener und akquirierter Stoffe sieht, rappelte es alsbald wieder in derselben. Und da bei Sequels grundsätzlich das Schlimmste zu befürchten steht, vernahm man dies mit Beunruhigung.

Doch Entwarnung kann gegeben werden. Toy Story 4 unter der Regie von Josh Cooley ist kein dröges more of the same geworden, sondern neuerlich eine Expedition in bislang unbekanntes Gelände, siehe oben.

Allerdings dauert es etwas lange, bis die Chose in Schwung kommt beziehungsweise drängen sich die menschlichen Akteure vor allem zu Beginn zu sehr in den Vordergrund; zumal jede Szene mit der niedliche Bonnie von Disney-typisch süßlich-schmalziger Musiksoße begleitet wird, die die Frage aufwirft: Was ist bloß in Randy Newman gefahren? An manchen Stellen und vor allem in den Hintergründen fällt die Animation geradezu hyperrealistisch aus, was in einen seltsamen Kontrast gerät zum doch eher märchenhaften Charakter des Stoffes. Sowie aber die Geschichte um den selbstgebastelten Forky mit der Identitätskrise buchstäblich an Fahrt aufnimmt, wird alles gut und das nächste abenteuerliche Kapitel des Bildungsromans einer zarten Spielzeugseele (nämlich Woodys) wird geschrieben. Happy End? Vorläufig.

 


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