Star Wars: Das Erwachen der Macht / Star Wars: The Force Awakens

| Oliver Stangl |

Treffen der Generationen

Einem Jahrzehnte alten, irgendwo zwischen Film, Actionfiguren und Bettwäsche angesiedelten Phänomen wie Star Wars gerecht zu werden, ist gewiss nicht einfach. Dies musste kein Geringerer als der Schöpfer selbst feststellen, denn als George Lucas 16 Jahre nach Ende der Originaltrilogie (gedreht zwischen 1977 und 1983) begann, Prequels nachzulegen, vermehrte er zwar seinen enormen Reichtum nochmals um einiges, erntete gleichzeitig jedoch auch reichlich Spott und Häme. Viele wollten sich die Erinnerung an ihre Kindheit nicht rauben lassen und nahmen es gar nicht gut auf, dass ein ikonischer Bösewicht wie Darth Vader seiner geheimnisvollen Aura beraubt wurde. Andere wiederum stießen sich an hölzernem Schauspiel oder infantilen CGI-Figuren wie Jar Jar Binks. Die „neuen“ Filme polarisierten also einerseits, andererseits hielten sie jedoch das Phänomen am Leben und erschlossen der Reihe auch wieder vermehrt jugendliche Fans. Nun, da Lucas sein Imperium an Disney verkauft hat, versucht man es abermals mit einer Trilogie (und Spin-offs). Als Regisseur engagiert hat man sich dafür J. J. Abrams (Mission: Impossible III, Lost), der mit zwei Star Trek-Filmen (die Fans übrigens ebenfalls polarisierten, da sie zwar gut aussahen, aber wenig Substanz vorzuweisen hatten) bereits Erfahrung in Sachen Weltraumschlachten hat. Zweifellos werden die Filme wieder jede Menge Geld einspielen, allen wird man es aber wieder nicht Recht machen.

Die Handlung des mit unglaublichem Hype daherkommenden The Force Awakens folgt diesmal einem Gespann an jungen Charakteren – gut gespielt von Daisy Ridley, Oscar Isaac und John Boyega –, die auf die mittlerweile alten Legenden treffen. Auslöser für diverse Verfolgungsjagden und Gefangennahmen ist dabei Luke Skywalker, der letzte Jedi, der aus persönlichen Gründen untergetaucht ist und den nun die Guten wie die Bösen suchen. Die Nachfolger des Imperiums, also die Bösen, nennen sich The First Order, die guten Rebellen heißen diesmal The Resistance. Es gibt allerhand Action mit diversen Raumschiffen, Laserwaffen oder Lichtschwertern und auch Witze – von denen manche etwas gezwungen wirken – fehlen nicht. Sichtlich ist man um Fan-Service bemüht, zitiert ausführlich die früheren Filme, indem man Einstellungen nachstellt, bekannte Kreaturen und Roboter im Hintergrund vorbeilaufen lässt und vor allem Harrison Ford als Han Solo und Peter Mayhew als Chewbacca verhältnismäßig viel Handlungszeit einräumt. Außerdem nimmt sich der junge Bösewicht Kylo Ren (Adam Driver) explizit Darth Vader zum Vorbild. Dies bedient zwar einerseits die Nostalgie, sorgt jedoch gleichzeitig dafür, dass der Film, der vom Grundton her eine Art Mix aus A New Hope und The Empire Strikes Back ist, nicht ausreichend auf eigenen Beinen steht. Die Handlung kommt nie so richtig in Schwung und fühlt sich auch nicht wirklich episch an, doch ist das alles immerhin kurzweilig gestaltet und sieht visuell nicht übel aus. Typisch Abrams, könnte man sagen.

Dann gibt es aber noch Elemente, die möglicherweise polarisieren werden. Doch da der Verleih darum gebeten hat, mit Spoilern zurückhaltend zu sein, sei hier nur angedeutet, dass ein Heldentod relativ enttäuschend ist (immerhin besser als der Tod Captain Kirks in Star Trek Generations) und manches Verwandtschaftsverhältnis nicht so stark berührt, wie es eigentlich sollte. Und das Erwachen der Macht? Überkommt eine der Figuren relativ unmotiviert. Überhaupt begnügt man sich, was die Vergangenheit der Charaktere betrifft, großteils mit Andeutungen, wodurch sich das Gefühl einstellt, dass der Film im Grunde nur dazu da ist, die Fortsetzungen vorzubereiten. Man wird also sehen, ob man sich beim nächsten Film mehr traut. Immerhin: The Force Awakens ist besser als die Prequels, und das ist doch schon mal was.

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