Lehrreiche Huldigung eines Lebensmittelphänomens
Beer is an art like any art in my eyes“, schafft es Peter Bouckaert inmitten der malerischen Naturkulisse Colorados ohne Pathos, ja beinahe lapidar festzustellen. Der sympathisch-drollige Herr mit Brille muss es wissen, schließlich ist er in jüngeren Jahren aus Belgien ausgezogen, um seine selbsternannte Kunstform in den USA wiederholt aufs Neue zur Meisterschaft zu treiben.
Stolze einundzwanzig Jahre durfte er sich Braumeister der „New Belgium Brewing Company“ in Fort Collins nennen, wo er nun seit 2017 seine eigene, um einiges kleinere Brauerei führt. Gemessen an all den anderen Bierversessenen rund um den Globus, die in Friedrich Mosers Film zu Wort kommen, hat er jedenfalls absolut recht: Niemand von ihnen käme auf die Idee, Bier als ein bloßes Erzeugnis oder Produkt zu betrachten. Eine ähnlich schillernde Braukarriere wie die Bouckaerts hat der (im Grunde gar nicht so) heimliche Protagonist der kunstkulinarischen Reise möglicherweise noch vor sich: Christoph Bichlers „Bierol“ erlebt seit der Teilnahme an der ersten Ausgabe des Craft-Bier-Festes in Wien (2014) einen zwar nicht durchwegs hindernisfreien, aber doch bemerkenswerten Aufstieg. Wenn er sich nicht gerade in der Reggio Emilia in Norditalien unmodifizierte Weizensorten oder in Yakima, Washington riesige Hopfenfelder zeigen lässt, geht er im tirolerischen Schwoich seiner Leidenschaft nach, mit mittlerweile nicht nur einmalig preisgekröntem Erfolg.
Die immense Wichtigkeit von Hefe, den Umstand, dass Biere aus dem Jahr 1968 noch nicht abgelaufen sein müssen, die unternehmerische Pflaster-Härte im Brooklyn der Eighties … – das zugeneigte Publikum kommt in den Genuss, eine beträchtliche Menge über Kunst und Geschichte des Bierbrauens zu erfahren. Dass der Begriff „Craft Beer“ es hierbei nicht in den Titel geschafft hat, kann wohl nur an der Sprach-Geschmacksfrage des Autors liegen; drehen tut sich – um etwaige Enttäuschung derer, die sich auch eine fundierte, kritische Wirtschaftsreportage erwarten mögen, vorwegzunehmen –, jedenfalls alles beinahe ausschließlich um Bier, das abseits der Massenproduktion entsteht und vertrieben wird. Die bewusste Entscheidung, primär die Menschen zu zeigen, die manch jemand, ohne ihre Hintergrundgeschichte zu kennen vielleicht als romantische Spinner abtäte, ist aber ebenso respektabel. An der Materie wenig Interessierte werden Bier! außer Hopfen und Malz allerdings wenig abgewinnen können, denn cineastisch gibt die Dokumentation kaum Anlass zu Euphorie.
