Utopisch-existenzphilosophisches Endzeitdrama
Eine herkömmliche Frau, eine fürsorgliche Robotermutter und ein hochbegabtes Mädchen aus der Retorte sind die drei Protagonistinnen in diesem hinsichtlich Drehbuch, Regie, Production Design, Kameraführung und Bildschnitt formidablen Spielfilmdebüt mit eingehendem Score und einer herausragenden Nachwuchsschauspielerin. Es geht um grundsätzliche Fragen: Ist der Mensch von Natur aus des Menschen Wolf, wie in unserer heutigen von Materialismus, Selbstsucht, Konsumgier und Ausbeutung geprägten Welt? Sind Menschen charakterlich prädisponiert oder formbar? Können Androiden mit künstlicher Intelligenz Gefühle entwickeln?
Eine wunderbar flüssige, komprimierte Montagesequenz zeigt, wie in einem weitläufigen futuristischen Bunkersystem mit 63.000 eingelagerten menschlichen Embryonen ein weibliches Retortenbaby binnen 24 Stunden maschinell gezeugt wird, um dann von einer Androiden-Mutter großgezogen und ausgebildet zu werden. Der liebevolle Umgang von Mensch und Maschine miteinander ist rührend anzuschauen und zeigt, dass Wesen ganz unterschiedlicher Herkunft und Art prima miteinander auskommen können. Zum Teenager herangereift, wird das wissbegierige Mädchen von der Dänin Clara Rugaard verkörpert, der eine mimisch ausdruckstarke Charakterdarstellung gelingt, immer wieder ist ihr reizendes Antlitz in Großaufnahmen zu sehen.
Bemerkenswerterweise gelingt auch dem Neuseeländer Luke Hawker im Roboterkostüm (Rose Byrne verleiht dem Androiden in der Originalfassung ihre Stimme) eine eigenartig gefühlvolle Darstellung zwischen Zärtlichkeit, Strenge und Körpereinsatz. Richtig spannend wird es, als eine verwundete, feindselig auftretende Frau (stark: Hilary Swank) auftaucht und für Zwietracht zwischen Mutter und Tocher sorgt. Gibt es Überlebende in der durch eine nicht näher erläuterte Apokalypse verwüsteten Außenwelt? Warum wurde ein Mädchen allein großgezogen und erst danach ein männlicher Embryo ausgebrütet? Warum wurden Embryonen abgetrieben? Wer sagt die Wahrheit, die paranoid wirkende Frau oder die enigmatische Androidin? Was sind ihre wirklichen Motive? Gibt es so etwas wie einen Master-Plan?
Das vielversprechende Erstlingswerk des aus Perth stammenden Australiers Grant Sputore, der wie viele Regie-Kollegen als Werbefilmer begann, regt zum Nachdenken an. Nach dem kammerspielartigen Anfang werden im letzten, actionreichen Drittel einige Fragen geklärt, manche Antworten aber nur angedeutet. Am Ende bleibt die vage Hoffnung auf eine bessere Menschheit.
