Mehr Schein als Sein: Steven Soderberghs satirischer Blick auf die „Panama Papers“
Als Adam McKay 2015 The Big Short in die Kinos brachte, war das Staunen groß. Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Michael Lewis beschrieb, wie eine kleine Gruppe von Außenseitern in Krisenzeiten an der Börse gegen den breiten Markt wettet und damit den großen Gewinn einfährt. Es war die erste leichtfüßige Auseinandersetzung mit einem der vielen trügerischen Fehler im System, die die Weltwirtschaft 2008 gehörig ins Wanken brachte. Die Verblüffung rührte damals jedoch weniger aus den Enthüllungen des Finanzdilemmas, die der Film mittels einiger gekonnter filmischer und stilistischer Kniffe offenbarte, als vielmehr aus der Tatsache, dass es ausgerechnet McKay, der sich bis dato vor allem mit pubertären Jungs-Komödien einen Namen gemacht hatte, gelungen war, trotz der komplexen Materie ein breites Publikum zu begeistern und damit eine neue Form des politischen Kinos zu prägen. Unterstützt wurde er von Christian Bale, Ryan Gosling, Brad Pitt und Steve Carell und jeder Menge Cameo-Stars, die allesamt sichtlich ihren Spaß daran hatten, den Banker-Fachjargon anhand illustrer Spieleinlagen bildlich umzusetzen – wenn auch mit einem bitteren Nachgeschmack.
Ganz ähnlich wie McKays Finanzkatastrophen-Komödie lebt auch The Laundromat in erster Linie von einer so klugen wie hochkarätigen Besetzung. Und auch sonst hat Steven Soderberghs Versuch, die Enthüllung des größten Datenleaks aller Zeiten Netflix- und kinogerecht umzusetzen, allerhand mit seinem Vorgänger gemein. Konkret geht es diesmal um die Hintergründe der „Panama Papers“ und die Steueranwälte Mossack und Fonseca, verkörpert mit der angemessenen Mischung aus Charme und Schadenfreude von Gary Oldman und Antonio Banderas, die sich von ihrer Kanzlei in der Karibik aus im Zuge des Gründungsbooms von 300.000 Briefkastenfirmen in über 20 Steueroasen eine goldene Nase verdienten. Und es geht um die Opfer der im Zuge ihrer Machenschaften entstandenen globalen Geldflüsse und korrupten Geschäftsdeals, vertreten hier durch Meryl Streeps engagierte Witwe Ellen Martin, die ihren Ehemann unlängst bei einem Bootsunfall verloren hat und in ihrem einsamen Kampf um eine angemessene Entschädigung von der Versicherung zur Rächerin für die Gerechtigkeit wird.
Um im Laufe seiner episodischen Handlung nicht an der Aufarbeitung unübersichtlicher Offshore-Aktivitäten zu scheitern, orientiert sich Soderbergh dann allerdings doch zu sehr an McKays bewährtem Comedy-Model. The Laundromat sieht zwar hübsch aus und ist streckenweise unterhaltsam genug, wirkt jedoch letztlich zu abgekupfert, um dem Film im sonst ebenso originellen wie unberechenbaren Schaffen des Regisseurs nennenswerte Bedeutung zu verleihen.
