Wien Modern

Veranstaltung

Wien Modern

| ray Filmmagazin |
Die aktuelle Festivalausgabe steht unter dem Motto „Wachstum“.

Die 32. Edition von Wien Modern präsentiert von 28. Oktober bis 30. November 100 Veranstaltungen an 24 Spielstätten in zwölf Wiener Gemeindebezirken – und rekordverdächtige 110 Ur- und Erstaufführungen. Über Wachstum nachzudenken, mag nach der Rekordausgabe von 2018 der richtige Moment sein. Dass das Thema Wachstum im Mittelpunkt der nächsten Festivaledition steht, hat jedoch einen ganz einfachen Grund: Musik als Kunst der Gegenwart horcht mit ihren ganz eigenen Mitteln auf den Herzschlag unserer Zeit. Schneller, höher, stärker scheint die Devise zu sein; für die Ohren tun sich aber ganz andere Richtungen auf: Zeitabläufe, Entwicklungen, Balance, Dauer, Dichte und Dosierung werden in der Musik fast körperlich spürbar – unendliche Längen und winzige Augenblicke, dramatische Steigerungen, abstrakte Flächen, steter Wandel und ein Verschwinden ins Nichts.

Inmitten einer rauschenden Überbietungslogik, bröckelnder Wachstumsversprechungen und vielkanaliger Überforderung entstehen in der Kunstwelt der Musik vermehrt sehr lange und dichte Hörerfahrungen – ebenso wie winzige, zarte, ephemere, fast verschwindende neue Formen. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler zeigen bei Wien Modern, dass es gar nicht so schwer ist, den Begriff Wachstum ein bisschen aus der Erstarrung zu befreien, in die er durch die eindimensionale Verwendung in Wirtschaft, Stadtplanung und Politik geraten ist. Von Reduktion zu überbordender Fülle und wieder zurück – die Suche nach dem richtigen Maß, zwischen dem Zuviel und dem Zuwenig, ist in der Musik heute so spürbar wie selten zuvor.

So lassen sich an zahlreichen Spielstätten vielfältige Formen des Maximalismus und Minimalismus entdecken: die klangliche Beschreibung eines Vulkanausbruchs, zu hören im Eröffnungskonzert mit dem RSO Wien – ein Werk von unerhörter Dauer, Dichte und Expressivität, das man zwischen dem Ende einer Nacht und dem Anfang der folgenden Nacht besuchen kann. Große, weltumspannende Werke wie Dieter Schnebels „Sinfonie X“. Winzige Miniaturen, denen man unterwegs im Museum begegnet. Die Ringstraßenbahn als Endlosrille. Und (auch für junges Publikum) die Möglichkeit, das Gras wachsen zu hören.

wienmodern.at