Die Coen-Brüder versuchen sich an einer absurden Hommage an das Hollywood Studiosystem bei deren gleichzeitiger Dekonstruktion.
Man kann vielleicht am besten und glaubwürdigsten Systeme oder auch Menschen kritisieren, die man trotz aller Vorbehalte liebt. Aus so einer Labour of Love entstehen oft wirkliche Meisterwerke. Auch wenn der neue Film der Coen-Brüder nicht ganz in diese Kategorie fällt, in punkto Raffinesse, absurdem Humor und filmgeschichtlicher Zitatkompetenz stehen die beiden schon sehr lange an der Spitze einer Bewegung, die sich äußerst kreativ an diversen Genres und Vorbildern aus der Vergangenheit abarbeitet. Hail, Caesar! funktioniert aber auch für filmhistorische Nicht-Nerds, denen die realen Vorbilder der Filmfiguren nicht geläufig sind, bestens. Es reicht schon, wenn man ein paar Western, Bibelfilme oder Musicals gesehen hat, um die liebevolle Übertreibung der typischen Zutaten goutieren zu können. Auch ohne Kenntnisse des Hollywood Studiosystems, das die amerikanische Filmindustrie bis in die frühen siebziger Jahre dominiert hat (und es auf andere Weise noch immer tut), wird dem Zuschauer sehr schnell klar, wie das Ganze jahrzehntelang hervorragend funktioniert hat. Studiobosse wie Eddie Mannix (Josh Brolin im Interview), Männer fürs Grobe, für die 20-Stunden-Tage eher die Regel als die Ausnahme waren, hielten den Laden am Laufen: Sie gaben alles, um die Stars betreffende Skandale zu vermeiden, egal, ob sie die Adoption des eigenen unehelichen Babys für eine Musicalnixe (Scarlett Johansson) zu arrangieren hatten oder ob ein widerspenstiger Hauptdarsteller mit ein paar Ohrfeigen zur Räson gebracht werden musste. Zur Not übergibt der „Fixer“ sogar das Lösegeld für das größte Zugpferd des Studios (George Clooney) selbst, das ausgerechnet von kommunistischen Schreiberlingen nach Malibu entführt worden ist. Schließlich muss dieser rechtzeitig die große Schlussszene am Kreuzigungshügel spielen, in der er als arroganter Römer zum Christentum bekehrt wird.
Wie so oft bei den Coens erinnert das abwechslungsreiche Treiben stark an eine satirische Nummernrevue im Stil von Monty Python, wobei sie sich hier in ihrem Spott eher altersmilde geben, was den Film überraschend warmherzig macht. Bei aller Kritik an der Geldgier der Studiobesitzer und der Heuchelei, mit der z.B. Homosexualität unter den Tisch gekehrt wurde, schwingt immer auch eine gehörige Portion Bewunderung für die Tatkraft und bedingungslose Liebe zu dieser Scheinwelt mit, die solche Troubleshooter wie Eddie auszeichnete. Unter der sarkastischen Oberfläche ging es den Regisseuren sowieso schon immer um die Frage nach den Einflüssen von Philosophie, Religion und Politik auf unser Leben, auch wenn sie sich amüsant darüber lustig machen, wie in der grandiosen Szene, in der vier Geistliche aus unterschiedlichen Glaubensrichtungen das „Teleplay“ von Hail, Caesar! auf dessen Eignung in Bezug auf die Darstellung Gottes untersuchen.
