Goliath

Serien

Bonustrack

| Roman Scheiber |
Ein neues Stephen-King-Mashup von J.J. Abrams und Billy Bob Thornton in lyncheskem „Chinatown“-Setting als Beispiele für Krimiserien, die in andere Genres ausstrahlen.

David gegen Goliath, das ist für Billy McBride „business as usual“. Der von Billy Bob Thornton mit lakonischem Witz gespielte Anwalt, lieber in Lederjacke als im Anzug unterwegs, hat es in der dritten Season der Amazon-Eigenproduktion Goliath mit einem tödlichen Streit um Wasserrechte im California Central Valley zu tun. Während Billy seine Recherchen zu einer Sammelklage der betroffenen Bürger vorantreibt, gesellen sich zu Chinatown-Vibes (Drehbuch-Oscar 1974 für Robert Towne) auch noch ausgewachsen ironische David-Lynch-Komponenten hinzu. Ein Mandelmogul im Valley (Dennis Quaid, der offenbar die Männerquote unter Hollywoods Botox-Opfern erhöhen wollte) gibt sich harmlos wie ein kalifornisches Kaninchen, hat es aber dick hinter den schwarzen Ohren. Rituell raucht er sich mit seinem Männerkartell ein und gibt unter Einfluss u.a. eine spaßige, lynchesk-multiple Gesangseinlage. Überdies unterhält er eine seltsame Beziehung zu seiner seherischen Schwester (Amy Brenneman), die wiederum ein afroamerikanisches Zwillingspaar (Shamier Anderson) adoptiert und verzogen hat.

Die Goliath-Schöpfer David E. Kelley, dem wir u.a. Ally McBeal und Big Little Lies verdanken, und Jonathan Shapiro dürften in einer zeitgenössischen Kriminalgeschichte das Element des obszön Grotesken als obligatorisch betrachten … Diana Hopper als Billys Tochter Denise, Tania Raymonde als hooker-turns-lawyer und Nina Arianda als diesmal besonders grantige Assistenzanwältin sind erneut mit von der Partie, und Billys Ex-Freundin Marisol (Ana de la Reguera) sowie Ex-Partner Cooperman (William Hurt) geistern auch wieder um den häufig willenlos Illuminierten herum (auf Amazon Prime).

Gleichfalls einen Anwalt spielt André Holland (einst in The Knick der erste afroamerikanische Chirurg um 1900 in New York) in der von J.J. Abrams verantworteten Hulu-Serie Castle Rock nach Motiven und Schauplätzen von Stephen King. Weil jener als King of Horror gilt, wird der Zehnteiler als Psycho-Horror-Serie vermarktet (Warner Home Video), trägt aber auch Züge eines spannenden Krimis, zumal in der ersten Hälfte. „Death Row“-Spezialist Henry Deaver – alle seine bisherigen Klienten sind tot – kehrt zurück in seine Heimatstadt Castle Rock, Maine. Hier gibt es ein Gefängnis namens Shawshank (!), wo der ehemalige Direktor einen Privatgefangenen hielt (Bill Skarsgård, einer der Söhne von Stellan, Pennywise in den It-Remakes). Während Henry den übernatürlich veranlagten Knaben aus der Haft boxt, macht ihm eine, nun ja, „Jugendliebe“ (charmant: Melanie Lynskey) zarte Avancen, gibt es ein Rätsel um seinen früh verstorbenen Vater und Wickel mit seiner an Alzheimer leidenden Mutter (grandios: Sissy Spacek), die nun mit Ex-Sheriff Alan Pangborn (eine wiederkehrende King-Figur, hier: Scott Glenn) liiert ist. Beim schrecklichen Showdown in Shawshank schlackern die Ohren, und überhaupt muss man konzedieren: Treffender wurden die Säulen des King-Kosmos bislang fürs Fernsehen nicht adaptiert.

Kurz noch zwei Updates: Die von Marvin Kren mitentwickelte Berliner Clan-Serie 4 Blocks – oft mehr Comedy als Crime – geht in die dritte Runde (ab 7. Nov. auf Sky). Und das notorische nordische Flaggschiff Die Brücke gibt es nun als Bonus-gespickte Komplettbox (Edel:Motion); wer sich von der Asperger-blockierten Kommissarin Saga Norén (und vom Spiel Sofia Helins) bislang nicht faszinieren ließ, sei hiermit noch einmal dazu angestoßen.