Abe Film

Wettbewerb

Abe

| Bettina Schuler |
Ein zwölfjähriger Junge in New York versucht, mit einem aufregenden Foodmix die kulturellen Familienzwistigkeiten wegzukochen.

Als Kind hat man es nicht leicht. Insbesondere, wenn sich die Familie ständig in den Haaren liegt. So wie es bei dem zwölfjährigen Abe der Fall ist. Nicht etwa, weil seine Eltern einander nicht mehr lieben oder in einer Midlife-Crisis stecken, sondern, weil sie einen komplett unterschiedlichen kulturellen Background haben.

Denn Abes Mutter stammt aus einer israelisch-jüdischen Familie, indes sein Vater palästinensischer Herkunft ist. Eine Mischung, die selbst für New York ungewöhnlich ist.

Bei jeder Familienfeier streiten die Großeltern darüber, welche Religion die richtige ist und zu welcher ihr einziger Enkelsohn gehört. Was Abe darüber denkt und wem oder was er sich eigentlich verbunden fühlt, spielt dabei keine Rolle. Als Abe auf einen brasilianischen Koch trifft, der in seiner Fusion-Küche die unterschiedlichsten Esskulturen miteinander verknüpft, glaubt er eine Lösung für den familiären Zwist gefunden zu haben. Dass Liebe durch den Magen geht, weiß jedes Kind.

Noah Schnapp, den die viele von uns schon als Will aus der Netflix-Serie Stranger Things kennen dürften, zeigt auch in diesem Film, dass er einer der Großen werden wird. Denn die Leichtigkeit, mit der er die Rolle des jungen Abe ausfüllt, der – gefangen zwischen den Kulturen – versucht, es allen recht zu machen, ist grandios. Überhaupt ist es eine sehr schöne und ungewöhnliche Idee, einen kulturellen Konflikt über das Essen zu erzählen. Insbesondere, da es sich in diesem Fall um zwei Kulturen handelt, die zu diesem Thema sehr klare und strenge Vorgaben haben. Doch was macht einen Menschen und die Verbundenheit mit seiner Religion aus? Ist man ein schlechterer Muslim, nur weil man wie Abes Vater Wein trinkt? Oder eine bessere Jüdin, weil man koscher isst?

Diese spannende Frage wird zwar nie direkt angesprochen, schwingt aber den ganzen Film über mit. Dank der schlagfertigen Dialoge, die sich Abes Großeltern liefern, des schnellen Schnitts und der modernen visuellen Erzählweise ist Abe ein Film, der niemals langweilig wird. Und der den Zuschauer in manchen Momenten zu Tränen rührt. In jedem Fall hat man nach dem Film wieder Lust und Muse, seine eigene Familie an einen Tisch zu versammeln.