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Filmkritik

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| Jakob Dibold |
Fun, Friendship & Feminism

Den unzertrennlichen Freundinnen Molly und Amy gelingt etwas, das wohl nur wenige bewerkstelligen: Was die anderen High-School-Seniors über sie denken, ist ihnen wahrhaftig egal. Blöd nur, dass sie wiederum alle anderen falsch eingeschätzt haben. Wie sich nämlich herausstellt, haben auch jene scheinbar nichtsnutzigen Spaßversessenen die Weichen auf eine erfolgreiche Zukunft gestellt – einzig sie, die beiden Ehrgeizigsten, haben sich nie richtig gehen lassen. Dies will so kurz vor dem Abschluss natürlich schleunigst korrigiert werden. Die vom allseits beliebten Nick geschmissene, letzte große Party kommt da gerade recht …

… denken sich nicht nur die beiden Vorzeigeschülerinnen, sondern würden sich wohl alle denken, die eine gefällige Coming-of-Age-Story inszenieren möchten. In der Tat klingt die Synopsis derart reduziert nach einem Teenie-Film, den irgendwie niemand mehr braucht. Olivia Wilde gelingt in ihrem Debüt hinter statt vor der Kamera jedoch Bemerkenswertes: ein Film, dessen Leichtigkeit sich gerade nicht daraus ergibt, dass er an den Oberflächen bleibt, sondern beinahe unbemerkt, als wäre es das Einfachste der Welt, andauernd in die Tiefe geht. Dann, wenn er die Sorgen und Sehnsüchte seiner beiden Hauptfiguren nicht mit viel Getöse einführt, sondern natürlich erscheinen lässt. Dann, wenn er, ohne explizit darauf hinzuweisen, zeigt, dass Diversität genauso wenig besonders ist wie unerwartete Wendungen zwanghaft als große Plot Twists dahergelaufen kommen müssen. Sei es beim Mitlachen, Mitfiebern oder Mitheulen: Eigentlich, so beschleicht es einen wie eine Erkenntnis, die aufgrund eigener Lebenserfahrung ohnehin nicht neu sein sollte, ist das alles doch ganz normal.

Wie die Jugend so spielt, hat die lange Partynacht für die selbstbewusst geoutete Amy und die nur augenscheinlich überrationale Molly trotzdem viel Unerwartetes parat; für das Nachwuchsduo Kaitlyn Dever und Beanie Feldstein, das ohne Übertreibung das Prädikat „instant dream team“ verdient hat, stellt aber keine der Situationen, in die ihre Figuren hineinschlittern, eine große Hürde dar. Unter der Regie der Schauspiel-Kollegin Wilde laufen die beiden zu hinreißender Höchstform auf, jedoch ohne dabei den zahlreichen anderen drolligen Charakteren vollends die Show zu stehlen – dafür spielen sie schlicht zu unprätentiös. Wie auch das große Ganze nie nur bücherschlau ist, sondern durch die gehaltene Waage zwischen Emotion, Witz und Ernsthaftigkeit hervorragend zusammenhält. „Oh love, they’ll never break the shape we take“, erschallt es im vielleicht besten Moment des ohnehin sehr guten Soundtracks. Und trifft zu.