Unkomisches Puppentheater
Die Zeiten ändern sich – auch für Puppen. Vorbei sind die Tage, an denen sich Kermit, Miss Piggy und Co. mit ihrem unverwüstlichen Optimismus in die Herzen von Jung und Alt zu singen und schwingen vermochten. Vorbei auch die herrlich gemeinen Persiflagen und legendären Auftritte angesagter Hollywood-Stars, mit denen die Muppets einst zu einer der beliebtesten Shows im Fernsehen aufstiegen. Nein. Wer im Los Angeles von Regisseur Brian Henson – wohlgemerkt Sohn des genialen Puppenvaters Jim Henson – mit Watte oder Schaum ausgestopft ist, hat nichts mehr zu lachen. Jene neue Welt ist eine, in der sich Plüschfiguren nicht nur unentwegt von den Menschen schikanieren und herumkommandieren lassen müssen, sondern zudem auf ewig zur Unlustigkeit verdammt sind. Keine Pointe will sitzen, kein Gag landen und ist die Stoffkuh im Puppen-Sexshop erst gemolken, kennt das Grauen in The Happytime Murders bald keine Gnade mehr.
Das ist das traurige Schicksal eines Films, der auf den ersten Blick gewohnt flauschige Unterhaltung verspricht: Melissa McCarthy gibt die hartgesottene Kriminalbeamtin Connie Edwards, die sich unmittelbar vor die Herausforderung gestellt sieht, gemeinsam mit ihrem ehemaligen Partner und neuerdings Puppen-Privatdetektiv Phil Philips einen skrupellosen Puppenmörder zu stellen, der bereits Phils ausgewaschenen Bruder Larry auf dem Gewissen hat. In den guten alten achtziger Jahren war Larry eine der Hauptfiguren in der berühmten TV-Show „The Happytime Gang“ gewesen, und auf deren ehemalige Stars hat es der Auftragskiller nun offenbar abgesehen. Der Plot verdichtet sich, als Phil erkennt, dass der Erpressungsfall, an dem er parallel arbeitet, in unmittelbarem Zusammenhang mit den Morden steht, und es dauert nicht lange, bis auch seine eigene verpatzte Karriere als Cop bei der Auflösung des Falls ins Scheinwerferlicht rückt.
Das Problem von Hensons garstiger Puppen-Krimi-Komödie liegt weder allein in dem fatal fehlgeleiteten Verhältnis zwischen Muppets und Menschen, noch in dem zunehmend verzweifelten Gefühl der Nostalgie, das sich wie ein dunkler Schleier über das unkomische Geschehen auf der Leinwand legt. Das eigentliche Unglück ist ein Drehbuch, das über die allzu langen Jahre seiner Entstehung jeglichen Sinn für Originalität, Scharfsinn und Humor eingebüßt hat und ausschließlich mit Ideen kämpft, die andere längst und besser umgesetzt haben. Beschwichtigend mögen allein die Making-of-Schnipsel im Abspann wirken, die zweifelsohne mit mehr Liebe zusammengeschnitten wurden als der gesamte Film. Doch sei es keinem verübelt, der es bei diesem freudlosen Puppentheater nicht bis zum Finale schafft.
