Eine liebevolle, durch und durch melancholische Hommage an den 2012 aus dem Leben geschiedenen Subkultur-Poeten.
Karl Brazda (1958–2012) alias Carl Andersen alias Caro B. Andersen alias Zaphod Beeblebrox war in den späten achtziger Jahren eine fixe Größe in einer kleinen Wiener Sub-Sub-Filmszene, Kinoprogrammierer, Mitveranstalter von Filmreihen, Betreiber der legendären und legendär unaufgeräumten Trash-Videothek-plus-Lokal „Fun Factory“ in Wien-Alsergrund und schließlich, fast zwangsläufig, auch Filmemacher. Mit seinen zwischen billigstem Horror, existenziellen Fragen und – am überzeugendsten – Hardcore-Porno angesiedelten Schwarzweißfilmen I Was a Teenage Zabbadoing (1988) und Mondo Weirdo – A Trip to Paranoia Paradise (1990) erlangte er ein bisschen Berühmtheit, und die damaligen Premieren im verblichenen Filmhaus Stöbergasse waren – auf ihre Art – richtige gesellschaftliche Ereignisse. Doch die Anerkennung im Zeitalter vor der DVD und vor dem Internet, die vielleicht andere, leichtere Vertriebswege ermöglicht hätten, war zwar zu viel zum Sterben, aber nicht genug zum Überleben. Caro Andersen ging, eine damals sehr häufige Rektion von Künstlern auf hiesige Verhältnisse, nach Berlin, wo er mit seinen in der Folge gedrehten Filmen gelegentlich reüssierte, wo er sich aber letztlich genauso allein und unverstanden fühlte wie in Wien. 2012 schließlich setzte Andersen seinem Leben ein Ende, und plötzlich erinnerten sich viele, die ihn in Wien kannten, wieder an ihn – leider zu spät, wie so oft.
Martin Nechvatal, einem „Spätgeborenen“, der Andersen so nahestand, wie dieser es eben zuließ, und auch einige Male in seinen Filmen mitwirkte, kommt das Verdienst zu, mit einigen wackeren Mitstreitern, aber „selbstverständlich“ ohne Fördergelder diese schöne, liebevolle und durch und durch melancholische Hommage an den verkannten Underground-Poeten hergestellt zu haben, die nun für einige Zeit im Wiener Schikaneder-Kino zu sehen ist. Zu Wort kommt immer wieder auch Carl Andersen selbst, und wer ihn kannte, dem wird angesichts seines Zustands gegen Lebensende wehmütig ums Herz, vergleicht ihn man mit dem vor Plänen und Ideen übersprudelnden Überredungskünstler aus den Achtzigern. Zu Wort kommen aber auch zahlreiche Weggefährtinnen und -gefährten und Angehörige jener Filmszene, die seinerzeit an seinen ersten beiden Filmen mitwirken durften/konnten/mussten, je nach Perspektive – unbezahlt zwar, aber mit viel Bier und Spaß versorgt. As time goes by.
Schikaneder Kino, Wien
Premiere 20.5. 19 Uhr, anschließend Publikumsgespräch mit dem Produzenten Patrick Spanbauer (On Screen Film) und den beiden Regisseuren Martin Nechvatal und Gerald Jindra
21.5. – 18 Uhr, 22.5. – 22 Uhr, 23.5. – 22 Uhr, 24.5.- 22 Uhr, 25.5. – 19 Uhr, 26.5. – 19 Uhr
