Uplifting Doku über die Freuden und Leiden des Transgender-Daseins
Es ist auch für den Heterodurchschnittsmenschen sehr interessant, sich vorzustellen, dass etwas so Elementares und Identitätsstiftendes wie das Geschlecht nicht für immer unverrückbar feststeht und nach dem eigenen Willen gestaltet werden kann. Die Regisseurinnen Katharina Lampert und Cordula Thym führen sehr behutsam in eine Welt, in der sechs Frauen sich mit/in ihrem angeborenen Geschlecht nicht wohlfühlen und in einem langen Prozess mit Hilfe von Hormonen und/oder Operationen die männliche Geschlechteridentität annehmen. Nick, Mani, Hans, Dorian, Gin und Persson erzählen zwar auch von den Problemen, die nicht nur in der Pubertät durch ihr offensichtliches Anderssein entstanden sind, aber der Film zeigt seine Protagonisten durchwegs als selbstbewusste und selbstreflexive Menschen, die gelernt haben, ihren Körper in jedem Zustand der Veränderung zu akzeptieren. Dorian bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, dass es für ihn keine Männer oder Frauen gibt, sehr wohl aber für die Welt da draußen.
So sind die Transgender Personen nicht nur zwischen den Geschlechtern angesiedelt, sondern schwanken auch zwischen Anpassung – durch Überbetonung der Männlichkeit unsichtbar werden– und Rebellion – durch die Infragestellung der dominanten Geschlechternormen und letztlich deren Auflösung. Viel Raum wird von den Filmemacherinnen und den Protagonisten der Frage gegeben, wie man(n) seine Identität findet bzw. konstruiert, auch hier ist die Bilanz ambivalent: Die Umwelt reagiert trotz deutlich stärkerer Awareness für das Thema Transsexualität noch immer teilweise ablehnend, dafür ist die Freiheit, die eigene Sexualität ohne Tabus auszuprobieren, offensichtlich größer als bei anderen.
Interessanterweise wird im Film die technische Seite der Transgendersexualität – Penis ja oder nein – fast vollkommen ausgespart. Das mag aus Rücksicht auf die sonst sehr offenen Protagonisten Teil des Konzepts gewesen sein, die Abwesenheit dieser Frage verstärkt allerdings noch die Theorielastigkeit des Films. Alle sechs sehr unterschiedlichen Menschen haben einen akademischen und/oder künstlerischen Hintergrund, das wirkt auf Dauer etwas einseitig, auch wenn man ihnen allen gerne beim Philosophieren zuhört. Abgesehen von einer Sequenz, wo alle Club-2-mäßig miteinander diskutieren, werden die Leute meist einzeln gefilmt, oft bei der Arbeit z.B. als Fahrradbote oder beim Gärtnern auf dem Land. Ein bekanntes Problem von Dokumentarfilmen, die ein durchaus spannendes Thema in den Mittelpunkt stellen, ist, dass man als Zuschauer schon auf Grund der Vielzahl der Protagonisten den Menschen nicht nahe genug kommt. Und von diesen sechs sehr sympathischen Trans-Personen hätte sich wohl jede einen eigenen Film verdient, der noch stärker hätte zeigen können, wie gut das Dazwischen-Sein als Lebensform funktionieren kann.
