Nicholas Ofczarek im Gespräch über die Möglichkeiten, die serielles Erzählen bietet, seine Erfahrungen am Theater und den österreichischen Weg in Sachen Kino.
Bereits mit 23 Jahren gehörte Nicholas Ofczarek zum Ensemble des Burgtheaters; schon bald zählte er zu den markantesten Darstellern des traditionsreichen Hauses. Zu seinem umfangreichen Bühnenschaffen zählen Klassiker wie Shakespeare, Schiller, Tschechow, Büchner, Schnitzler, Grillparzer ebenso wie Brecht und Tennessee Williams, von 2010 bis 2012 spielte er die prestigeträchtige Rolle des Jedermann bei den Salzburger Festspielen. Zudem wirkte Ofczarek im Verlauf seiner Karriere in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit, wo er wiederholt quer durch die unterschiedlichsten Genres unter Beweis stellte, welch vielschichtiger und beeindruckender Darsteller er ist. In jüngster Vergangenheit überzeugte Ofczarek als eigenwilliger Ermittler der Fernsehserie Der Pass, in der er in den acht Folgen der ersten Staffel mit seiner von Julia Jentsch gespielten Kollegin der Spur eines mysteriösen Serienmörders folgt.
Woran arbeiten Sie gerade?
Nicholas Ofczarek: Bis Ende Mai drehe ich die zweite Staffel von Der Pass. Wenn es sich ausgeht, drehe ich auch noch mit Detlev Buck Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, eine kleine, feine Rolle.
Unterscheiden sich die Bedingungen bei Serienprojekten wie „Der Pass“ von anderen Filmproduktionen? Hat man da mehr Zeit, Dinge zu entwickeln?
Nicholas Ofczarek: Nein, mehr Zeit hat man eigentlich nicht. Wie jede Produktion hätte auch die wahrscheinlich mehr Geld gebraucht. Interessant war, dass wir mit Cyrill Boss und Philipp Stennert zwei Regisseure hatten. Da sagt man zuerst, das geht eigentlich gar nicht. Die beiden arbeiten aber immer zusammen und man hat als Schauspieler interessanterweise überhaupt keine Präferenz. Öfter war es so, dass der eine den Vormittag geleitet hat, der andere saß hinter der B-Kamera und am Nachmittag haben sie gewechselt. Manchmal konnten wir die Teams auch teilen und so effizienter arbeiten. Ich habe aber auch schon Low-Budget-Filme gemacht, wo ich das sehr geringe Budget überhaupt nicht bemerkt habe. Du hast halt weniger Einstellungen, aber wenn du die Dinge gut planst, dann merkt man das nicht. Ich glaube, dass immer noch nicht verstanden wird, dass eine gute Vorbereitung bei der Produktion eines Films letztendlich effizienter ist. Das kostet zunächst ein bisschen was, aber spart im Nachhinein Geld. Beim Pass hatte ich immer das Gefühl, die Macher wussten sehr genau, was sie wollten. Genug Geld für eine Produktion zu haben – wenn man es verantwortungsvoll einsetzt –, ist schon angenehm, die sehr gute Arbeitsatmosphäre, die ich bei Der Pass gespürt habe, hatte aber vor allem mit den beteiligten Personen zu tun. Das waren fünf Monate, die wirklich sehr freudvoll waren, weil wir alle sehr respektvoll miteinander umgegangen sind. Wir haben jetzt wieder angefangen, und die Pause fühlte sich an wie ein langes Wochenende, an dem wir uns nicht gesehen haben.
Was reizt Sie als Schauspieler besonders an einer Serie?
Nicholas Ofczarek: In diesem Format ist es zur Zeit vielleicht die innovativste Form, innovativer als Kino – man kann eine lange Geschichte mit einer Serie erzählen, es wird mehr riskiert, ich hab’s nicht bereut.
Die Figur des Gedeon Winter in „Der Pass“ ist ja – wie auch einige andere Ermittler, die Sie gespielt haben – ein ziemlich ambivalenter Charakter, der an jenen Typus des Ermittlers erinnert, der im Genre-Kino der siebziger Jahre populär wurde.
Nicholas Ofczarek: Ich werde für solche Charaktere angefragt, ohne dass ich mir das dezidiert wünsche, aber solche Rollen sind natürlich spannend, ambivalente Rollen sind immer spannender. Der gerade Polizist, der immer alles richtig macht, gibt es da überhaupt einen solchen Film, wo besteht da das Spannungsfeld, in dem man überhaupt etwas erzählen kann? Polizisten sind auch nur Menschen, das ist ein verdammt harter Job, bei dem man mit vielen Abgründen und schlimmen Dingen zu tun hat. Da heil zu bleiben, ist relativ schwierig.
Haben Sie für diese Rolle speziell recherchiert oder haben Sie, wie das manche Schauspieler machen, zur Vorbereitung Polizisten im Einsatz begleitet?
Nicholas Ofczarek: Nein. Ich habe manchmal das Gefühl, man sucht immer nach einer Erklärung, wie das denn geht und dafür muss man sich wahnsinnig gut vorbereiten und recherchieren … jeder, wie er meint. Ich glaube, es geht hauptsächlich darum, dass man beim Arbeiten frei ist und gelassen und entspannt. Und wie auch immer man das macht, sei es mit Recherchieren, mit Entspannungsübungen oder dass man einfach den Text kann, ist letztlich egal. Ich habe eben erst ein Interview mit Joaquin Phoenix gesehen, wo er gefragt wurde, wie er sich auf die Rolle des Jokers vorbereitet habe. Als ob man so eine Rolle mittels Vorbereitung spielen könnte, die spielt man, weil man sie spielen kann, weil man Imaginationsvermögen hat. Schauspielen ist auch ein Beruf, bei dem es weniger um Recherche geht als um die Fähigkeit, die Vorstellungskraft zu entfalten. Und nicht einem Schauspieler bei der Arbeit zuzusehen, sondern wirklich zu glauben, dass das jetzt so ist – und das wird ewig ein Mysterium bleiben, jeder Schauspieler kommt anders dahin. Ich bereite mich verschieden vor, nehme meistens mein Leben mit hinein und versuche möglichst, beim Drehen entspannt zu bleiben, denn wenn man jemanden arbeiten sieht, ist es meistens kontraproduktiv.
Gab es für Sie schauspielerische Vorbilder?
Nicholas Ofczarek: Nein. Es gibt viele Schauspieler, die ich sehr schätze und bewundere, aber Vorbilder … Ein Vorbild wird man selten erreichen, und wenn, was macht man dann damit? Ich schaue voller Ehrfurcht und Respekt auf viele Schauspieler, wie sie den Beruf ausüben und wie sie auch über einen längeren Zeitraum stets präsent bleiben. Tom Hardy ist etwa jemand, der mir besonders gut gefällt. Ein deutschsprachiger Schauspieler, den ich sehr bewundere, ist August Diehl, mit dem ich auch schon spielen durfte, ein fantastischer Schauspieler.
Ja, in „Diese Geschichte von Ihnen“ am Akademietheater. Das Stück wurde ja durch die Verfilmung von Sidney Lumet, „The Offence“, sehr bekannt. Haben Sie den Film in Ihre Vorbereitung einbezogen?
Nicholas Ofczarek: Absichtlich nicht. Ich habe angefangen, und mir gedacht, ich schaue ihn mir besser nicht an. Es bringt auch nichts, ich wollte mich auch nicht beeinflussen lassen, weil es ist eine andere Kunstform, eine andere Form der Erzählung, die anders als ein Theaterstück sein muss.
Sie arbeiten verstärkt an Filmprojekten, wie wird es am Theater weitergehen?
Nicholas Ofczarek: Ich bin ja seit 28 Jahren Theaterschauspieler – das sind ja zwei verschiedene Berufe –, doch im Moment macht mir das Drehen mehr Spaß. Das kann sich auch wieder ändern, aber zur Zeit konzentriere ich mich mehr aufs Drehen.
Zu Ihrem familiären Hintergrund: Ihre Eltern waren beide Sänger.
Nicholas Ofczarek: Beide waren Opernsänger, mein Vater hat mit Anfang, Mitte vierzig aber seine Stimme verloren und war dann irgendwie gezwungen, Theater zu spielen. Das hat er dann so etwa sechs Jahre gemacht, in dieser Zeit jedoch seine Stimme wiedergefunden. Und mit Mitte fünfzig hat er dann auch angefangen zu drehen, wir haben sogar manchmal gemeinsam gedreht, etwa einen Film aus der Polt-Reihe und eine Folge von Kommissar Rex, wo er meinen Vater gespielt hat, den ich erschlagen habe. Ich bin im Theater aufgewachsen, aber eher in der leichten Muse der Operette. Wir sind auch so etwa alle vier Jahre zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz umgezogen, mit Schauspiel habe ich eigentlich gar nicht so viel zu tun gehabt, ich habe mir immer Filme angeschaut. Die Ambition zu singen hatte ich nie, das muss man schon wirklich wollen, obwohl ich schon Stimmmaterial gehabt hätte. Mich hat vielmehr gereizt, in andere Leben zu schlüpfen, in andere Realitäten, und eigentlich bin ich auf die Schauspielschule gegangen ohne zu wissen, worauf ich mich da eigentlich einlasse. Das Theaterspielen habe ich mit der Zeit gelernt – und lerne es immer noch –, da kapiere ich langsam, wie es funktioniert.
Filme drehen ist mir aber wirklich noch fremder, deswegen interessiert es mich auch. Beim Drehen ist es immer anders, ich weiß gar nicht, ob es da ein Rezept gibt. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass man viel dafür tun kann, entspannt zu sein, weil es am Set ja immer anders ist, als man es sich vorstellt. Und zwar alles, die Kameraeinstellungen, die Erzählweise, der Partner.
Sie wurden von Claus Peymann ans Burgtheater verpflichtet, konnten die Rolle aber dann nicht spielen?
Nicholas Ofczarek: Ich glaube, es war ein Unfall, dass ich überhaupt verpflichtet wurde. Ich habe in der freien Szene in Wien gespielt, im Theater Drachengasse, Theater der Jugend, in der Kulisse. Ein Kollege vom Burgtheater hat mich gesehen und mich für ein Stück an der Burg vorgeschlagen, das er im Kasino inszenieren sollte, weil Johannes Krisch nicht konnte. Ich habe dann vorgesprochen, wurde engagiert, aber es hieß, nicht für diese Rolle, worauf ich mit meinen jungen 23 Jahren meinte: „Dann komm ich nicht“. Alle anderen Dinge haben sich aber in Luft aufgelöst, und ich bin doch an die Burg gegangen Aber es hört sich gut an, für eine Rolle engagiert worden zu sein, die man nie gespielt hat.
Sie haben ja schon einige Direktionen am Burgtheater erlebt. Wie hat sich denn das Haus, diese Institution, in dieser Zeit verändert?
Nicholas Ofczarek: Sehr. Ich bin im 26. Jahr am Burgtheater, mit Peymann gekommen und habe die letzten fünf Jahre seiner Intendanz miterlebt, dann die zehn Jahre Nikolaus Bachler, gefolgt von Matthias Hartmann, Karin Bergmann; Martin Kušej ist nun mein fünfter Intendant. Das Haus verändert sich immer, man will es ja als neuer Intendant auch immer verändern. Meine Erfahrung sagt, dass die Burg meistens ihre Kinder erzieht, die holt sich dann schon ihr Recht zurück. Jede Direktion ist anders, es gibt auch immer einen Wechsel, aus der Zeit als ich begonnen habe, sind gar nicht mehr viele Kollegen da. Ich habe das Gefühl, das Theater hatte damals in dieser Stadt noch einen anderen Stellenwert, da trägt auch dazu bei, dass sich die Medienlandschaft verändert hat.
Gibt es noch dieses klassische Publikum, das eher konservativ ist?
Nicholas Ofczarek: Das wird’s immer geben. Theater hat generell ein eher konservatives Publikum, denke ich. Meistens machen Linke Theater für eher Konservative, die sich dann aufregen. Man will auch, dass sie sich aufregen. Letztlich sind wir in der Unterhaltungsbranche tätig und dem sollten wir Folge leisten. Auch das Theater an sich verändert sich immer wieder. Momentan befindet sich das Theater in einer Krise, weil es seinen Platz sucht neben dem Film, dem Streamingdienst. Es wird ja auch schon mit Video auf der Bühne gearbeitet, was ich persönlich grauenvoll finde. Die Chance des Theaters ist, dass man auch dazu steht, dass Theater eine alte Kunstform ist und die Modernisierung mittels Überschreibungen oder Video langweilt mich wahnsinnig. Weil ich vom Voyeur, der ich sein möchte, der einem Vorgang folgt, der jetzt stattfindet und nicht wiederholt scheint und damit in etwas hineingezogen wird, zum Betrachter werde – und meistens lässt mich das wirklich kalt. Insofern bin ich da eher konservativ, weil ich mir denke, diese Aktualisierungen sind meistens wirklich dumm und bringen mich weiter vom Inhalt des Stückes weg, es wird zu wenig dem Inhalt vertraut. Es geht mittlerweile um die Form, die Interpretation, aber das wichtigste ist der Inhalt, die Geschichte – die wird mir meistens nicht erzählt, und deswegen entferne ich mich auch ein wenig vom Theater, weil beim Film kannst du dir das gar nicht leisten.
Was das Erzählen von Geschichten angeht: Serien scheinen ja die Rolle des gehaltvollen Genrefilms der sechziger und siebziger Jahre einzunehmen, derartige Filme finden immer weniger Platz im gegenwärtigen Kino.
Nicholas Ofczarek: Was sehr bedauerlich und eigentlich schrecklich ist. Meine Tochter ist 21 und weiß, weil sie sich damit befasst, was es da für großartige Filme gab, aber viele wissen das gar nicht mehr. Da waren aber auch noch andere Könner am Werk, die wirklich etwas zu erzählen hatten. Ob die Serie diesen Platz einnimmt, weiß ich nicht, das ist auch eine Spiegelung unserer Zeit, aber man kann sich schon ein bisschen mehr trauen, man kann noch andere Dinge erzählen. Natürlich ist das aber auch vom Zwang getragen, Profit zu machen. Ich finde es etwa absurd, dass auf der Website des ORF die Einspielergebnisse des US-amerikanischen Kinos zu lesen sind, das ist mir persönlich völlig egal, wie sich dort ein Film verkauft. Warum interessiert uns das, etwa weil es ein Zeichen von Qualität ist? Kaum.
Ein Film mit einer durchaus unkonventionellen Erzählform, bei dem Sie mitgespielt und auch am Drehbuch mitgearbeitet haben, war „Zauberer“.
Nicholas Ofczarek: Regisseur Sebastian Brauneis hat mit Clemens Setz den Hauptstrang der Buchs entwickelt. Da ich mit ihm auch befreundet bin, hat er es mir dann begonnen vorzulesen, und daraus wurden drei, vier Monate des Lektorats. Ich habe es von der schauspielerischen Seite gesehen, was etwa die Dialoge angeht. Wir wussten, dass das kein kommerzieller Erfolg sein kann und wird, aber wir wollten einmal einen etwas andersartigen Film erzählen. Sebastian Brauneis ist wiederum sehr geprägt vom französischen Film noir der siebziger Jahre, wir haben versucht das mit Heute, mit Österreich, zu kombinieren. Ich bin sehr froh, dass wir das gemacht haben, aber ich wüsste auch nicht, wie man so einen Film kommerziell erfolgreich schreiben soll. Wenn das alle wüssten, hätten wir ja nur kommerziell erfolgreiche Filme, aber da gibt es auch kein Rezept.
Haben Sie in diese Richtung Ambitionen, etwa auch Filmregie?
Nicholas Ofczarek: Nein, davon weiß ich zu wenig, da gibt es Menschen, die mehr Ahnung haben. Theaterregie ja, da würde ich auch das Stück erzählen, wie das viele Schauspieler machen.
Sie haben eine sehr markante Stimme. Bekommt man die mittels Sprechtraining?
Nicholas Ofczarek: Es gibt ein Grundmaterial, ich habe ein gewisses Metall in der Stimme, das habe ich vermutlich von meinem Vater. Dadurch, dass ich das Kind von Sängern bin, war Stimme und Sprechen immer ein sehr wichtiges Thema. Und ich habe wirklich viel daran gearbeitet, weil Theater ja auch so etwas wie ein Sprachmuseum ist. Das ist übrigens ein wichtiger Unterschied zum Film, im Theater geht es um Versendung der Information, beim Film bist du verloren, wenn du das tust, da geht es um Verinnerlichung, die Richtung der Stimme geht nach innen. Aber nuscheln kannst du auch nicht, das passiert oft, im Wunsch direkt zu sein und die Realität nicht zu verlassen. Nur ist das nicht authentisch, weil wenn ich etwas von jemand anderem will, eine Handlung vollziehe, dann will ich mich ja dem anderen gegenüber verständlich machen, da geht es gar nicht ums Publikum. Sprechen ist ein sehr komplexes Thema, das konnten Schauspieler früher auch wirklich besser. Das Burgtheater war immer auch ein Proklamationshaus und das ist auch eine Qualität. Das Fernsehen hat da großen Einfluss auf das Theater ausgeübt, man dachte plötzlich, man muss realistischer sein, aber Theater muss und darf auch ein Sprachmuseum sein. Ich glaube, dass Theater weniger eine Kunstform ist, die den Anspruch erhebt, real zu sein – das kann der Film besser –, sondern eine Realität abbildet, die gar nicht die unsere sein muss. Ich setze eher auf Verzauberung oder darauf, jemanden in eine Handlung, in einen Kosmos hineinzuziehen, als mich anzubiedern und es möglichst heutig zu kriegen.
Es gibt gegenüber dem österreichischen Film den oft etwas pauschal formulierten Vorbehalt, die Geschichten seien oft zu sperrig und zu wenig publikumswirksam.
Nicholas Ofczarek: Ich denke, der österreichische Weg ist der richtige, weil wir ein sehr kleines Land sind, mit einem sehr kleinen Markt. Ich finde es gut, dass sich die Österreicher im Kinomarkt nicht an die Deutschen anbiedern und sich immer denken, wir müssen’s auch nach Deutschland verkaufen, weil das ein zehnmal größerer Markt ist. Ich finde es gut, dass der österreichische Film eine Identität bewahrt und da auch eigenwillige Stoffe kommen. Wir werden im Ausland dafür bewundert, dass wir uns das trauen. Deutsche Kollegen sagen mir immer wieder „Das könnt nur ihr“. Im eigenen Land schaut das ein bisschen anders aus, der Österreicher ist nicht wirklich ein Kinogeher und geht nicht wirklich – das war aber auch schon einmal anders – in die heimischen Produktionen. Da könnte die Politik auch etwas tun, wie etwa in Frankreich.
Bedeutet Ihnen der Titel Kammerschauspieler, den Sie ziemlich früh verliehen bekommen haben, eigentlich etwas?
Nicholas Ofczarek: Ich würde jetzt lügen, wenn ich behaupte, dass mir das nichts bedeutet. Letztlich ist es eine Würdigung. Ich war zu dem Zeitpunkt auch schon über 20 Jahre am Burgtheater, so lange wie wenige, das muss man auch erst einmal schaffen. Ich habe mich sehr gefreut, aber es ist eine Momentaufnahme. Das Wien, wo so ein Titel wichtig war, gibt es längst nicht mehr. Ansonsten wirkt sich der Titel überhaupt nicht aus, man wird von Kollegen eher gehöhnt. Die Garderober im Burgtheater haben mir ein Schild mit der Aufschrift „Kammerschauspieler Ofczarek“ machen lassen, und ein junger deutscher Kollege, der die Garderobe neben mir hatte, hat dann auf sein Schild „Hammerschauspieler“ geschrieben. Das fand ich sehr amüsant.
