Thomas Schubert
Ein großes Geschenk

Er kam zufällig zur Schauspielerei, als er einen Freund zum Casting für Karl Markovics’ Regiedebüt Atmen (2011) begleitete. Dafür empfindet Thomas Schubert heute noch Dankbarkeit: „Bevor ich zum Film kam, hatte ich wenig Ahnung, was ich einmal machen würde. Ich hätte die Matura gemacht. Nicht, weil sie mir etwas bedeutet hätte, sondern weil es der erwartete nächste Schritt gewesen wäre. In meinem damaligen Umfeld kamen kreative Tätigkeiten für niemanden als Beruf in Frage.“ Die authentisch-sensible Darstellung eines jugendlichen Straftäters auf der Suche nach einem Neuanfang brachte Schubert gleich den Österreichischen Filmpreis als Bester Darsteller ein. Dass er seinen Beruf immer noch nicht als Selbstverständlichkeit ansieht, zeugt von Charakter und Bodenständigkeit: „Wer bin ich schon, Schauspieler zu werden? Bis heute verstehe ich nicht, wie es zustande kommen konnte, dass ein Regisseur einem 17-jährigen Hawi aus dem 22. Bezirk die Hauptrolle in seinem Kinodebüt anbietet. Aber es hat mein Leben grundlegend verändert. Dass jemand einfach so in mein Leben gekommen ist, um mir das vor Augen zu halten, ist ein großes Geschenk.“

Was sein Schauspiel betrifft, vertraut der 26-Jährige – der an seinem Beruf das Kennenlernen neuer Lebenswelten schätzt – auf seine Instinkte, denn von Schauspielschulen hält er herzlich wenig: „Diese Pseudo-Talentschmieden, die willkürlich irgendwelche Qualitätsstandards etablieren wollen – Schüler von der und der Uni sind weniger wert als Schüler vom Max-Reinhardt-Seminar. Bullshit. Dann werden Leute ohne pädagogische Ausbildung bemächtigt, junge Menschen, die Bestätigung brauchen, zu brechen und neu zu formen. Da wird mit Traumata und Ängsten gearbeitet.“

Schubert versucht mit jedem Projekt, das bereits Gelernte und Erfahrene zu vergessen, um die Eigenheiten, die einen Film von anderen unterscheidet, anzunehmen. Kriterien bei der Rollenauswahl: „Kann es ein guter Film werden? Kann ich die Figur umsetzen? Arbeite ich mit fähigen Leuten zusammen? Muss ich mein Konto wieder befüllen?“

Theater hat Schubert bislang ausgelassen, weil ihn die Vorstellung, wochenlang mit den gleichen Gesichtern in einem abgeriegelten Raum zu verbringen, an „einen faradayschen Käfig, an dem die Realität abprallt“, erinnert. Zudem verdiene man bei einem schlechten Film wenigstens gutes Geld. Dennoch wecke das Theater in letzter Zeit immer mehr sein Interesse, weil man dort „Charaktere schaffen kann, die weit weg sind von allem Alltäglichen und Bekannten.“

Der Schauspieler war in den letzten Jahren in mehreren Filmen mit politischem Unterton – Nebel im August, Wintermärchen, Guerilla – zu sehen und bezeichnet sich als politisch interessiert. Dennoch ist er in dieser Hinsicht skeptisch: „Politik führt oft zu irrationalem Lagerdenken.“ Sehen kann man Schubert heuer zum Beispiel im Kurzfilm Die Waschmaschine auf der Diagonale. Eine Traumrolle hat er nicht, vielmehr ein Traumgenre: „Ich wäre gern die Sigourney Weaver des österreichischen Sci-Fi-Subgenres.“