Royal Space Force – The Wings of Honneamise

DVD/Blu-ray

Neuanfang im Weltall

| Oliver Stangl |
„Royal Space Force – The Wings of Honneamise“: Ein wahrer Anime-Klassiker ist nun erstmals im deutschsprachigen Raum auf Blu-ray zu haben.

Eigentlich war das japanische Animationsstudio Gainax einzig für die Produktion von Royal Space Force – The Wings of Honneamise (1987) gegründet worden. Doch der Film erhielt derart gute Kritiken, dass er zum Instant-Klassiker wurde und das Studio – das heutzutage längst Legende ist – weiterbestehen konnte. Der Wermutstropfen: Obwohl das Werk beim japanischen Publikum damals sehr gut ankam, konnte es die enorm hohen Herstellungskosten nicht einspielen. Fans hatte und hat der Film jedenfalls auch anderswo, begeistert zeigte sich in einer zeitgenössischen Kritik etwa auch der amerikanische Kritiker-Papst Roger Ebert: Er bezeichnete Royal Space Force als visuell sensationell sowie als eine der ambitioniertesten Anime-Produktionen überhaupt.

Die Handlung des Films – die mit Einflüssen aus Philosophie, Legenden, Religion und Science-Fiction-Filmen durchwoben ist – spielt dabei auf einem erdähnlichen Planeten. Dort scheint ein Krieg zwischen dem Königreich Honnêamise und seinem Erzrivalen, der Republik, unvermeidlich zu sein. Während ohne Rücksicht auf Verluste aufgerüstet wird, versucht eine kleine Gruppe, die Menschheit mit dem ersten bemannten Raumfahrtprogramm in den Weltraum zu führen und die Spezies Mensch so zu erhalten. Allerdings hat das Raumfahrtprogramm immer wieder herbe Rückschläge zu verzeichnen. Angeführt wird die Honnêamise Royal Space Force von dem jungen Soldaten Shiro Lhadatt, für den die Expedition auch eine persönliche Reifeprüfung ist. Zudem verliebt er sich in Riquinni Nonderaiko, eine religiöse Aktivistin, die vom Raumfahrtprogramm fasziniert ist, weil sie darin eine Möglichkeit sieht, die „Sünden“ der Menschen mittels Neuanfang zu überwinden.

Royal Space Force besticht einerseits mit einer Story, die über Inhumanität und Destruktion reflektiert, andererseits mit ungewöhnlichen visuellen Ideen und faszinierendem Detailreichtum in Sachen „world building“. So werden japanische Einflüsse durch die Jahrhunderte mit europäischer und amerikanischer Architektur der 1940er und 1950er Jahre kurzgeschlossen. Doch auch auf die kleinen Alltagsdinge wurde Wert gelegt: Legendär sind zum Beispiel die dreieeckigen Löffel geworden, die die Protagonisten benutzen. Dass die Designer und Zeichner rund ein Jahr an den Entwürfen für diese Welt gearbeitet, merkt man dem Film in jeder Einstellung an. Durch die kulturelle Verschiebung – Regisseur Yamaga hat gewissermaßen das US-sowjetische Wettrüsten aus dem Kalten Krieg bzw. den Wettlauf ins All in ein japanisch geprägtes Paralleluniversum verlegt – entsteht zudem ein reizvoller Effekt zwischen Verfremdung und Anspielung.

Manche Montagen lassen zudem Anklänge an Science-Fiction-Filme wie Kubricks 2001: A Space Odyssey oder Boormans Zardoz zu (so wird etwa die Entwicklung der Spezies von Höhlenmenschen bis zum Flugzeitalter nachgezeichnet). Der Soundtrack stammt vom genialen japanischen Komponisten Ryuichi Sakamoto, der tatsächlich Musik wie aus einer anderen Welt kreiert hat: Eingängiger, erhebender Synth-Pop geht mit sperrigen Melodien und traditionellen Instrumenten eine unnachahmliche Mischung ein, die auch den Status der im Film gezeigten Kultur zwischen Vergangenheit und Zukunft reflektiert.

Die nun vom verdienstvollen Label Nipponart herausgegebene Blu-ray ist die erste im deutschsprachigen Raum, besticht durch gute Bildqualität und ist für Fans des Genres, die ihre Sammlung um einen wahren Klassiker erweitern möchten, Pflicht. Zudem gibt es als Bonus einen schönen Sticker.