Die Online-Retrospektive des Filmarchivs Austria im Mai bietet spannende Wien-Filme sowie eine Hommage an die große Avantgardistin Valie Export.
Unter dem Titel „Dunkles Wien“ lädt das Filmarchiv zu einem Streifzug durch die düstere, gefährliche und verbrecherische Seite der Hauptstadt – mit einer Auswahl von fünf Filmen aus den fünfziger und sechziger Jahren. Die einschneidenden Erfahrungen, Lehren und Folgen des Zweiten Weltkriegs machen aus dem einst walzerseligen Wien (zumindest im Kino) einen Umschlagplatz von Intrigen und Verbrechen. Allen Genre-Mustern zum Trotze spiegelt sich in diesen Filmen aber auch die Lebensrealität der Menschen in dieser Zeit wieder: Noir trifft auf Neorealismus, Spionagegeschichten auf Kolportage, Krimi auf Reißer. Sie werfen Blicke in schattige Hinterhöfe und kaum beleuchtete Gassen. Dort begegnen ihnen Jugendliche in Not, Taxler in „Identitätskrisen“, grantelnde Gendarmen und teuflische Triebmörder. Zu sehen sind die Klassiker Abenteuer in Wien (Emile Edwin Reinert, 1952), Asphalt (Harald Röbbeling, 1951), Mann im Schatten (Arthur Maria Rabenalt 1961, mit dem extragrantigen Helmut Qualtinger), Geißel des Fleisches (Eddy Saller, 1961) und natürlich der „neorealistische“ Wienerinnen (aka Schrei nach Liebe) von Kurt Steinwendner (1952).
Ebenfalls im Mai zeigt das Filmarchiv eine Online-Hommage an die international renommierte Medien-, Film- und Performancekünstlerin Valie Export, die am 17. Mai ihren 80. Geburtstag feiert. Zu sehen sind drei sehr unterschiedlichen Arbeiten, die einen Einblick in das Schaffen dieser Pionierin ermöglichen. Im Zentrum steht dabei Menschenfrauen (1979), ihr zweiter Spielfilm, der auf experimentierfreudige wie radikale Weise die Beziehungsverhältnisse zwischen Frauen und Männern erkundet. In Elfriede Jelinek. News from Home. 18.8.88 kommentiert die prominente Autorin die ORF-Fernsehnachrichten vor Exports Kamera. Die für die ORF-Reihe „Kunststücke“ gedrehte dreiteilige Serie Das bewaffnete Auge: Valie Export im Dialog mit der Filmavantgarde (Zoltan Pataky, 1984) untersucht anhand zahlreicher Filmbeispiele narrative und nicht-narrative Erzählformen.
Die Retrospektive soll dereinst analog im Kino nachgeholt werden.
