Ein Hund zwischen den Fronten eines politischen Konflikts
Im Leben von Yiannis passt so einiges nicht mehr. Die Karriere als Musiker nähert sich rasant einem Nullpunkt, die langjährige Lebenspartnerin hat ihn verlassen, und seine finanzielle Lage ist so prekär, dass Schulden bereits mittels physischer Präsenz eingetrieben werden. Kein Wunder also, dass er, ein Mann um die vierzig, sich zu einer Zäsur entschließt und seiner Heimatstadt Nikosia den Rücken kehren will, um in den Niederlanden neu anzufangen. Doch als Yiannis mit seinem einzig verbliebenen Gefährten, einem Hund namens Jimi, spazieren geht, passiert ein Missgeschick. Durch eine Verkettung unglückseliger Umstände läuft Jimi weg, mitten durch jene Pufferzone, die quer durch Nikosia geht. Und so findet er sich in jenem Teil der Stadt wieder, der zum türkisch beherrschten Teil Zyperns gehört. Obwohl die Demarkationslinie bewacht wird, ist es für Yiannis nicht besonders schwierig, sie zu passieren. Unter den Soldaten auf beiden Seiten findet er sogar Unterstützung bei seiner Suche, bald schon ist er wieder mit seinem Hund vereint. Doch dann beginnt es, kompliziert zu werden. Yiannis selbst könnte zwar als Bürger der Republik Zypern das EU-Mitgliedland jederzeit wieder betreten, doch Hunde dürfen aus dem offiziell nicht anerkannten türkischen Nordzypern nicht mitgebracht werden. Dass herumstreunende Tiere die Grenze oft und oft in beide Richtungen überqueren, tut behördlicher Sturheit keinen Abbruch. Ein Zurücklassen seines geliebten Hundes kommt für Yiannis nicht in Frage, also versucht er über Umwege, Jimi zurückzubringen. Doch die Zeit drängt, denn in drei Tagen steht die Abreise nach Holland bevor.
Das als Filmland weithin nur wenig bekannte Zypern macht mit Smuggling Hendrix deutlich auf sich aufmerksam. Regisseur und Drehbuchautor Marios Piperides gelingt es, mit dem Plot um einen entlaufenen Hund auf die im Europa des 21. Jahrhunderts ebenso anachronistisch wie absurd anmutende Situation zu verweisen, die auf Zypern – als Resultat des Konflikts zwischen Zyperngriechen und Zyperntürken, der 1974 mit der Besetzung des nördlichen Teils des Insel durch das türkische Militär eskalierte und zur Teilung führte – vorherrscht, zuweilen jedoch ein wenig in Vergessenheit zu geraten droht.
Seine Inszenierung betont zunächst die eher grotesk anmutenden Folgen besagter Teilung. Bei seinen Versuchen, Jimi wieder nach Hause zu schmuggeln, erlebt Yiannis mehrfach abstruse Momente, die nach und nach geradezu kafkaeske Dimensionen annehmen. Smuggling Hendrix erweist sich als fein ausbalancierte Tragikomödie, deren einfache Geschichte neben den politischen und ökonomischen Konsequenzen vor allem die tief sitzenden Traumata individueller Natur offen legt, die die Teilung Zyperns mit sich bringt.
