Daniel Radcliffe als Streetfighter wider Willen: beträchtliche Schauwerte und reichlich Gewalt. Ein gemischtes Vergnügen.
Das größte Asset an diesem Film, dessen Titel (zu Recht) so viel wie „Jede Menge Schusswaffen“ bedeutet, ist seine wirklich smarte Grundprämisse: In einer zunehmend gelangweilten Welt sind ein paar böse Wichte auf die Idee gekommen, jeweils zwei Leute wie dich und mich in einem Underground-Gladiatoren-Spiel namens „Skizm“ aufeinanderzuhetzen, mit Waffen auszustatten und zu schauen, wer von beiden überlebt und in die nächste Runde aufsteigt. Das alles wird natürlich begleitet von beträchtlicher Aufmerksamkeit in den (A)Sozialen Medien.
Aktuelle Top-Fighterin zum Filmstart ist Nix, eine schießwütige junge Dame in Lederkluft (gespielt von Samara Weaving, der Nichte von Hugh), die ihre Gegner reihenweise niedermäht. Einer, der das Spiel ziemlich angewidert beobachtet, ist der biedere Programmierer Miles, der in seinen übergroßen Tiger-Filzpatschen vor dem Bildschirm sitzt und höhnische Kommentare postet. Das hätte er besser nicht getan, denn – Hacking und das Drehbuch machen es möglich – die Bösen kommen ihm auf die Schliche und zu ihm in die Wohnung (Matrix lässt grüßen). Sie montieren ihm links und rechts je eine großkalibrige Waffe an die Hand, sodass er sie nicht mehr abnehmen kann, was alltägliche Verrichtungen wie Telefonieren, Essen oder Pinkeln einigermaßen erschwert. Solcherart ausgestattet, steht dem Duell zwischen Nix und Miles grundsätzlich nichts mehr im Wege. Daniel „Harry Potter“ Radcliffe, der ja ähnlich wie Kollege Robert Pattinson immer noch gegen sein frühes Image ankämpft, muss allmählich und widerwillig vom veganen Pazifisten zum Streetfighter werden, was zu beobachten durchaus Spaß macht. Als dann seine Nicht-mehr- oder Doch-wieder-Freundin Nova (Natasha Liu Bordizzo) von den Schurken entführt wird, geht ihm das Herumballern deutlich leichter von der Hand.
Dass Regisseur Jason Lei Howden von den Visual Effects herkommt, ist dem Film deutlich anzumerken, und die Kombination Videospiel/Film, die ja mittlerweile wirklich nicht neu ist, ist hier ziemlich gut umgesetzt. Die nächtlich-düsteren Drehorte (Auckland und München) werden effektvoll genützt, und so könnte alles wunderbar sein (auch die Musik bzw. die Song-Auswahl sind prima), aber ach: Anstatt konsequent auf die Stärken des Films (Speed, Sound und rabiate Grimmigkeit) zu setzen, häufen sich mit Fortschreiten der Handlung die Probleme. Der Ober-Gangster Riktor (Ned Dennehy) ist leider, wie sich herausstellt, eine recht uncharismatische Person, und dass ausgerechnet er beginnt, das Geschehen ironisch zu kommentieren („We will be the Starbucks of killing“) und zu brechen, ist eine ganz schlechte Entscheidung. Ein mega-vorhersehbarer Plot-Twist (betreffend den Hintergrund von Nix) und die bisweilen eher sehr schlichten Dialoge, vor allem zwischen Riktor und seinen Mit-Bösewichten, trüben das Vergnügen dann doch erheblich. Dass der Film brachiale (wenn auch Videospiel-übliche) Gewalt nutzt, um seine Anti-Gewalt-Message an das vermutlich mehrheitlich junge und männliche Publikum zu bringen, ist ohne Zweifel eine kühne Gratwanderung – möge die Übung gelingen.
