The Ivory Game

| Günter Pscheider |

Engagierter Dokuthriller über die Hintergründe des Elfenbeinhandels

Red Bull einmal anders: Die Tochterfirma Terra Mater zeigt  mit Unterstützung von Leonardo DiCaprios Produktionsfirma Appian Way statt speediger Extremsportler diesmal träge Dickhäuter. Wie immer wurden keine Kosten und Mühen gescheut, um diesmal auf ein ziemlich drängendes Problem hinzuweisen: Werden weiter im selben Tempo afrikanische Elefanten auf Grund ihres wertvollen Elfenbeins abgeschossen, sind die Tiere in rund 15 Jahren ausgestorben. Die Regisseure Richard Ladkani und Kief Davidson legen in diesem gut recherchierten Doku Thriller mit einer Mischung aus atemberaubenden Luftaufnahmen und verwackelten Versteckte-Kamera-Bildern offen, wie das Geschäft mit den Stoßzähnen im Detail abläuft.

Dabei stehen die Leute im Mittelpunkt, die oft ihr ganzes Leben dem Schutz der Elefanten geweiht haben, wie Polizisten aus Tansania und Kenia, die den Boss eines gefährlichen Syndikats zur Strecke bringen wollen, die Betreiber diverser Wildparks, der italienische Gründer von Wildleaks, einer Internetplattform nach Vorbild von Wikileaks oder ein Enthüllungsjournalist aus China, der sich als vermeintlicher Käufer in riskante Situationen begibt. Immer wieder ist die Kamera dabei hautnah am Geschehen, sei es bei einer Verhaftung von Mittelsmännern oder beim Fund einer schrecklich verstümmelten Elefantenherde, wo auch den abgebrühten Profis schon mal die Tränen kommen können. Der Film arbeitet sehr stark mit dieser Betroffenheitsebene – manchmal wird etwas penetrant die Message getrommelt, dass jeder einzelne einen Unterscheid ausmachen kann –aber angesichts der Dringlichkeit des eigentlich gar nicht so schwer zu lösenden Problems sind solch propagandistische Mittel durchaus zu rechtfertigen. Die chinesische Regierung hätte es nämlich in der Hand, den Handel mit Elfenbein wie in den meisten Ländern einfach zu verbieten. Durch Korruption und mangelnde Kontrollen werden neben den erlaubten fünf Tonnen jährlich Tausend Tonnen illegal ins Land eingeführt, wo der Besitz von verarbeitetem Elfenbein als Statussymbol gilt und ähnlich wie der Rauschgifthandel vor allem den Organisatoren des Handels enormen Profit bringt.

Ein kenianischer Elefantenjäger erhält sieben Dollar pro Kilo, das in China um 3000 Dollar verkauft wird. Diese enorme Gewinnspanne verteidigen die bestens organisierten Syndikate natürlich mit Waffengewalt, deren Jägern fehlt es dagegen an finanziellen Mitteln und Manpower, um das riesige Siedlungsgebiet der Elefanten effizient überwachen zu können. Die Kamera ist immer mitten im Geschehen – manche Situationen wirken fast gestellt – wenn die Kräfte des Guten aber trotzdem immer wieder mit Undercoveraktionen und mit Hilfe von Whistleblowern zumindest Teilerfolge erzielen. Neben ein wenig Kapitalismuskritik – alles, auch die Tiere, dient nur dem Konsum – erfährt man sehr viel darüber, wie nicht nur der Elfenbeinhandel, sondern jedes illegale Geschäft funktioniert und sozusagen zum Drüberstreuen auch einiges über die Intelligenz der Elefanten. Mit The Ivory Game, so hat man nach nervenaufreibenden, aufrüttelnden 110 Minuten das Gefühl, könnte die Wende gelingen. Und Österreich könnte bei der kommenden Oscar-Verleihung wieder mitmischen: Der Film wurde vom 2014 gegründeten Kinolabel der Terra Mater Factual Studios, einer Tochter von Red Bull, produziert – und wird von Brancheninsidern des „Hollywood Reporter“, „Indiewire“ oder „Deadline“ bereits auf der Shortlist in der Dokumentarfilmsparte gesehen.

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