Mit unterschiedlichen programmatischen Konzepten hat sich eine Reihe von Wiener Lichtspielhäusern trotz der großen Umbrüche in den vergangenen Jahrzehnten ihren Platz und ihr Fortbestehen erkämpft. Die Kurzporträts dieser prächtigen Orte des Kinos zeigen die Vielfalt und Individualität der Szene.
Admiral Kino
Burggasse 119, 1070 Wien
Das in der Burggasse befindliche Admiral wurde bereits im Jahr 1913 eröffnet und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland wurde die jüdische Familie Ebner als Inhaber enteignet und das Admiral Kino „arisiert“. 1951 erfolgte die Rückerstattung an Margarethe Ebner. In den vergangenen Jahrzehnten vollzog sich schrittweise die Wandlung zum Programmkino, seit 2007 betreibt Michael Englert, die schon in unterschiedlichen Funktionen in der österreichischen Filmbranche aktiv war, das Admiral.
Bellaria Kino
Museumstraße 3, 1070 Wien
Das 1911 gegründete Bellaria – in den ersten Jahren hieß es noch Invalidendank-Kino – war das Kino mit dem größten Nostalgiefaktor in Wien. Ende der sechziger Jahre setzte der damalige Betreiber Ernst Birke dem um sich greifenden Kinosterben jenes programmatische Konzept entgegen, das zum Markenzeichen des Bellaria werden sollte, wurden doch vor allem österreichische und deutsche Produktionen mit traditionellen Publikumslieblingen wie Paula Wessely, Hans Moser oder Paul Hörbiger gespielt. Obwohl der Spielplan später auch europäisches Arthouse-Programm und gegenwärtiges österreichisches Filmschaffen umfasste, fand am 24. Dezember 2019 die bislang letzte Vorstellung im Bellaria statt. Zurzeit gibt es jedoch Bemühungen, einen Neustart des traditionsreichen Hauses zu ermöglichen.

Breitenseer Lichtspiele
Breitenseer Straße 21, 1140 Wien
Die mit Sicherheit traditionsreichste Spielstätte Österreichs ist mit dem bereits im Jahr 1907 gegründete Breitenseer-Kino im 14. Wiener Gemeindebezirk beheimatet. Das Breitenseer ist ein ganz individueller Ort des Kinos mit pittoreskem Charme, den man im Zeitalter uniformer Multiplex-Anlagen kaum noch findet. Dass das Kino nicht verschwunden ist wie so viele andere, ist dem unermüdlichen Einsatz von Anna Nitsch-Fitz zu verdanken, die das kleine Kino mit seinen 168 Sitzplätzen 1969 übernommen hat und seither dessen Geschicke lenkte. In diesem Sommer hat ihre Nichte Christina die Leitung der Breitenseer Lichtspiele – so der offizielle Name – übernommen. Somit besteht berechtigte Hoffnung, dass dieses einzigartige Juwel der Wiener Kinolandschaft auch in Zukunft erhalten bleibt.
Burg Kino
Opernring 19, 1010 Wien
Das am Ring befindliche Haus wurde 1912 gegründet und zeigte bereits in den dreißiger Jahren auch Filme in ihrer originalen Sprachfassung. Für diese Vorreiter-Rolle wurde das Burg Kino im Lauf der Zeit von Cineasten zusehends geschätzt. Mittlerweile werden im Burg Kino ausschließlich Filme in Originalfassung gezeigt, eine Besonderheit des Programms besteht in regelmäßigen Wiederaufführungen von Carol Reeds Klassikers The Third Man, der im Nachkriegswien von 1948 gedreht wurde.
KINO De France
Schottenring 5, 1010 Wien
Das sich am Schottenring nahe der Universität befindliche Lichtspielhaus kann auf eine lange Geschichte seit der bereits 1913 erfolgten Eröffnung zurückblicken, über viele Jahrzehnte war das Haus dabei als Schottentor Kino bekannt. Mittlerweile ist der neue Name De France längst etabliert, seit 2002 wird das Kino vom Filmladen Filmverleih als zweites Haus neben dem Votivkino betrieben.
Filmcasino
Margaretenstraße 78, 1050 Wien
An der Adresse des Filmcasinos in der Margaretenstraße existierte bereits ab 1911 ein Kino, das später den Namen „Margaretner Bürgerkino“ trug. Eine 1954 durchgeführte Umgestaltung verlieh dem Filmcasino sein typisches Ambiente im Stil jener Zeit die sich in Foyer und dem Kinosaal mit seinen 254 Sitzplätzen noch heute wieder findet. Anfang der Siebziger musste das Kino geschlossen werden, die Volkshochschule Margareten wagte eine Revitalisierung, die sich am 21. September 1989 mit der Wiedereröffnung vollzog. Seitdem hat sich das Filmcasino, das im Verbund mit dem Filmverleih Polyfilm betrieben wird, als eines der prononciertesten Arthouse-Kinos Wiens positioniert.
Filmhaus. Kino am Spittelberg
Spittelberggasse 3, 1070 Wien
1994 als zweite Spielstätte des Stadtkino Filmverleihs eröffnet, wurde das Filmhaus Anfang 2017 geschlossen. Doch am 6. April 2018 folgte die Wiedereröffnung, nun unter der Ägide des Polyfilm Verleihs, der damit neben dem Filmcasino in Margareten über eine zweite Spielstätte verfügt.
Gartenbaukino
Parkring 12, 1010 Wien
Das 1960 im Zentrum von Wien errichtete Gartenbau-
kino, ein Prachtstück der heimischen Kinolandschaft, ist mit seinen 736 Plätzen das letzte große Einsaalkino der Stadt. Über viele Jahre Premierenkino klassischen Zuschnitts, stand vor noch nicht gar nicht allzu langer Zeit die Schließung im Raum und damit der Verlust eines Prachtstücks der heimischen Kinolandschaft. Auch dank der Bemühungen des 2017 viel zu früh verstorbenen Viennale-Direktors Hans Hurch, der um die Bedeutung eines großen Premierenkinos für eine Weltstadt wusste, konnte das Überleben des prachtvollen Lichtspieltheaters gesichert werden. Seitdem wird das Gartenbaukino im Verbund mit der Viennale betrieben und fungiert als eine der Spielstätten des Festivals. Das Haus verfügt außerdem über eine der mittlerweile äußerst seltenen 70mm-Projektionsanlagen.
Haydn Kino
Mariahilfer Straße 57, 1060 Wien
Bereits 1917 befand sich auf der Mariahilfer Straße, wo sich heute das Haydn befindet, ein Kinobetrieb. Seit 1955 leitet die Familie Dörfler die Geschicke des Hauses, mittlerweile in der dritten Generation. Seit 2012 umfasst das Kino vier Säle. 1995 wurde entschieden, nur mehr englischsprachige Filme ohne Untertitel zu zeigen, mittlerweile das hervorstechende Markenzeichen des Haydn.
Le Studio – film und bühne
Liechtensteinstraße 37, 1090 Wien
Im September 2019 öffnete mit dem Le Studio ein neues Kino seine Pforten. Geleitet wird das Haus am Standort des Studio Molière in der Liechtensteinstraße – bis 1971 war dort das Flieger Kino beheimatet – von Pierre-Emmanuel Finzi und Lise Lendais, neben einem ausgesuchten Arthouse-Filmprogramm werden auch Theater- und Performanceaufführungen gezeigt.
Metro Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
Bereits im 19. Jahrhundert befand sich an der Spielstätte in der Johannesgasse im Herzen Wiens ein Theater, 1951, nach der Übernahme durch die städtische Kiba erfolgte der Umbau zu einem der prachtvollsten Lichtspielhäuser der Stadt. Nach turbulenten Zeiten im Zuge der Umbrüche in der Kinolandschaft sicherte das Filmarchiv Austria durch die Übernahme des Metro im Jahr 2002 dessen Fortbestehen. Nach einer großen Umgestaltung des gesamten Hauses, in dem sich das Kino befindet, fungiert es nun als Kinokulturhaus, das nicht mehr nur als Spielstätte dient, sondern die Arbeit des Filmarchivs in umfassender Form präsentiert. Der historische, denkmalgeschütze Kinosaal blieb erhalten, neu ist ein zweiter Kinosaal, der den Namen des großen Wieners, Hollywood-Produzenten und ehemaligen Präsidenten der Viennale, Eric Pleskow, trägt.
Österreichisches Filmmuseum
Augustinerstraße 1, 1010 Wien
Im Gebäude der Albertina befindet sich das 1964 von Peter Konlechner und Peter Kubelka gegründete Filmmuseum, 1989 wurde der Filmsaal von Kubelka als „Unsichtbares Kino“ eingerichtet. Neben seiner Forschungs- und Vermittlungsarbeit zeichnet sich das Filmmuseum durch seine Retrospektiven aus, die seit vielen Jahren einen umfassenden Blick auf das Weltkino ermöglichen. Damit genießt das Österreichischen Filmmuseum – 2002 bis 2017 unter der Direktion von Alexander Horwath, seither hat Michael Loebenstein die leitende Funktion übernommen – einen Ruf, der weit über die Grenzen des Landes hinaus reicht.
Schikaneder
Margaretenstraße 24, 1040 Wien
1911 gegründet, zählt das Schikaneder im 4. Bezirk, nahe der Innenstadt, zu den ältesten sich noch in Betrieb befindlichen Lichtspielhäusern der Stadt. Im Saal mit seinen 87 Sitzplätzen wird ein ausgesuchtes Arthouse-Programm gezeigt, das immer wieder kultige Highlights beinhaltet.
Stadtkino wien
Akademiestraße 13, 1010 Wien
Seit 2013 beherbergt das vormalige Künstlerhauskino nun das Stadtkino, das sich davor am Schwarzenbergplatz befand. Dort hatte sich das Kino mit dem dazugehörigen Filmverleih seit den achtziger Jahren als Pionier in Sachen Arthouse zum Fixpunkt für Cinphile entwickelt.
Top Kino
Rahlgasse 1, 1060 Wien
Erst 1986 im Zuge des Mehrsaalkino-Booms unter dem Namen Top-Center gegründet, war das Kino Anfang dieses Jahrhunderts zwischenzeitlich geschlossen. 2004 erfolgte die Wiedereröffnung, und mit speziellen Programmschienen gelang es dem Top Kino, sich seine Nische zu erobern.
Votivkino
Währinger Straße 12, 1090 Wien
1912 erbaut, kann das nahe der Universität gelegene Kino auf eine lange Geschichte zurückblicken. Unter dem
Namen „Votivparkkino“ fungierte das Haus als Premierenkino, ehe die sich verschärfende ökonomische Lage in den achtziger Jahren beinahe das Aus bedeutete. Rettung brachte die Übernahme durch den Filmladen, seither zählt das Votivkino zu den beliebtesten Arthouse-Kinos Österreichs.

KINO De France
Gartenbaukino
Haydn Kino
Metro Kinokulturhaus
Schikaneder
Top Kino