robolove

Filmkritik

Robolove

| Jakob Dibold |
Unsere maschinellen Doppelgänger und wir – mehr als auf den ersten Blick

Zwar bedeutet das tschechische Wort „robota“ recht schlicht „Zwangsarbeit“ – wir werden mitten im Film daran erinnert –, jene Sparte der Robotik aber, die Maria Arlamovsky in ihrem Film ins Rampenlicht stellt, ist eine Spielart, die vielmehr das soziale und psychologische Wirken von Robotern in den Vordergrund stellt. Dementsprechend versucht sich die Forschung und Entwicklung von humanoiden Robotern, mitunter auch Androiden genannt, funktionell und auch optisch an Annäherung an das Menschliche. Fotorealistisches Äußeres wird angestrebt, die Maschinen sollen von echten Menschen schwerstmöglich unterscheidbar werden. Nach dem inszenierten Intro ohne verbalen Dialog werden diese Bestrebungen und die Personen hinter ihnen primär durch stille Beobachtungen von Arbeitsalltagen und einigermaßen trockene Interviewsituationen dargestellt. Während erstere jedoch durch feine Auswahl der gezeigten Bilder überzeugen – gezeigt wird Präsentation und Hintergrund-Arbeit, Erfolg und Scheitern, ohne Wertung –, gleichen die informativen Monologe der Sprechenden mehr einer Einstiegs-Vorlesung als einem tiefgehenden Seminar über Künstliche Intelligenz und (Roboter-)Ethik; wobei die Analogie hier sowohl das Gesagte als auch dessen filmische Darstellung bedient.

Der schöne und insgesamt versöhnende Ausbruch aus der Halbgarheit gelingt durch zwei Sequenzen, in denen jeweils sehr unterschiedlich betroffene Frauen laut, deutlich und schlüssig über die am Markt beliebte Gattung von „weiblichen“ 90-60-90-Sexrobotern nachdenken: Entgegen unter anderem dem (männlichen) Kopf einer der führenden Hersteller, der in die Enge gedrängt beteuert, dass seine Frau, die ihn unterstützt, ja sehr wohl Feministin sei, argumentieren hier kritische Stimmen ihre Bedenken einerseits mit einer Ruhe und Sachlichkeit, die nicht selbstverständlich ist, andererseits von gewitzt gewählten Bild-Text-Verschränkungen getragen, die das Dokumentarische zwar dokumentarisch sein lassen, den Mehrwert ästhetischer Querverweise aber gleichwohl zelebrieren. Wünscht man sich auch insgesamt, dass dies Robolove öfter gelingt, enthalten die letzten Meter dann doch noch einen ganz anderen Wink ohne Zaunpfahl: Die einzigen Protagonisten in Arlamovskys Arbeit sind die artifiziellen Individuen keinesfalls. Ihr Film ist gleichwohl ein Film über die Menschen, die deren Entwicklung ihr Leben und Forschen widmen; ob intendiert oder nicht, schlussendlich sogar wenig verkappt.