Ein umfassender Band widmet sich dem Gesamtwerk des Meisters in Sachen Suspense.
Den bedeutenden Platz von Alfred Hitchcock in der Filmgeschichte braucht man wohl nicht extra zu betonen. Wie kaum ein anderer hat der Regisseur von längst zu Klassikern avancierten Arbeiten wie Rear Window, Vertigo, Psycho oder The Birds in Sachen Spannung filmische Parameter etabliert, die immer noch Gültigkeit haben.
Mit einem wahren Prachtband erfahren Hitchcock und sein umfangreiches Œuvre eine stilgerechte Würdigung. Chronologisch strukturiert wird neben biografischen Stationen des 1899 in London geborenen Alfred Hitchcock vor allem das Gesamtwerk – seine Karriere, die bereits in der Stummfilmzeit ihren Anfang nahm, umspannte mehr als fünf Jahrzehnte – detailgenau in den Mittelpunkt gerückt. Jede seiner Regiearbeiten – inklusive jener, die er für das Fernsehen gedreht hat – wird einzeln beleuchtet, neben Credits und Synopsis finden sich die jeweilige Entstehungsgeschichte, Notizen zum Verlauf der Dreharbeiten, aber auch Analytisches , Anekdoten sowie die Rezeption von Kritik und Publikum.
In den Fokus gerückt werden mittels eigener Abschnitte aber auch prägende Persönlichkeiten im Leben Alfred Hitchcocks wie etwa Alma Reville, die in zwanzig seiner Filme in unterschiedlichen Funktionen als Drehbuchautorin oder Assistentin mitgearbeitet hatte – und als Hitchcocks Ehefrau sein Leben lang Ideen zu seinen Arbeit ausgetauscht hatte. Zu den ebenfalls porträtierten künstlerischen Kollaborateuren zählen Schauspieler wie Cary Grant, James Stewart, Ingrid Bergmann oder Grace Kelly, der Komponist Bernard Herrmann – er schrieb u. a. die genialen Scores zu Vertigo, North by Northwest und Psycho –, der legendäre Produzent David O. Selznick oder die Kostümbildnerin Edith Head. Speziell beleuchtet werden aber auch ausgesuchte Aspekte von Hitchcocks Werk wie beispielsweise der viel zitierte „MacGuffin“ oder die Bedeutung der Psychoanalyse in seinen Filmen. Zur Sprache bringen die (französischen) Autoren auch jene Diskussion, die in ihrem Heimatland in den fünfziger Jahren Cineasten um die Position Alfred Hitchcocks als eigenständiger Autor leidenschaftlich ausfochten und die nicht unwesentlich zur Formulierung der „politique des auteurs“ führte, bei der ein junger Filmkritiker des „Cahiers du cinéma“ namens François Truffaut federführend war.
Zahlreiche Filmstills, Setfotos, Storyboards und Abbildungen prachtvolle Filmplakate illustrieren Alfred Hitchcocks großartiges Schaffen ausführlich. Die Frage „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ – deutscher Titel jenes 1966 erschienen Buchs, das ein 50-stündiges Interview Truffauts mit dem Meister wiedergibt – findet mit dem vorliegenden Band eine würdige Antwort.
