Dreharbeiten

The Magic Flute

| Jakob Dibold |
Online-Besuch am Set der zeitgenössischen Mozart-Adaption im Verleih von Tobis Film.

Aus der Corona-Not heraus erfinderisch lockte man vergangenen Freitag via Zoom-Liveschaltung in die Bavaria Studios in München, wo sich die Produzenten Christoph Zwickler und Fabian Wolfart, Regisseur Florian Sigl, Ko-Produzent und Darsteller Stefan Konarske sowie mit Jack Wolfe und Iwan Rheon zwei englischsprachige Vertreter des Casts am Set besuchen ließen. Der berühmteste Dritte im Produktions-Bunde, Roland Emmerich, ist zwar nicht anwesend, sein Zutun schimmert aber durch die visuellen Eindrücke des Sets: Es wird groß, es wird spektakulär. Dabei hat The Magic Flute auch klar formulierte Ziele, betont Regisseur Florian Sigl: Das Vorhaben, das berühmte Bühnenstück in einen Film zu übersetzen, solle Menschen übergroßen Respekt vor der Kunstform Oper nehmen. Man wolle vor allem die junge Generation ansprechen, sagt auch Produzent Fabian Wolfart, was maßgeblich durch die sehr natürliche Internationalität der Besetzung gelänge, für deren Zusammenstellung die renommierte Sophie Holland hauptverantwortlich war. Holland castete mit The Witcher jene erfolgreiche Netflix-Serie, die auch für Newcomer Jack Wolfe Karrieresprungbrett war, der gleichsam schüchtern wie begeistert von der bisherigen Dreh-Erfahrung seines ersten großen Kinofilms schwärmt und dabei auch die Handlung aufgreift: Für ihn sei die Rolle des Musikstudenten Tim Walker, der in der Mozartstadt ein magisches Portal in die Welt der „Zauberflöte“ findet und zu Prinz Tamino wird, in Anbetracht seines realen Ichs – Mutter Musikerin plus Vater Musiker ergibt Musikschule –, umso mehr besonders. Überhaupt fühle er sich „a little bit like I won a game show“, und dementsprechend strahlt er auch.

Der Wolfe zur Seite stehende Papageno ist Iwan Rheon, ebenso aus einer – wenn auch weitaus bekannteren – Fantasy-Serie (Name: Game Of Thrones) bekannt, der sich sich ähnlich erfreut über das Projekt gibt, dass ihm gerade zur richtigen Zeit wie aus dem Nichts erschienen sei. Die Vorzeichen stehen angesichts soviel freudigen Enthusiasmus auf blendende Kino-Unterhaltung (wenn alles nach Plan geht: Ende 2022), was naturgemäß auch Stunden an Gesangs-Coaching zu verdanken sei, wie Stefan Konarske anmerkt, der die Rolle des Monostatos übernimmt. Nachdem Sigl die Einzigartigkeit des Arbeitens mit modularem Set und herausragender VFX-Technologie hervorhebt, deren Resultat man mit Spannung erwarten darf, ist es diese Besetzung des „bösen Schwarzen“ mit einem weißen Schauspieler, die die Mini-Fragerunde am Ende der Visite am längsten beschäftigt. Die Erklärungen der Idee dahinter und des Umgangs damit fallen inhaltlich eher dünn aus. Da die Entscheidung jedenfalls eine Taktik des Verschweigens als Handling einer problematischen Figurenzeichnung suggeriert, wird man sich wohl Diskussionen über whitewashing und darüber hinaus stellen müssen. Will man denn insbesondere ein junges Publikum derart ansprechen? Ein (Rufzeichen-)Fragezeichen am Ende einer kurzweiligen Dreiviertelstunde, die ob der Knappheit des Set-Begehungs-Clips doch primär als Gesprächsrunde zu Buche steht. Ein bisschen mehr gesehen hätte man gern – doch das Geheimnisvolle müssen sich magische Welten ja bewahren.