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Ash vs Evil Dead

| Oliver Stangl |
Gore reimt sich auf Humor, wenn Bruce Campbell es drei Staffeln lang mit dämonischen Kräften aufnimmt. Ab 30. April auf Netflix.

„Bruce Campbell should be in this.“ Vor einigen Jahren war dies ein geflügeltes Wort in den Filmforen des World Wide Web. Immer, wenn eine neue Filmproduktion angekündigt wurde und es eine schillernde Rolle zu besetzen galt, nannten Fans den Namen des Schauspielers mal im Ernst, mal ironisch. Die Tonlage des Satzes summierte die Karriere des mittlerweile 62-Jährigen nahezu perfekt: Hier ging es um einen sympathischen Darsteller, der zwar oft in B-Movies (und kurzlebigen Serien-Geheimtipps wie The Adventures of Brisco County, Jr.) zu sehen war, dabei aber selbst nie billig, sondern stets cool wirkte – und zudem in der Lage war, diese Coolness mit der richtigen Dosis Selbstironie anzureichern.

Durch die Verkörperung des Ash in Sam Raimis „Evil Dead“-Trilogie war Campbell in den achtziger Jahren ohnehin schon zum Kultstar für Freunde des außergewöhnlichen Horrorfilms aufgestiegen. Sein Talent machte ihn zur Idealbesetzung, denn in dieser visuell verspielten Filmreihe gingen Horror und Augenzwinkern Hand in Hand – wobei Regisseur Raimi den Faktor schwarzer Humor in Army of Darkness (1992) auf die Spitze trieb: Hier wurde Ash vom Necronomicon (ein magisches Buch, das für den Ausbruch böser Mächte sorgt) gar ins Mittelalter verschlagen, wo er mit Kettensäge und Schrotflinte gegen Skelettkrieger Marke Ray Harryhausen kämpfte.

Der Mix aus Horror und Augenzwinkern ist auch in der Serie Ash vs Evil Dead, die es zwischen 2015 und 2018 auf drei Staffeln brachte, reichlich vorhanden. Entwickelt von Sam Raimi, Ivan Raimi und Tony Spezialy, setzt die Handlung der Serie 30 Jahre nach der Filmtrilogie an: Ash, der von den Erlebnissen mit dem Necronomicon traumatisiert wurde, arbeitet noch immer als Supermarktangestellter, ist aber körperlich außer Form (sogar sein Gebiss ist künstlich) und lebt ein relativ einsames Leben. Doch als das Böse sich wieder zurückmeldet, gibt es eben nur einen, der wirklich damit aufräumen kann – auch wenn Ash nicht ganz allein ist: Als Sidekicks fungieren diesmal sein hispanischer Arbeitskollege Pablo (Ray Santiago) – der Ash verehrt – und die zunächst widerwillige Kelly (Dana DeLorenzo). Für alle drei hält die Serie dabei Wendungen und Wandlungen bereit: Für Ash geht es darum, Verantwortung zu übernehmen, die Sidekicks lernen selbst, mit magischen Kräften umzugehen.

Inhaltlich gibt es jedenfalls alles, was das Fan-Herz begehrt – die „dämonischen“ Trademark-Kamerafahrten, monströse Gestalten, spritzendes Blut und bösen Humor. Herrlich etwa, wenn Ash gegen zum Leben erweckte Barbie-Puppen antreten muss oder er dem skeptischen Pablo eine abgebrochene Flasche als ultimative Waffe gegen teuflische Monster schmackhaft machen will. Sozusagen als Bonus führte Meister Raimi bei der ersten Folge selbst Regie.

Dass die Einstellung der Serie wegen nachlassender Quoten für Proteste sorgte bzw. zu letztlich erfolglosen Petitionen führte, ist verständlich, denn Ash vs Evil Dead macht wirklich großen Spaß. Aber wahrscheinlich muss man hier einfach das Positive sehen: Es ist sich eine neue (Serien-)Trilogie ausgegangen – und das ist doch auch groovy.