Ein spannendes, leider etwas unordentlich erzähltes Kapitel der Schachgeschichte.
Falls Sie mit der Geschichte des Schachsports nicht vertraut sind, dann wussten Sie möglicherweise noch nicht, dass vier Frauen aus Georgien vom Beginn der sechziger bis zum Zerfall der Sowjetunion Anfang der neunziger Jahre für mächtig Furore in der Szene gesorgt haben. Zu jener Zeit galten Nona Gaprindaschwili, Maia Tschiburdanidse, Nana Alexandria und Nana Iosseliani als die besten weiblichen Schachspielerinnen der Welt; gemeinsam holten sie den Weltmeistertitel stolze 30 Mal hintereinander nach Georgien respektive in die Georgische Sozialistische Sowjetrepublik, und Gaprindaschwili wurde 1976 sogar als erste Frau der Welt Großmeister.
Das Thema, das Tatia Skhirtladze für ihr Langfilmdebüt Glory to the Queen gewählt hat, eröffnet zahlreiche Perspektiven: auf die Biografien von vier Frauen, die in einer Männerdomäne reüssieren; auf die Geschichte des Schachsports in Zeiten des Kalten Krieges; auf die Eigenheiten des Königlichen Spiels und die Eigenarten seiner kompetitiven Ausübung; auf Schachverbände, Schachschulen, Schachturniere; auf ungeschriebene Regeln und eherne Gesetze und was es eigentlich ist, das dieses Spiel so besonders macht.
Eine Menge Stoff, der sich nicht zuletzt entlang der Frage nach der Geschlechterhierarchie strukturieren lässt und wie diese den Werdegang und die Karriere der vier Frauen beeinflusst/beeinträchtigt haben mag. In der Tat zeigt Skhirtladze, wie in historischen Fernsehaufnahmen versucht wird, den schlauen Frauen etwas mehr traditionelle Weiblichkeit zuzuschreiben beziehungsweise anzudichten. Da wird zum Beispiel die eine dabei gezeigt, wie sie für ihren Mann kocht, obwohl sie das erklärtermaßen nie getan hat, während eine andere über eine Frühlingswiese wandelt und dabei recht romantisch-verträumt dreinblickt.
Ausführlichere biografische Abrisse der Top-Spielerinnen vermisst die Zuschauerin und der Zuschauer allerdings ebenso wie Selbstzeugnisse, die über das (damalige wie das heutige) Verhältnis der vier zueinander Aufschluss geben würden oder darüber, was die Ausübung ihres (Denk-)Sports sie gekostet haben mag. Stattdessen treten übers ganze Land verstreute Namensvetterinnen auf, die mal mehr, meist weniger begeistert erzählen, dass und warum sie von ihren Eltern Nona, Maia oder Nana genannt wurden. Das ist ein amüsanter Einfall, der Legende und Vermächtnis der Schachmeisterinnen bezeugt, die einem im übrigen doch ebenso bedauerlich fern bleiben wie die Welt, in der sie ihren Ruhm erlangt haben.
