Porträt einer Radikalisierung
So ist das in Träumen. Alles verändert sich ohne Logik. Im Traum nehmen wir das hin. Wir sind hilflos und tun, was man uns sagt.“ Alice (Lavinia Wilson) und Niklas (Elyas M’Barek) sind hilflos. Nicht nur in Alices Traum, dessen Nacherzählung Was wir wollten eröffnet, sondern auch und vor allem in der Realität. Der vierte Versuch einer künstlichen Befruchtung ist soeben gescheitert und somit ist die Chance auf ein eigenes Kind wieder ein Stück weiter in die Ferne gerückt. Das Haus, das man gemeinsam baut, wirkt plötzlich sinnlos groß, Ohnmacht und Resignation legen sich wie ein Schleier über das junge Paar. Man tut also, was einem (von Maria Hofstätter in der Rolle der Ärztin) gesagt wird: Auszeit nehmen und die eigenen Pläne überdenken.
Das Luxusresort in Capo Boi auf Sardinien scheint dafür der richtige Ort zu sein. Alices besorgte Frage, ob man sich den Urlaub überhaupt leisten könne, sei falsch, erklärt Niklas, denn „Wir brauchen das jetzt.“ Die ersehnte Entspannung jedoch will sich nicht so recht einstellen: Die nebenan einquartierte Tiroler Familie, die all das zu haben scheint, woran es Alice und Niklas fehlt, ist wie ein Schlag in die Magengrube und wirkt wie ein Brandbeschleuniger des Beziehungsdramas: Anstelle von harmonischen Kuschelstunden und verbindenden Gesprächen rückt noch mehr Distanz und schmerzhafte Leere – bis ein einschneidendes Erlebnis das Blatt wieder zu wenden scheint.
Martin Heidegger schrieb 1929 darüber, dass die Welt vom Menschen abrückt und ihr Entzug nicht in seiner Macht steht: „Das Nichts nichtet.“ Der famose Satz nimmt in Was wir wollten Form an – und das ist nicht unbedingt positiv. Das Nichts, das sich in und zwischen den beiden Hauptcharakteren breit macht, könnte nämlich um vieles reicher und nuancierter erforscht werden, als es in diesem Film passiert. Die beiden Hauptdarsteller sind bemüht, eine solide Performance abzuliefern, schaffen es jedoch letztlich nicht, ihre Charaktere und deren inneren emotionalen Kämpfe für den Zuschauer greifbar zu machen. Gerade das wäre aber relevant, bieten doch die recht vorhersehbare Handlung und die platten Dialoge wenig, woran man sich festhalten kann.
So ist Was wir wollten leider nicht viel mehr als ein in schönem Setting und ansehnlichen Bildern gedrehter Debütfilm, dessen Funke leider nicht bis zum Zuseher überspringt. Dass dies nun der erste österreichische Kinofilm ist, der zeitgleich beim US-Streamingriesen Netflix erscheint, erfreut in Anbetracht dieser Tatsache wenig.
