Feinfühlig-melancholische Doku über die letzten Meister der Kunst des Trüffelaufspürens
Die edlen Alba-Trüffeln erzielen einen Marktpreis von mehreren tausend Euro pro Kilogramm, aber von dieser enormen Summe sehen die Protagonisten dieses Dokumentarfilms – drei über 80-jährige italienische Trüffeljäger – nur einen relativ geringen Anteil. Doch geht es ihnen bei ihrem Hobby, ihrer Berufung auch nicht um schnöden Mammon, sie reizt viel mehr der Akt der Suche mit ihren speziell trainierten Hunden, die einen enormen Stellenwert in ihrem langen Leben eingenommen haben. Dafür sind sie bereit, sich während der Saison im Piemont ganze Nächte um die Ohren zu schlagen, damit niemand ihren Spuren folgen und ihre streng geheimen Fundorte der unter der Erde wachsenden Pilze herausfinden kann. Der Film feiert ohne viel Worte diesen einfachen Lebensstil zwischen Handwerk und Genuss. In einer Szene fragt einer der Alten einen Priester, was er denn vom Leben nach dem nahenden Tode erwarten könnte. Als er die Antwort vernimmt, dass er wohl im Paradies weiter nach Trüffeln suchen wird, huscht ein zufriedenes Lächeln über sein faltiges Gesicht.
Als Kontrast zu dieser archaisch anmutenden (Männer-)Welt – weibliche Trüffeljäger sucht man vergebens – wird aber auch ein Zwischenhändler eingeführt, der beinhart die Qualität der Trüffeln prüft und sie natürlich mit Gewinn an Nobelrestaurants weltweit verkauft. Und wie überall, wo Geld zu machen ist, geht es dabei nur um Profit. Da werden die Hunde von Konkurrenten vergiftet oder man versucht mit allen Mitteln, die Sammelplätze der besten Trüffeljäger zu stehlen. „Sie wissen nichts über den Wald, aber versuchen, ihn zu plündern“, bemerkt einer der Protagonisten resignativ. So funktioniert der Film, der immer wieder mit diesen Kontrasten zwischen zwei Welten spielt – manchmal übertrieben, wie in den Drohneneinstellungen der einsamen Männer im Wald und danach mit der Dog Cam, die uns kurz in die Erlebniswelt eines schnüffelnden Hundes entführt – auch hervorragend als subtile Kapitalismuskritik. Denn der im Cinema-Verité-Stil auch visuell beeindruckende Film kommt sehr gut ohne belehrende Erklärungen aus.
Es sollte den Zuschauerinnen und Zuschauern auch so klar sein, dass in diesem sehr kleinen geschlossenen System einiges falsch läuft. Man braucht sich nur kurz zu überlegen, welches Leben man führen wollte: das der knorrigen Alten, ohne deren Charisma der Film nicht funktionieren würde, die ihrem Leben einen, wenn auch sehr schrulligen, Sinn gegeben haben, oder das des Händlers, der sich zwar die Trüffeln leisten kann, aber keine Zeit hat, ihr Aroma bei ausgiebigen Familienfesten zu genießen.
