Drehbuchwettbewerb

See it, be it!

| Jakob Dibold |
Frauenfiguren jenseits der Klischees: Zwei Gewinnerinnen bei der fünften Ausgabe des Drehbuchwettbewerbs „If She Can See It, She Can Be It“.

Wenn sie es sehen kann, kann sie es sein – das Motto des Geena Davis Institute on Gender in Media bringt perfekt auf den Punkt, was auch der Drehbuchwettbewerb des Drehbuchforums Wien und Österreichischen Filminstituts/gender*in*equality in Kooperation mit FC Gloria Frauen Vernetzung Film erreichen will, weshalb der Satz kurzerhand titelgebend entlehnt wurde. „If She Can See It, She Can Be It“ verschreibt sich der Förderung von Frauenfiguren im Film, die mehr vermitteln als Objekt der männlichen Begierde zu sein, Frauen, die „selbständig Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen, nicht immer mit Krankheit und Tod bestraft werden, die nicht von Männern gerettet werden müssen, Frauen, die in nicht-traditionell weiblichen Berufen gezeigt werden, die diverse Herkünfte und andere Auffassungen von Geschlechterrollen sowie Beziehungsformen haben“, Frauenfiguren also, die – längst vielfach statistisch belegt – immer noch viel zu wenig im Kino zu sehen sind. Das Angebot stößt auf große Resonanz, so wurden seit dem Beginn der Initiative 2016 über 300 Exposés eingereicht und fast 100 Stoffe Produzentinnen und Produzenten gepitcht.

Seit 29. Juni ist klar: Den fünften Hauptpreis des Wettbewerbs, der zweistufig funktioniert und in seinem Verlauf auch stets vier weitere Exposés mit finanzieller und dramaturgischer Unterstützung belohnt, geht an ein Schreiberinnen-Duo. Anna Schwingenschuh und Evamaria Schaller dürfen sich über 15.000 Euro und mit ihnen gemeinsam ausgewählte Dramaturgie-Begleitung für ihr Treatment „Menstruachat – Wenn die Tage zur Regel werden“ freuen. Nachdem sich die namhaft besetzte fünfköpfige Jury (Pia Hierzegger, Alarich Lenz, Alexandra Makarová, Gabriele Mathes und Yasemine Şamdereli) für die Geschichte der jungen Matriarchats-Enkelin Mouna entschieden hat, darf man auf die Entwicklung eines Films gespannt sein, der laut Jury-Begründung ein „scharfes Statement“ und eine „skurrile Komödie“ zu werden verspricht.

Die Preisverleihung, im Zuge derer die als Host fungierende Performance-Künstlerin Stefanie Sourial auch ein Interview mit der freien Film- und Fernsehmacherin Anna Schwingenschuh und der an der Schnittstelle von Performance- und Videokunst arbeitenden Evamaria Schaller lässt sich auf YouTube nachschauen.

Und die sechste Runde für mehr Sichtbarkeit von als weiblich gelesenen Figuren abseits von Klischees steht schon in den Startlöchern: Die Einreichfrist von Drehbuch-Ideen, diesmal zum thematischen Schwerpunkt „Heimatfilm“, ist der 13. September.