Mortal_Kombat

DVD/Blu-ray

Mortal Kombat

| Oliver Stangl |
Die brutale Videospiel-Verfilmung „Mortal Kombat“ (2021) ist auf Blu-ray erschienen – big dumb fun, wie der Ami sagt. Nettes Bonusmaterial inklusive.

Schuld an allem ist natürlich der kleine italienische Klempner: Super Mario Bros. aus dem Jahr 1993 war die erste abendfüllende Verfilmung eines Videospiels. Und sie löste, obwohl an den Kassen ein totaler Flop, einen Boom aus, der bis heute anhält. Künstlerisch wirklich befriedigend war in nunmehr fast drei Jahrzehnten allerdings keine der Game-Adaptionen, egal, welch große Namen auch involviert waren – Assassin’s Creed aus dem Jahr 2016 etwa konnten weder Michael Fassbender noch Marion Cotillard retten. Wenn man sich dem Genre mit einem Augenzwinkern nähert, kann man an einigen Produktionen aber schon ein gewisses trashiges Vergnügen finden. Beispielsweise am ersten Mortal Kombat (1995, R: Paul W. S. Anderson), der freien Verfilmung des sehr brutalen, sehr erfolgreichen Kampfspiels: Christopher Lambert mit langer Weißhaarperücke, cheesige Special-Effects und ein Techno-inspirierter Soundtrack von George S. Clinton ergeben im Grunde die perfekten Ingredienzen für eine 90er Party. Tipp: Double Feature mit Van Dammes Street Fighter (1994).

Die Mortal Kombat-Fortsetzungen waren, gemessen an der zugegeben nicht sehr hohen Latte des ersten Teils, allerdings wirklich schwach, es folgte eine längere Kinopause. Dieses Frühjahr startete nun eine Neuverfilmung, die sich kommerziell durchaus ordentlich schlug. Und die auch macht, was sie soll – Fans (relativ) zufriedenstellen. Zu viel muss man zur Handlung nicht schreiben: Es gibt die Reiche „Earthrealm“ und „Outerworld“, über deren Herrschaft mittels sogenannter Deathmatches entschieden wird. Da die Erde – deren auserwählte Kämpfer ein Drachenzeichen tragen – schon neun Matches verloren hat, geht es jetzt um die Wurst: Verliert man Match Nummer 10, gehört die Erde ganz den Bösen. Eine Handvoll Krieger muss also schnellstens ausgebildet werden um gegen die brutalen Kämpfer der Dunkelheit anzutreten – dass jeder über spezielle Fähigkeiten, beispielsweise die Kreation und Kontrolle von Eismassen, verfügt, versteht sich von selbst.

Die Charaktere haben nur minimale Hintergrundgeschichten und auch im World Building finden sich jede Menge Lücken – im Vordergrund stehen klar Fantasy und Kampfkunst. Letztere ist zumindest für Hollywood-Verhältnisse, wo man gern darauf achtet, kaufkräftige Familien nicht zu vergraulen, angemessen brutal, weshalb die Blu-ray (Warner) auch ab 18 ist. Da spritzt das Blut und fliegen die abgetrennten Gliedmaßen durch die Gegend. Die Choreografien sind nicht der Überhammer, aber durchaus solide; für explizite Fans der Spiele wurden dazu einige spezielle „fight moves“ nachgestellt.

Die Entscheidung, als Bezugsfigur für die Zuschauer den in den Spielen nicht vorkommenden MMA-Kämpfer Cole Young (Lewis Tan) einzuführen, ist weniger gelungen: Die Rolle ist einfach fad. Ein Glücksgriff ist dagegen der Australier Josh Lawson, der die Rolle des Kano (hier hilft ihm auch das Drehbuch) mit viel Humor anlegt. Sollte eine Fortsetzung kommen, wäre eine größere Dosis Komik durchaus ein gangbarer Weg.

Die Bildqualität der regulären Blu-ray-Version ist sehr gut, und auch der Bonus (neben einem Making-of und nicht verwendeten Szenen gibt es u. a. Featurettes zu den Charakteren, zur Kampfchoreografie und zu Easter Eggs) kann sich sehen lassen. Also dann: Hirn aus, Film an.