„Gott“ Sir Christopher Lee spricht bizarre letzte Worte
Eine Engel gewordene Frau kehrt mit einer Aufgabe auf die Erde zurück, mahnende Worte aus den Wolken: „Don’t get it wrong again!“ Die göttliche Stimme gehört dem Schauspieler mit den offiziell meisten Schauspiel-Credits der Filmwelt. Sir Christopher Lee spricht aber nicht nur „The Boss“, sondern auch einen Plüschhund names Mr. President. Logisch. Leugnen jedenfalls zwecklos: Nicht nur die ersten zehn Minuten dieses Films, der tatsächlich der letzte Langfilm des betagten Londeners sein sollte, sind schwer zu ertragen. Was da filmisch entgegenschlägt, ist ein mit Soap-Opera-Licht gefluteter Trash-Trip, der wirkt, als hätten britische Doppelgänger der The Room-Verantwortlichen auf eventuell bedenklich gepanschten Opiaten versucht, Eternal Sunshine of the Spotless Mind für ein esoterisches Impro-Theater zu adaptieren. Der erst pflichtbewusste, dann überraschend leidenschaftliche Versuch der Engelin, den designierten Depri-Nerd mit lohnarbeitsbedingter Vorliebe für Antiquitäten glücklich zu machen, wird wiederum großspurig von kitschig-sphärischen Spiritualitäts-Klängen untermalt, die klingen, als hätten Popol Vuh ein Vaporwave-Mixtape aufgenommen und es vor dem Mastering spontan selbst geleakt. Trotzdem könnte der von der in Notting Hill – Hauptschauplatz des Films – gegründeten Erleuchtungs-Rock-Truppe Quintessence und dem New-Age-Messias Claus Zundel kreierte Soundtrack zusammen mit dem Engagement von Sir Lee den Löwenanteil des auf IMDb auf 500.000 Euro geschätzten Budgets geschluckt haben, denn die Spezialeffekte schreien ungeniert laut mit vollem Stolz „Diskonter“. Besonders wunderbar der Laptop, der die männliche Hauptfigur, die bald mit kosmischer Hilfe wunderbar Trompete spielend ihren Arbeitsplatz promotet, anstatt schnöder Google-Suche zum minimalistischen Weg-Spacen einlädt.
Lässt man sich auf das absurde Varieté ein und legt alle — kritischen wie unkritischen — Film-Sehgewohnheiten auf Eis, kann das ganze Spektakel durchaus Spaß machen. Am besten als Herangehensweise an Angels in Notting Hill ist sicher ein gnadenloses Bejahen des Grotesken geeignet; besonders ist der Film sowohl im Hinblick auf das Seherlebnis als auf seinen Platz in der Filmgeschichte: Sir Christopher Lee spielt (spricht) zum letzten Mal. Die Angels-DVD neben eine Kopie des surrealen Goth-Dramas Corridor of Mirrors aus 1948 (R: Terence Young; Debütant Christopher mimt den Nebencharakter Charles) zu stellen, vielleicht ist das auch schon ein kosmisches Ereignis. Anwärter auf eine der obskursten Discs der Sammlung ist sicher garantiert. Die Legende spielt schon aus dem Himmel.
Ab sofort bei absolut MEDIEN – Der Filmverlag der Spezialisten.
