A Confederacy of Dunces

Der Fluch des Ignatius J. Reilly

| Stephan Eicke |
Vor 40 Jahren erhielt John Kennedy Tooles Roman „A Confederacy of Dunces“ („Die Verschwörung der Idioten“) den Pulitzer-Preis. Noch vor der offiziellen Veröffentlichung wurden die Filmrechte verkauft, doch bis heute ist keine Adaption entstanden. Stattdessen ist der Titel des Romans ein Synonym für verfluchte Projekte geworden. Was ist passiert – oder besser: Was ist nicht passiert?

Als „A Confederacy of Dunces“ 1981 den Pulitzerpreis erhält, ist John Kennedy Toole bereits seit zwölf Jahren tot. Im Alter von 31 Jahren hatte sich der Autor umgebracht, nachdem sein Roman-Manuskript immer wieder abgelehnt worden war und er sich – in den letzten Jahren von Paranoia und Depressionen geplagt – mit schlecht bezahlten Lehrtätigkeiten über Wasser halten musste. Seine Mutter Thelma Toole machte es sich zur Lebensaufgabe, einen Verleger für „Die Verschwörung der Idioten“ zu finden. Nach zehn Jahren hatte sie Erfolg: Zur Überraschung aller Beteiligten entwickelte sich das von der Lousiana State University Press verlegte Werk innerhalb kürzester Zeit zum Bestseller, gilt bis heute als „der“ New-Orleans-Roman schlechthin. Dabei war das Manuskript ein schwieriger Pitch: Es gibt keinen traditionellen Handlungsstrang, und die Hauptfigur ist ein alleinstehender Choleriker Anfang 30, der sich mit allen Mitmenschen anlegt und seine Zeit damit verbringt, Chaos anzurichten, wenn er nicht gerade in seinem Kinderzimmer auf einer schmutzigen Matratze masturbiert. Ignatius J. Reilly hat gerade wegen seiner Exzentrik bis heute Millionen von Fans.

Einer von ihnen war Scott Kramer, bevor Ignatius sein Leben zerstörte. Kramer war Produzent und Assistent von Regisseur Paul Mazursky, als er noch vor der offiziellen Veröffentlichung von „A Confederacy of Dunces“ eine Kopie des Romans in seinem Briefkasten fand. Er war begeistert, sicherte sich sofort die Rechte für ein Jahr und versuchte, Twentieth Century Fox als Geldgeber zu gewinnen. Fox bestand jedoch darauf, zuerst ein Drehbuch zu sehen. Dieses versprach sich Kramer von Alan Ormsby (Cat People). „Er schien nicht das Feingefühl für die Materie zu besitzen“, erinnert sich Ormsby an seine Meetings mit dem ehrgeizigen Produzenten. Kurz: Der Drehbuchautor und der Produzent gingen schnell wieder getrennte Wege.

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Scott Kramer musste sich beeilen, denn seine Filmrechte drohten auszulaufen. Im Hintergrund drehten sich bereits die Räder: Carson Productions – die Produktionsfirma des legendären Late-Night-Hosts Johnny Carson – war auf der Suche nach vielversprechenden Spielfilmprojekten. Diese zu finden, war Aufgabe von Alexander Ignon. John Kennedy Tooles Roman war da bereits in aller Munde. Durch einen Anruf bei der Louisiana State University Press fand Ignon heraus, dass die Rechte (noch) Scott Kramer gehörten. Der war bereit zur Zusammenarbeit, hatte schon alle Hebel in Bewegung gesetzt, John Belushi als Hauptdarsteller und Michael Apted als Regisseur zu gewinnen. Doch Belushi war zu jener Zeit, Ende 1981, schwer drogenabhängig. Der Schauspieler ließ mehrere Meetings platzen, und in jenen, die er annahm, konnte er sich an den Grund für Kramers Anwesenheit nicht erinnern. Kurz bevor Scott Kramer zu einem weiteren Meeting mit dem Darsteller aufbrechen wollte, erfuhr er aus den Nachrichten, dass Belushi im Chateau Marmont tot aufgefunden worden war.

Die Zusammenarbeit zwischen Kramer und Carson Productions währte nur kurz: Der leitende Studio-Geschäftsführer Wallace Wolf hatte die Rechte gegen den Willen von Columbia Pictures gekauft, zu denen Carson Productions gehörte. Als Columbia davon Wind bekam, wurde Wolf kurzerhand entlassen. Als Abfindung erhielt er die Filmrechte an „A Confederacy of Dunces“. Scott Kramer fühlte sich betrogen, war aber machtlos. Wolf verkaufte die Rechte an John Langdon, einen texanischen Öl-Millionär. Von Film hatte der Texaner keine Ahnung, liebte aber Tooles Roman, dessen Hauptfigur ihn an einen engen Freund erinnerte. Kurzerhand rief Langdon Bumbershoot Productions ins Leben. Als Partnerin verpflichtete er Maidee Walker, eine langjährige Weggefährtin. Walker hatte ebenfalls keine Ahnung vom Filmbusiness. „Nach längerem Abwägen sagte ich schließlich zu“, erinnert sie sich. „Aber ich habe nie geglaubt, dass dieses Unterfangen erfolgreich sein würde.“ Um den Film zu finanzieren, wollte Langdon Anteile an private, reiche Geschäftsleute aus seiner Region verkaufen. Der Plan ging nicht auf. Während Langdon verzweifelt versuchte, an die notwendigen Millionen zu kommen, werkelte Maidee Walker an einem Drehbuch und traf sich in Los Angeles mit potenziellen Regisseuren wie Robert Wise und Schauspielern wie John Candy und Jonathan Winters. Langdon aber schmetterte alle Vorschläge ab. Er bestand auf Robin Williams als Ignatius und Harold Ramis als Regisseur.

Ramis begann tatsächlich, sich mit der geplanten Adaptation zu beschäftigen: 1985 wandte sich Langdon, frustriert von seinen erfolglosen Finanzierungsversuchen, an Mike Medavoy von Orion Pictures. Der war skeptisch und sagte schließlich ab. Die Vorlage war ihm nicht kommerziell genug. Trotzdem schickte Orion Maidee Walkers Drehbuch an Filmemacher wie Miloš Forman und Harold Ramis. Letzterer war begeistert von dem Roman, mochte aber das Skript nicht. Die Freundschaft zwischen Walker und Langdon zerbrach, als Langdon die Rechte 1987 an Scott Rudin und Fox verkaufte, um das Projekt dort mit Ramis umzusetzen – mit einem neuen Drehbuch. Nun oblag es Drehbuchautor Stephen Geller, sich an „A Confederacy of Dunces“ zu versuchen. Geller hatte Zweifel – schließlich war Tooles Roman ungewöhnlicher Stoff für Ramis. Doch Ramis war nicht das Problem: 1989 verließ Scott Rudin Fox und wurde durch Joe Roth ersetzt. Geller, der eng mit Ramis am Drehbuch gearbeitet hatte, ahnte nichts Gutes: „Ich habe zu Harold gesagt: ,Wir haben ein Problem. Dieser Mann wird das Buch nicht verstehen.‘“

Ramis war mit Gellers Drehbuch nie besonders glücklich. Es kam nicht nur zu Spannungen zwischen Geller und Roth, sondern auch zwischen Roth und Ramis und zwischen Ramis und Geller. Letzterer verließ das Projekt frustriert, aber nicht überrascht. Ramis blieb bei Fox. Er gab ein neues Drehbuch bei Beth Henley (Crimes of the Heart) in Auftrag. Henley stürzte sich begeistert in die Arbeit, war allerdings irritiert, als Ramis ihr verschiedene Vorschläge unterbreitete. Ignatius sollte zum Beispiel in einer Polizeistation arbeiteten. Henley knirschte mit den Zähnen, informierte den Regisseur aber nach Monaten harter Arbeit, dass sich das Drehbuch zu sehr von der Romanvorlage entferne. Entnervt warf Ramis das Handtuch.

1991 liefen die Rechte für den Stoff bei Fox aus. John Langdon war überglücklich. Er konnte einen neuen Versuch wagen und engagierte seine enge Freundin Susan O’Connell, Drehbuchautoren und Regisseure zu finden. Sie organisierte Meetings mit Alexander Payne, Tim Burton, den Coen Brothers, Robert Altman und Penelope Spheeris. Spheeris bekundete Interesse, war aber vorsichtig, wie sie sich erinnert: Das Projekt war noch nicht finanziert, Geld war wie immer ein Problem für Langdon. Er hatte aber noch ein anderes: Susan O’Connell war zu Ohren gekommen, dass Scott Kramer in all den Jahren selbst versucht hatte, das Projekt zu realisieren, obwohl ihm die Rechte schon seit zehn Jahren nicht mehr gehörten. Bumbershoot verwarnte den ehrgeizigen Produzenten, der vorhatte, den Film mit New Line Cinema umzusetzen, inszeniert von Steven Soderbergh. Langdon verlangte eine Million Dollar für die Rechte. New Line winkte ab. Scott Rudin, der mittlerweile bei Paramount arbeitete, spitzte die Ohren.

Alle Beteiligten schlossen einen Deal: Rudin würde den Film mit Soderbergh als Regisseur für Paramount produzieren. Kramer, Langdon und O’Connell wurden ausführende Produzenten. Alle waren zufrieden, auch mit der Wahl des Drehbuchautors: Frank Galati war ein renommierter Theaterregisseur und Autor. Zehn Jahre zuvor hatte er „A Confederacy of Dunces“ bereits für die Bühne umgesetzt. Doch auch hier hielt der Frieden nicht lange: Galati und Soderbergh hatten unterschiedliche Auffassungen von Tooles Roman. 1994 verließ Galati das Projekt. Rudin ersetzte ihn mit seinem guten Freund, Schauspieler und Autor Stephen Fry, mit dem er kürzlich an I.Q. gearbeitet hatte. O’Connell und Soderbergh ahnten nichts Gutes. „Alle hassten das Skript“, so O’Connell. Die Struktur war zu komplex, mehrere Tribute an All About Eve deplatziert. „Ich sage nicht, dass es die richtige Herangehensweise war, aber es war eine“, zeigt sich Fry selbstkritisch. Die Produktion wurde zusätzlich erschwert, als Fry 1995 einen Nervenzusammenbruch erlitt und mehrere Tage von der Bildfläche verschwand, bevor er sich in eine Nervenheilanstalt einweisen ließ.

Steven Soderbergh riss der Geduldsfaden, und er begann, sein eigenes Drehbuch zu schreiben. Allerdings beging er den Fehler, es an andere Studios zu schicken. Dies war ihm laut Vertrag mit Paramount untersagt. Soderberghs Rechtfertigung: Rudin habe den Vertrag als Erster verletzt, indem er die Soderbergh zugesicherte kreative Freiheit beschnitten hatte. Es begann ein juristischer Prozess, der bis 1998 andauern und sowohl Soderbergh als auch Kramer finanziell beinahe ruinieren sollte. Das Urteil ging jedoch zugunsten Soderberghs und Kramers aus: Sollten sie ein Studio finden, wäre Paramount verpflichtet, die Rechte an den Interessenten zu verkaufen. Kurz vor Torschluss – im Jahr 2000 – hatten Soderbergh und Kramer Erfolg: Harvey Weinstein sicherte ihnen zu, den Film für Miramax umzusetzen. Mittlerweile hatte der Regisseur das Interesse an dem Stoff verloren und war froh, als mit David Gordon Green ein würdiger Nachfolger verpflichtet wurde. Der hatte kein leichtes Spiel, als er versuchte, das neue Drehbuch von Scott Kramer umzusetzen. Weinstein zögerte, hatte andere Prioritäten. Zudem hatten mittlerweile so viele Produzenten (Langdon, O’Connell, Rudin, sogar Alexander Ignon und andere) ein Mitspracherecht, dass die Kakophonie an Stimmen dem jungen David Gordon Green das Trommelfell platzen ließ.

Unter Mithilfe Soderberghs versuchte Kramer, Warner Independent Pictures dazu zu bringen, Miramax die Rechte abzukaufen, doch die Entscheidungsträger bei Warner Bros. winkten ab, wie sich Warner Independent Pictures-Chef Mark Gill erinnert: „Sie mochten das Drehbuch nicht.“ Hilflos musste Kramer mitansehen, wie die Rechte 2005 – wie im Vertrag vereinbart – wieder bei Paramount landeten. Dort setzte das große Schweigen ein, vor allem weil Scott Rudin noch im gleichen Jahr das Studio verließ. 2012 machte die Adaptation noch ein letztes Mal Schlagzeilen: James Bobin wurde von Paramount verpflichtet, ein Drehbuch von Phil Johnston umzusetzen. Das ist bis heute nicht geschehen. Steven Soderbergh hat in Interviews gemutmaßt, „Die Verschwörung der Idioten“ sei verflucht. Doch die Gründe für das Scheitern der Adaptation sind vielschichtig: Jeder sieht in der Vorlage etwas anderes; die Rechtelage ist nach 40 Jahren des ständigen Kaufens und Verkaufens komplex; die Geschichte ist nicht so kommerziell, wie Hollywood-Studios sie gerne hätten. Ignatius J. Reilly wird wohl weiterhin auf dem Papier und den Bühnen, nicht aber auf der Leinwand sein Unwesen treiben.

Alle Zitate stammen aus Interviews, die der Autor geführt hat.