Wirecard Film

Filmfestival

Zwischen Arthouse und Event

| Günter Pscheider |
Das 9. Filmfestival Kitzbühel

Der vorsichtige Schritt Richtung (Kino-)Normalität ist dem Filmfestival Kitzbühel von 23. bis 29. August dank eines guten Sicherheitskonzepts eindrucksvoll gelungen. Die Säle waren bei der Eröffnung, der Abschlussgala aber auch beim Dokumentarfilm Wirecard – Die Millardenlüge ausverkauft, auch die virusfeindlichen Abstandsevents wie das Autokino, die sehr stimmungsvolle Open-Air-Leinwand im Zielgelände des Hahnenkammrennens und natürlich die Vorstellung am Kitzbüheler Horn waren wie üblich gut besucht.

Die Menschen haben wieder Lust, Filme auf der großen Leinwand zu erleben, die Angst vor dem unmittelbaren Sitznachbarn scheint zumindest geringer geworden zu sein, wobei der ganz große Andrang wie in Kitzbühel üblich sich auf die Events und wenige Abendvorstellungen konzentrierte. Für die meisten Arthousefilme konnte man problemlos im letzten Moment Karten kaufen. Dabei hätten sich die Gewinnerfilme deutlich höheren Zuspruch verdient: The Saint of the Impossible, eine peruanische Überlebensgeschichte im heutigen New York mit einem beeindruckenden Ensemblecast und Bilder (m)einer Mutter der deutschen Regisseurin Melanie Lischker, die aus über hundert Stunden privatem Videomaterial ein persönliches wie gesellschaftlich relevantes Bild eines Frauenlebens im 20 Jahrhundert montierte, überzeugten nicht nur die Jury. Eine lobende Erwähnung gab es für das portugiesische Drama Submission, das kühl inszeniert den Kampf einer Frau um Gerechtigkeit zeigt. Vergewaltigung in der Ehe wird nach wie vor zu selten angezeigt, verfolgt und verurteilt, deshalb zeigt diese Fallstudie sehr subtil die Schwierigkeiten der Beweisfindung und die fatale Tendenz des männlich dominierten Gerichts, die Frau nach wie vor als eine Art Besitztum des Ehegatten zu betrachten. Allen drei Filmen wäre ein österreichischer Verleih zu wünschen, und dem Kitzbüheler Festival noch mehr Aufmerksamkeit von Seiten der heimischen Branche.

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