Einblicke in die Arbeitsweise des investigativen Journalismus
In einer der ersten Sequenzen wird gleich einmal verdeutlicht, welche Kaliber im Zentrum von Daniel Sagers Dokumentarfilm stehen: Die Journalisten Frederik Obermeier und Bastian Obermayer absolvieren vor der Kamera einen Gesprächstermin mit keinem Geringeren als Edward Snowden, dem wohl berühmtesten aller Whistleblower. Doch Koketterie spielt dabei – wenn überhaupt – nur eine untergeordnete Rolle, denn die Reporter der „Süddeutschen Zeitung“ zählen mit ihrer Arbeit zweifellos zu den führenden Kräften des investigativen Journalismus. Die beiden gehörten bereits jenem publizistischen Konsortium an, das für die aufsehenerregenden Enthüllungen rund um die „Panama Papers“ verantwortlich zeichnete. Sager beleuchtet ihre Arbeit anhand ausgewählter Fallbespiele wie etwa die Recherche um die Umtriebe eines im großen Stil agierenden, internationalen Waffenhändlers oder jene um die Hintergründe der Ermordung der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia. Das alles bildet jedoch erst den Auftakt für jene Causa, die ins Zentrum von Hinter den Schlagzeilen rückt und hierzulande in Österreich unter dem Stichwort „Ibiza-Affäre“ hinlänglich bekannt sein dürfte.
In Form einer Langzeitbeobachtung werden die beiden Protagonisten bei ihren Recherchen zu dieser brisanten Geschichte begleitet. Der Blick hinter die Kulissen der renommierten „Süddeutschen“ dokumentiert die umfänglichen Arbeitsprozesse, die bei seriösem investigativen Journalismus Platz greifen – vom ersten Sichten und Bewerten des vorliegenden Materials, genauen forensischen Überprüfungen, bis hin zu Beratungen mit dem Justiziar des Hauses die möglichen rechtlichen Konsequenzen betreffend. Daniel Sager bereitet das Material unaufgeregt und betont nüchtern auf, um mit dieser Strategie zielsicher die Kernbotschaft seiner Dokumentation, nämlich die Notwendigkeit der Medien als Kontrollorgan, herauszuarbeiten. Wie notwendig diese „Vierte Gewalt“ für eine funktionierende Demokratie ist, fängt Hinter den Schlagzeilen eher beiläufig bei dem erwähnten Gespräch mit Edward Snowden ein, als der anmerkt: „These liberal and open societies that we inherited – they are not guaranteed, they only exist to the collective efforts of many people.“ Der Satz ist übrigens gefallen, bevor im Zuge einer Pandemie Grundrechtseinschränkungen ungeahnten Ausmaßes allerortens beinahe schon zur Selbstverständlichkeit politischen Agierens geworden ist. Man sollte also besser auf Snowden hören, denn der vormalige Mitarbeiter der NSA weiß, wovon er spricht.
