Filmkritik

Madison

| Jakob Dibold |
Von Wettrennen, Freundschaft und Lebensfreude – und davon, was gewonnen werden will

Wir sehen viel aus der Luft zu, die Musik ist fröhlich und beschwingt. Unbeschwert ist das Mädchen, das vor allen anderen über die Ziellinie der Fahrrad-Rennbahn fährt, aber nicht: „Ich muss fit bleiben“, ist dann doch eine eher ungewöhnliche Antwort einer Zwölfjährigen, der ein Eis angeboten wird. Den Sommer will Madison nämlich nicht mit normalen Sommertätigkeiten verbringen, hat neben ihrer eigenen Leistung wohl doch ein Stück weit ihr Vater, ein äußerst erfolgreicher und dementsprechend ehrgeiziger Radprofi, dafür gesorgt, dass sie sich in einem wichtigen Nachwuchs-Camp mit älteren Fahrerinnen messen darf.

Wie es das Schicksal jedoch will, muss sie das Trainingslager verfrüht verlassen; es geht also ab nach Tirol, wo ihre Mutter einige Wochen lang Yoga-Kurse gibt und recht eindeutig mit ihrem feschen Tiroler Gastgeber turtelt – ihr bestes Recht, denn von dem Leistungsfanatiker ist sie längst geschieden. Auch wenn Madison und die so anders als ihr geliebtes Rennrad zu handhabenden Mountainbikes anfangs erst recht zaghaft zueinanderfinden, freundet sich das Mädchen schnell mit Kindern aus der Gegend, allen voran mit der abenteuerlustigen Vicky, an, und auch ein Bursche gefällt ihr ziemlich gut. Allerlei mehr oder weniger vorhersehbare Wendungen später – Papi mischt ebenfalls wieder mit – gäbe es eigentlich nichts Wichtigeres als mit der nur als Freizeit-Leidenschaft fahrradverrückten Vicky ein Team bei der diesjährigen Radl-Schnitzeljagd zu bilden …

Doch dem Showdown steht einiges im Weg: Der Film, der im ersten Drittel etwas zu oft wie ein aufgeblasenes, perfekt produziertes Tourismus-Imagevideo daherkommt, das aber ebenso ein Bankunternehmen und dessen Lebensnähe bewerben könnte, spürt den Themen des Erfolgsdrucks bei Kindern und des Leistungssports überhaupt ebenso nach wie den dann doch wichtigsten der Freundschaft und der ersten Verknalltheit an der Pforte der Teenie-Jahre. Nicht wahnsinnig aufregend oder gewagt, aber durchaus nicht ungekonnt. Die Raum für Intimität und gefühlsgeladene Spannung bietenden Situationen gehen neben den Landschafts-Totalen zwar ein bisschen unter, doch neben einem guten Kinder-und-Teenager-Cast zeichnet sich Madison auch dadurch aus, dass der Film lange an verschiedenen Entscheidungs-Klippen entlangtänzelt, als netter und kurzweiliger Familienfilm, der das olympische Motto ein wenig korrigiert: Dabeisein alleine ist nicht alles – es kommt schon darauf an, wobei und mit wem.