Filmkritik

Another Coin for the Merry-Go-Round

| Jörg Schiffauer |
Eine Gruppe junger Leute zwischen der unbeschwerten Leichtigkeit des Seins und Ernüchterung

Sich treiben lassen, unbeschwert in den Tag hineinleben und wenig um die Zukunft sorgen, denn die findet im Hier und Jetzt statt: So lässt sich – ein wenig vereinfacht – jener Lebensstil beschreiben, den Richard Linklater in Slacker (1990) so trefflich zu porträtieren verstand und damit den titelgebenden Begriff auch populärkulturell verankert hat.

Typische Slacker sind auch die vier Protagonisten von Another Coin for the Merry-Go-Round Anna, Jools, Ilias und Niko, die sich um nichts in der Welt ihre Unbeschwertheit nehmen lassen wollen. So verbringt man die Tage – und insbesondere die Nächte – mit Skateboarden, zieht feiernd durch Clubs, diskutiert, welches Album von Fugazi das beste ist und versucht sich als Underground-Band. Doch im Alter von knapp dreißig wird es zusehends schwieriger, den Zustand der  unbeschwerten Leichtigkeit des Seins dauerhaft beizubehalten. Als ein Mitglied der Gruppe einen Selbstmordversuch unternimmt, beginnen die gewohnten Rituale brüchig zu werden.

Regisseur und Drehbuchautor Hannes Starz nähert sich den etwas chaotischen Lebensprinzipen der Slacker-Community auf der formalen Ebene an, indem sich seine Inszenierung linearen, kausalen Erzählkonventionen konsequent verweigert. Another Coin for the Merry-Go-Round bedient sich vielmehr einer episodischen, bruchstückhaften Narration, die zwischen Alltagsszenen und rauschhaften Traumsequenzen changiert. Bildfüllende Inserts mit Songtext-Zitaten verstärken den assoziativen Charakter. Grobkörnige, Bilder, die ohne künstliche Lichtquellen auskommen, erscheinen streckenweise wie ein Musterbeispiel für das von Thomas Vinterberg und Lars von Trier unterzeichnete Dogma-Manifest und evozieren mittels rasanter Montage ein Gefühl von rastloser Unmittelbarkeit.

Nicht alles geht bei diesem Konzept auf, doch abseits manch erratischer Momente generiert Another Coin mittels seiner unkonventionellen Erzählform über weite Strecken eine Dynamik und Energie, die das sichtbar geringe Budget der Produktion vergessen macht. Zudem hat Hannes Starz einen Joker im Blatt, mit dem man kaum verlieren kann. Für die Rolle der Anna konnte Starz nämlich Valerie Pachner, die zu den spannendsten Darstellerinnen des österreichischen – und deutschen – Films zählt und als Franziska Jägerstätter in Terrence Malicks A Hidden Life auch international auf sich aufmerksam machen konnte, gewinnen. Pachner erweist sich als Kraftzentrum des Films und versteht es, mit ihrer ebenso intensiven wie nuancierten Darstellung die vielschichtige Gefühlslage der Protagonistin zwischen hedonistischer Lebensfreude und zweifelnder Melancholie auf höchst authentische Weise spürbar zu machen.