French Dispatch

Filmkritik

The French Dispatch

| Pamela Jahn |
Wes Anderson im Leerlauf

Was lange währt, wird gut. Das muss sich auch Wes Anderson gedacht haben, als er entschied, die Weltpremiere seines neuen Films um ein ganzes Jahr zu verschieben. Denn eigentlich hätte The French Dispatch bereits 2020 in Cannes laufen sollen, doch dann fiel das Festival pandemiebedingt ins Wasser. In diesem Juli war es schließlich so weit, und mit dem offiziellen Kinostart hat das Warten nun auch hierzulande ein Ende.
Deshalb zunächst die gute Nachricht: The French Dispatch ist auf den ersten Blick ein Wes-Anderson-Film, wie man ihn kennt und schätzt. Der mittlerweile 52-jährige Texaner erweist sich einmal mal als das große Spielkind unter den Hollywood-Regisseuren, einer, der es versteht, mit viel Aufwand und noch mehr Liebe eigene schräge, bunte Welten zu bauen, die er mit Freunden und Bekannten füllt, um eine seiner typisch skurrilen Geschichten zu erzählen – diesmal sind es sogar gleich drei. Jede einzelne von ihnen ist dem fiktiven Magazin entnommen, dem der Film seinen Namen verdankt, geschrieben von Expat-Journalisten, die den wöchentlich erscheinenden französischen Ableger des „Liberty, Kansas Evening Sun“ unter der Leitung des Chefredakteurs Arthur Howitzer Jr. (Bill Murray) mit ihren individuellen und stets lebhaften Reportagen füllen.
Da wäre zunächst Tilda Swinton als farbenfrohe Kunstkritikerin, die über einen psychisch kranken, aber genialen Maler (Benicio del Toro) berichtet, dem eine dominante Gefängniswärterin (Léa Seydoux) als Muse dient. Frances McDormand recherchiert derweil über die Studentenproteste in den Verstrickungen der 68er-Revolution und bändelt alsbald mit einem aufgeweckten jungen Franzosen (Timothée Chalamet) an, während der Kulinarikexperte Roebuck Wright (Jeffrey Wright) in seiner Reportage ins investigative Ressort abdriftet, obwohl er eigentlich über einen Chefkoch schreiben wollte.
Ähnlich grotesk sind die diversen Anekdoten und Seitensprünge der Handlung, in denen neben Saoirse Ronan auch Christoph Waltz, Jason Schwartzman und Edward Norton kleine Gastauftritte haben. Sie alle sind wie immer mit dem Herzen dabei, sie alle haben ihren Spaß. Trotzdem bleibt Andersons Hommage an den amerikanischen Magazin-Journalismus im Allgemeinen und den „New Yorker“ im Speziellen in seiner stilvollen Verspieltheit weit hinter seinen früheren Meisterwerken zurück. Zu schablonenhaft wirken die Figuren, zu aufgesetzt die romantischen Frankreich-Klischees, die in vorhersehbarer Regelmäßigkeit verbraten werden. Es scheint, als hätte sich das Erfolgskonzept in den Leerlauf gefahren, mit dem Anderson lange Zeit sich selbst und das Publikum amüsierte.