Regisseur Andreas Schmied über den Film, über die Zusammenarbeit mit Franz und Eva Klammer und über seine Ideen zur Besetzung.
Seit wann arbeiten Sie an dem Projekt, und wann und wie wurde Franz Klammer einbezogen?
Andreas Schmied: Überraschenderweise gar nicht so lang. Vor zwei Jahren und aufgrund meines Kärntner Films Harri Pinter, Drecksau, haben mich die Epo Film und die Kärnten-Werbung angesprochen, ob ich eine Idee dazu hätte. Meine Frau Elisabeth, mit der ich sehr viel schreibe und die auch Ko-Drehbuchautorin des Films ist, und ich, wir haben dann überlegt, dass wir einerseits ein klassisches Biopic machen wollen, andererseits aber einen Film, der auch funktioniert, wenn man – was ja in Österreich extrem unwahrscheinlich ist – nicht weiß, wer Franz Klammer ist. Eine gute Geschichte um einen Skifahrer, die einen emotional bewegt. So haben wir das Franz erzählt, und er hat vorgeschlagen, dass wir uns mit seiner Frau und ihm treffen. Da haben wir erst erfahren, dass die beiden schon lange versuchen, einen Film zu machen. Und uns ist klar geworden, was diese fünf Tage in Innsbruck für eine tolle Geschichte ergeben, mit einem Helden, mit antagonistischen Kräften, mit einer großen Love Story – also mit allem, was großes Kino ausmacht. Wir wollten nicht einen Film von der Wiege an machen, dieses Stationenspiel, der kleine Franzi bekommt Ski und so weiter. Die beiden waren zunächst ein bisschen skeptisch, aber dann haben sie uns ihre Herzen geöffnet und auch ihr privates „Archiv“.
Eben, es ist ja, neben allem anderen, eine unglaublich schöne Liebesgeschichte …
Andreas Schmied: Ja, das ist es, und war es auch damals. Eva hat Franz definitiv die Stärke gegeben, das zu schaffen. Dass der Film, wie das eben so sein muss, das Ganze emotional ein bisschen hochschraubt, ist klar.
Dass so viel Privates im Film ist, war also nie ein Problem?
Andreas Schmied: Nein, im Gegenteil. Die beiden lieben ja das Kino …
Ja, das hat mir Herr Klammer auch gerade erzählt.
Andreas Schmied: Wir haben da auch Gemeinsamkeiten gefunden. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme, fast ein Vorbild, vom Gefühl her, das er vermittelt, ist Rocky I. Und es hat sich herausgestellt, dass Franz den in der Woche vor Olympia 1976 im Kino gesehen hat.
Wie haben Sie diesen tollen Cast zusammenbekommen? Die meisten kennt man jetzt nicht so wirklich gut. Was war Ihnen dabei wichtig?
Andreas Schmied: Ja, das war der Sinn der Sache. Ich bin immer für neue Gesichter, wobei es nicht ganz leicht war, den Cast durchzusetzen. Aber mir war klar: Ich will niemanden Berühmten haben, es geht nicht um den Schauspieler, sondern um die Figur des Franz, und dass die Leute nicht sagen: ach, der spielt das, und: schau mal, die spielt das. Franz sollte im Mittelpunkt stehen, und auch in puncto PR war ich überzeugt, dass der Name Klammer auf jeden Fall reicht um die Menschen ins Kino zu locken. Ich glaube nach wie vor, dass es die richtige Entscheidung war. Wir haben eine eigene, geschlossene Welt geschaffen, ohne dass dauernd jemand „Wichtiger“ im Film auftaucht.
Dann war das aber ein ziemlicher Glücksgriff, denn gerade die Chemie zwischen Franz und Eva ist schon sehr auffällig.
Andreas Schmied: Julian Waldner ganz sicher: ein Kärntner im passenden Alter, vom Reinhardt-Seminar, und der noch dazu sehr gut Ski fahren kann. Valerie Huber übrigens auch, die kann das im Film nicht zeigen, aber sie hat privat viele Ski-Rennen gewonnen. Wissend, wie die Dynamik zwischen Franz und Eva im Film sein wird, war mir klar, dass die beiden das perfekte Liebespaar darstellen. Wie die beiden miteinander umgehen, so gehen auch die realen Menschen miteinander um, das ist einfach schön.
Wie haben Sie die Rennszenen gedreht? Sind die echt oder digital, oder beides?
Andreas Schmied: Echt! Wir haben mehrere Wochen den kompletten Patscherkofel für uns gehabt und haben auch dort gedreht. Natürlich haben wir auch Tricks angewendet, digitale Menschen, die da zum Rennen strömen, Green Screen, wenn man Julian sieht, und zuständig für die ganzen Stuntfahrten war Gerald Salmina, der Regisseur der Streif-Doku. Als Stuntfahrer hatten wir die ehemaligen Abfahrer Daron Rahlves und Werner Heel als Klammer- bzw. Russi-Double, die dann die eher halsbrecherischen Sachen gemacht haben, die können das natürlich.
Ich finde es toll, dass es endlich eine österreichische Heldensaga gibt, 45 Jahre, nachdem sie passiert ist. In Hollywood hätte man das schon längst gemacht. Wie sehen Sie das?
Andreas Schmied: Ich gebe Ihnen völlig Recht. Es gäbe so viele Geschichten, die wir zu erzählen hätten, die Stoff für das Kino sind. Allein, wenn man sich Rush anschaut oder, vom selben Regisseur Frost/Nixon … warum schaffen die das, solche Geschichten zu erzählen und wir nicht? Frost/Nixon ist ja ein Interviewfilm, und da frage ich mich: Warum gibt es keinen Interviewfilm mit Hugo Portisch zum Beispiel? Es gibt tolle Stoffe, genügend Sportler, Künstler, was auch immer … Man müsste nur die richtigen aussuchen.
Vielleicht liegt es ja an den Budgets.
Andreas Schmied: Ja, absolut. Für Klammer kann ich sagen: Wir haben ohne Hollywood-Budget versucht, einen großen, großen Film zu machen, und das ist definitiv ein Thema, dass es in der Filmförderung eine Budgetobergrenze gibt, die solche Filme verunmöglicht. In dem Fall ist es sich gerade ausgegangen, aber man muss bedenken – nur ein Beispiel: am Patscherkofel 3 Kilometer links, 3 Kilometer rechts die existierenden Zäune abzubauen und die Zäune von 1976 hinzubauen, oder diese Fichtenzweige zu platzieren, die damals als Pistenmarkierung dienten, das kostet unglaublich viel. Die VFX, um diese digitalen Menschen zu erzeugen, das braucht man einfach, um diese Geschichte zu erzählen. Ich glaube, deswegen werden so wenige solcher Filme gemacht.
Was kommt als nächstes? Hermann Maier?
Andreas Schmied: Haha, ich wurde tatsächlich schon angesprochen wegen Hermann Maier, wegen Cordoba und Thomas Muster. Aber ich warte mal, was so daherkommt. Wichtig ist jetzt einmal, wie der Klammer-Film funktioniert.
Welche Erwartungen haben Sie denn an den Kinoeinsatz? Gibt es eine Zuschauerzahl, die Sie anpeilen?
Andreas Schmied: Ich glaube schon, dass den Film sehr viele Menschen anschauen werden. Mit Prognosen von Zuschauerzahlen bin ich lieber vorsichtig – wer weiß, vielleicht wird nächste Woche wieder alles zugesperrt. Ich mache gerne populäre Filme, das ist meine Natur, da kann ich nicht aus meiner Haut. Es ist ein großer Film, und ich glaube schon, dass er erfolgreich sein wird.
Die Generation, die die Geschehnisse im Film noch miterlebt hat, die geht allerdings eher nicht mehr ins Kino.
Andreas Schmied: Hoffen wir, dass der Mythos Klammer so weit strahlt, um sie doch wieder ins Kino zu locken. Für diese Menschen ist es ja gewissermaßen ihre Jugendzeit, die sie da sehen. Aber ich glaube, das ist auch für junge Leute ein Thema, die sich für Skifahren interessiere, zumindest hoffe ich das. Darum haben wir auch versucht, das Ganze so ein bisschen flott zu machen, dynamisch, nicht „altvaterisch“.
Kurz noch zu dem Science-Fiction-Film „Rubikon“ von Magdalena Lauritsch, den Sie ja mit Ihrer Firma Samsara Film produziert haben. Wie ist da der aktuelle Stand?
Andreas Schmied: Wir haben ihn gerade in einer Schnittfassung gesehen, und ich bin sehr angetan. Ich glaube, das wird eine tolle Sache, und der Film ist jetzt noch aktueller als damals, als wir begonnen haben. Das Eingesperrt-Sein, um das es geht, haben wir jetzt alle hautnah erlebt. Und, wie gesagt, ich liebe populäre Stoffe und Genres. Ich freue mich auch, dass wir ein weiteres Science-Fiction-Projekt betreuen können, „Requiem for a Robot“, in dem sich ein Roboter auf die Suche nach seinem Schöpfer macht. Ich bin schon sehr gespannt.
